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Am Ende der Abendmahlsliturgie beten wir Psalm 103. „Lobe den Herrn, meine Seele, mit allem, was in mir steckt, den Namen des Ewigen!" beginnt David zu beten. Im zweiten Vers wird er noch konkreter und betet weiter: „ ... und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!"
Dankbar werden

David erinnert sich selber an die Haltung der Dankbarkeit Gott gegenüber, der uns beschenkt. Er scheint entdeckt zu haben, dass nur das uns wirklich gehört, wofür wir danken können, nur darauf können wir uns auch wirklich einlassen. Solange wir an irgendwelchen Dingen rummäkeln, bleiben sie uns fremd. Dann bestimmen das Defizit und der Mangel unser Verhältnis zu anderen, zu Situationen, zu uns selber, zu Gott.

Wenn ich die Kinder und Jugendlichen meiner Gruppe oder während einer Freizeit nur als Last und Stressfaktor empfinde, dann kann ich mich ihnen nur bedingt zuwenden. Wenn ich eine Sache nur als Belastung sehe, dann werde ich sie auch nur widerwillig anpacken.

Wenn ich durch die Brille der Dankbarkeit auf Menschen schaue, sehe ich in jedem Einzelnen das Ebenbild Gottes. Wenn ich für meine Gaben und Möglichkeiten dankbar werde, dann geht vieles leichter von der Hand. Wenn ich diese Welt als erlöstes Werk Gottes ansehe, dann ist Verantwortung nicht Last, sondern lustvolle Einladung, diese Schöpfung zu bebauen und zu bewahren. Dann tragen wir mit Verantwortung, sind aber nicht für alles verantwortlich. Dann ist nicht alles selbstverständlich, sondern wir entdecken die vielen großen und kleinen Liebesbeweise Gottes in unserem Alltag. Dann werden wir fähig zu unterscheiden, was wir wirklich nötig haben und worauf wir verzichten können. Ohne Dankbarkeit bekommen wir nie genug!

Dankbarkeit ist die Sprache des erlösten Herzens. Dankbarkeit lebt vom Empfangen, vom beschenkt werden und vom Weiterschenken.

Es könnte für uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ejw eine interessante Erfahrung werden, wenn wir miteinander Dankbarkeit einüben.

Der Benediktinermönch David Steindl-Rast schreibt:
„Tag und Nacht wird uns mit jedem Augenblick Unzähliges geschenkt. Wir brauchen nur darauf zu achten, und Dankbarkeit wird uns beinahe überwältigen. Aber achten wir darauf? Das ist die Frage. Und an diesem Punkt setzt Askese als planmäßige Übung ein. Seit Jahren schreibe ich täglich in meinen Taschenkalender zumindest eine Sache, für die dankbar zu sein mir vorher noch nie in den Sinn gekommen ist."
(aus: Willi Lambert, Aus Liebe zur Wirklichkeit, Topos Taschenbücher)

Ich lade herzlich ein, hier von Erfahrungen zu berichten und uns gegenseitig zu ermutigen. Bitte hier unten im Kommentarfeld können eintragen.

Alma Ulmer
Landesjugendreferentin
Studienleiterin Bernhäuser Forst
alma.ulmer@ejwue.de 

geschrieben von rr am 30.07.2011 um 12:58 Uhr.
 


1.

Dank?
Ihr Beitrag hat mir eine neue Sichtweise eröffnet – dankbar sein als Befreiung: Ich muss nicht kämpfen, ich muss nicht mäkeln, denn es geht mir gut. Früher habe ich das Dankbar-Sein-Müssen als Belastung empfunden. Nach dem Motto: „Ich muss mir alles selbst erarbeiten, wofür sollte ich dankbar sein?“. Gerade in christlichen Kreisen kommt das „danken“ oft in Verbindung mit „man muss“ daher.

„Sag schön danke“, sagt man schon dem Kind. Wenn es als Pflicht angesehen wird, bekommt das Danken einen unguten Beigeschmack und macht keine Freude – weder dem Dankenden noch dem, dem man dankt. Aber, wie Sie schreiben: Dankbar sein können ist eine Befreiung. Zur Freude führt der Dank auch für den Dankenden, wenn man sich fragt, wofür man danken KANN und DARF. Dann erkennt man, dass man nicht für alles kämpfen muss, sondern die besten Dinge geschenkt bekommt. Denn auch wenn ich mir vieles erarbeiten kann, materielle Dinge oder Urlaub, ist das alles ja nichts wert, wenn ich daran keine Freude habe. So kann ich dankbar sein für die Freude an der Arbeit oder in der Freizeit, für einen Lebenspartner, den ich liebe, für einen Urlaub, der mir gutgetan hat. Und es ist wahr: Wer nicht dankbar sein kann, bekommt nie genug. Wer nicht danken kann, will immer mehr und ist doch nie zufrieden. Solche Menschen sind bedauernswert, egal wieviel sie haben.
Gerade jetzt in den letzten Tagen - ich hatte ein paar Tage Urlaub und fand das ganz schön langweilig - habe ich gelernt, für meine Arbeit dankbar zu sein, die mich nicht nur materiell versorgt, sondern mir auch Freude macht. In diesem Sinne: Vielen Dank für Ihren Beitrag!
Jutta Hüser am 10.08.2011 um 14:31 Uhr ( E-Mail )

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