1. Freizeiten, die wir anbieten, machen Glauben erfahrbar und bieten Räume um Gott zu erleben.

Der Verkündigungsauftrag ist Teil des Profils unserer Freizeiten. Dieses Profil wird durch die Ausschreibung deutlich kommuniziert und ist der Leitfaden für die Vorbereitung im Team und die Durchführung der Freizeit. Räume für Diskussionen und Gespräche mit den Teilnehmenden werden eröffnet. Die Verkündigung erfolgt zeit- und zielgruppengemäß. Die Leidenschaft für den missionarischen Auftrag und für die jungen Menschen spiegelt sich in methodischer Vielfalt und in durchdachten Formen. Das Evangelium von Jesus Christus ist dann nicht das „Anhängsel“ an das Erlebnisprogramm, sondern die Mitte, von der aus die Programmgestaltung, das Miteinander mit den Teilnehmenden, die Team- Gemeinschaft, die Verpflegung und der äußere Rahmen gestaltet werden. Freizeit-Teilnehmende sind nicht nur Empfänger einer Botschaft, sondern sie gestalten die inhaltlichen Teile der Freizeit aktiv mit.

» Was ist unser Profil und damit verbunden das Besondere unserer Freizeiten?

» Haben unsere Mitarbeitenden hilfreiches Material und entsprechende Schulungsangebote?  

2. Auch Kinder und Jugendliche mit Behinderung sollten bei uns passende Freizeiten finden.

Jeder Mensch ist in seiner Individualität ein Geschöpf Gottes. In der Begegnung mit Menschen, die ganz „anders“ sind, liegt ein großer Reichtum. Trotzdem sind viele unserer Freizeiten ein „Exklusiv-Angebot“ für Nicht-Behinderte. Inklusion auf Freizeiten geht jedoch über die Frage nach Behinderungen hinaus. Das Mädchen mit Lebensmittelunverträglichkeit, der Junge mit ADHS, der Waise, der nach einer langen Flüchtlingsgeschichte im Heim lebt – beziehen wir sie auf unseren Freizeiten mit ein? „Es ist normal verschieden zu sein“. Diese Selbstverständlichkeit muss neu entdeckt und bewusst entwickelt werden. Wird Inklusion auf Freizeiten umgesetzt, bedeutet dies aber immer auch eine pädagogische Herausforderung für die Mitarbeitenden und hat Auswirkungen auf den äußeren Rahmen:

>> Welche Unterkunft passt? >> Müssen Mitarbeitende zusätzlich geschult werden, z. B. als Inklusionsassistent? >> Welche Mitarbeiterschlüssel machen Sinn? >> Wo sind unsere Grenzen? >> Kennen wir andere Freizeitenanbieter, auf die wir verweisen, wenn wir selbst keine inklusiven Freizeiten umsetzen können? >> Wie kann eine offene Kommunikation zwischen Erziehungsberechtigten und uns als Freizeitanbieter gewährleistet werden?

Nicht jede Freizeit muss „inklusiv“ sein. Alle jungen Menschen können und sollen aber selbstverständlich in der evangelischen Jugendarbeit Freizeitangebote finden.

 

3. Gute Werbekonzepte orientieren sich nicht an liebgewonnenen Formaten, sondern an den Zielgruppen.

Unsere Kommunikationskanäle sind nicht automatisch die Kanäle, die junge Menschen nutzen. Das Kommunikationsverhalten junger Menschen und deren Eltern hat sich verändert. Wir sind daher herausgefordert, mit unserer Werbung die „Wellenlänge“ unserer Zielgruppen zu treffen: online, auf Papier und (nach wie vor entscheidend) über persönliche Beziehungen.

Viele Jugendliche gehen davon aus, dass Informationen „automatisch“ bei ihnen landen (wie beispielsweise bei einer Facebook-Einladung). Flyer im Gemeindehaus reichen für eine angemessene Freizeitwerbung nicht mehr aus.

Viele Eltern wissen nicht, dass es Freizeiten gibt, weil wir außerkirchliche Verteiler zu wenig nutzen. Wie können wir unsere sehr guten „Produkte“ zum Kind, zum Jugendlichen oder zu den Eltern bringen? Sind unsere Freizeiten gut und gewinnend beschrieben um ihnen zu zeigen, dass „Gemeinde und Kirche auf Zeit“ auch Spaß macht? Weist die Werbung auf unsere christlichen Werte und auf unser Profil hin?

4. Freizeiten sind eine Chance zum Blick über den Tellerrand.

Sie erweitern den Horizont über Kirchengemeinde- und CVJM-Grenzen hinaus. Jugendarbeit am Rand der Gesellschaft, mit Kindern und Jugendliche aus unterschiedlichen Religionen, Ethnien und sozialen Schichten fordert uns heraus. Häufig bieten Kooperationen große Chancen um über unseren bisherigen „Dunstkreis“ hinaus zu kommen. Wir erreichen Jugendliche, die sonst nie mit christlicher Freizeitarbeit in Kontakt kommen würden. Und nicht nur wir, sondern beispielsweise auch Schulen suchen Kooperationspartner für ihre Schullandheime oder für Sozial und Kompetenztrainings. Wie können solche Kooperationen in die Wege geleitet werden und Gestalt gewinnen? Wie ermöglichen wir wirkliche Teilhabe? Finden alle Teilnehmende bei uns nach der Freizeit eine Heimat? Und muss das überhaupt sein?

 

5. Freizeiten sind der Motor der Jugendarbeit.

Freizeiten bieten jungen Menschen einzigartige Möglichkeiten evangelische Jugendarbeit kennenzulernen. Durch die intensive Gemeinschaft und die Erfahrungen während der Freizeit entwickeln sich Beziehungen und Anstöße für die Zeit danach.

In Gruppen oder bei Aktionen unserer Gemeinden und Bezirke lernen die Teilnehmenden dann mehr über unsere Angebote. Sie entdecken eigene Gaben, identifizieren sich mit „uns“ und werden dazu motiviert selber mitzuarbeiten. Es ist genial, wenn wir dadurch hochidentifizierte Menschen für weitere Freizeit- oder Seminarteams, für unsere Gremienarbeit und für Leitungsaufgaben gewinnen können.

6. Die inhaltlichen Anliegen unserer Freizeiten rechtfertigen auch finanzielle Risiken.

Freizeitangebote, die mit Abmangel schließen, können auf Dauer nur in begrenztem Umfang mitfinanziert werden, je nach Höhe der dafür vorgesehenen Rücklagen. Freizeiten sind immer auch ein finanzielles Risiko.

Aber sie lohnen auch ein finanzielles Investment. Denn sie fördern tragfähige Beziehungen, sie wecken Glauben, sie stärken die Weiterentwicklung in der Persönlichkeit und stiften Lebenssinn.

Freizeiten sind Knotenpunkte der Jugendarbeit und ein ganz wesentlicher Baustein in einer Gesamtkonzeption einer Kinder- und Jugendarbeit. Wie viel sind uns solche Knotenpunkte wert - auch im Blick auf finanzielle Risiken, die wir damit eingehen?

>> Was kosten unsere Freizeiten? Welche Jugendlichen können sich das leisten? >> Welche finanziellen Ressourcen könnte man noch nutzen? >> Haben wir alle Zuschuss- und Fördermöglichkeiten ausgeschöpft?  

7. Das Programm der Freizeit zielt nicht auf „Vollzeit-Animation“, sondern schafft Raum zur Begegnung.

Freizeiten gehören zu den intensivsten Erfahrungen junger Menschen – mit einer Prägekraft weit über die Urlaubszeit hinaus. Die wichtigste Aufgabe für die Konzeption einer Freizeit liegt daher in den Fragen: Wie gelingt es, dass Mitarbeitende Zeit und Kraft für die jungen Menschen haben? Welchen Mitarbeiterschlüssel (Zahlenverhältnis Mitarbeitende zu Teilnehmende) braucht eine Freizeit? Welche Ziele sind dem Team wichtig – beispielsweise im Blick auf Partizipationsmöglichkeiten für die Teilnehmenden, die Umsetzung von Regeln oder die Gestaltung von Spiritualität während der Freizeit?

Auch wenn die Klärung technischer Fragen, die Programmgestaltung und die Materialbeschaffung viel Arbeit machen, bieten sie lediglich die Grundlage dafür, was eine gute Freizeit ausmacht: „Orientierende Begegnungen mit orientierten Menschen“ (Martin Weingardt). In der Vorbereitung legt die Freizeitleitung daher Wert auf die Klärung der gemeinsamen Ziele und die Schulung des Teams. Ein Grundsatz für das Team lautet: „Das Wesentliche passiert in den Begegnungen“.

 

8.  Die Grundlage zur Qualität einer Freizeit wird in der Schulung des Teams gelegt.

Um eine hohe Qualität der Freizeit sicher zu stellen ist es wichtig, dass Mitarbeitende für ihre Aufgaben kompetent sind. Die Vorbereitung einer Freizeit kann und sollte aktiv zur Schulung der Mitarbeitenden genutzt werden. So wird konkret und praxisnah Wissen vermittelt, können vorhandene Erfahrungen reflektiert und neue Impulse gesetzt werden.

Nach welchen Kriterien werden Ehrenamtliche in ein Freizeitteam aufgenommen? Braucht es dazu eine Eignung oder „Reife“ der jeweiligen Mitarbeitenden? Die Klärung dieser Fragen ist eine wichtige Aufgabe für den Veranstalter bzw. dessen Leitungsgremien.

Unsere Gesellschaft ändert sich und auch Kinder und Jugendliche haben Teil am ständigen Wandel.

Gute Freizeiten passen deshalb ihr Programm immer wieder den sich verändernden Bedürfnissen an, nach dem Motto: „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“.

Der „Qualitätsleitfaden für Freizeiten im EJW“ formuliert wichtige Leitlinien für eine gelingende Freizeit und verdeutlicht die hohe Verantwortung, die Mitarbeitenden hier zukommt. Er steht unter www.ejw-reisen.de/qualitaet zum Download bereit.

 

9. Gemeinschaft ist ein großer Schatz auf Freizeiten, den manche Teilnehmende bewusst suchen, andere erst dort entdecken.

„Wir wollten eigentlich nur einen coolen Urlaub. Gefunden haben wir einen mega Zusammenhalt!“

Ein solch gutes Miteinander kann nicht „gemacht“ werden. Aber die Programmgestaltung während einer Freizeit kann einen Rahmen schaffen für Gemeinschaftserlebnisse. Lust auf die Gruppe muss bei manchen Teilnehmenden auch erst geweckt werden.

Damit Freizeiten ihren gemeinschaftsfördernden Charakter behalten sind verbindliche Programmpunkte für die ganze Gruppe unverzichtbar. Zugleich muss den Bedürfnissen der Jugendlichen Rechnung getragen werden, durch frei wählbare Programmbausteine und auch durch frei gestaltbare Zeit.

Besonders förderlich für das soziale Lernen sind beispielsweise:

» Gemeinsame Mahlzeiten » Zwei-Tages-Tour » Teilnehmende „mischen“ bei Team-Spielen » Gemeinsame Freizeitdienste, wie z. B. Mithilfe beim Spülen » Gesprächsgruppen nach einem biblischen Impuls

 

10. Gute Freizeiten bauen Brücken zu anderen Formen der Jugendarbeit

Eine gute Freizeit stellt einen Wert in sich dar. Sie ist ein abgeschlossenes, vollwertiges Projekt der Jugendarbeit. Dennoch sollten Brücken zu anderen Aktivitäten der Jugendarbeit immer mit gedacht und mit geplant werden.

Die Möglichkeiten der Nacharbeit richten sich immer nach den Teilnehmenden einer Freizeit. Aber jedes Freizeitteam sollte sich bereits in der Vorbereitung mit diesem Thema beschäftigen. Und dann im Prozess individuell auf die Bedürfnisse der Gruppe und Einzelner eingehen.

Das Prinzip lautet also: » Welche Angebote brauchen diese jungen Menschen? » Wie können wir die Dynamik der Freizeit weiterführen?

Und nicht » Wie finden wir neue Menschen für unsere bestehenden Angebote?

 

 

 

 

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