1. Ehrenamt ist freiwillig und nicht auf Geldverdienst ausgerichtet.

Das freiwillige, ehrenamtliche und unentgeltliche Engagement entsteht durch unterschiedliche Motivationen. Für Christen wird im Ehrenamt Glaube erfahrbar und Nachfolge konkret. Dabei stehen Ehrenamt und Bezahlung in Spannung zueinander, weil Bezahlung Abhängigkeiten schafft und Motivationen verändert. In der evangelischen Jugendarbeit sind Kostenersätze (z. B. für Spiel- und Bastelmaterial) keine Bezahlung, sondern werden selbstverständlich angeboten. Darüber hinaus können Honorare bis zur Grenze der Ehrenamts-/ bzw. Übungsleiterpauschale bezahlt werden.

2. Evangelische Jugendarbeit leistet einen wesentlichen gesellschaftlichen Bildungsbeitrag, der die öffentliche und kirchliche Förderung rechtfertigt.

Evangelische Jugendarbeit begleitet Kinder und Jugendliche. Sie bietet Möglichkeiten der Beteiligung und der Übernahme von Verantwortung. So fördert sie die sozialen und persönlichen Kompetenzen der Einzelnen und dadurch das Wohl der Gesellschaft. Als CVJM, Orts- und Bezirksjugendwerke treten wir deshalb selbstbewusst dafür ein, dass auf allen politischen und kirchlichen Ebenen die finanzielle Förderung der evangelischen Jugendarbeit erhalten und ausgebaut wird. So kann die außerschulische Jugendbildung verstärkt und auf Dauer gesichert werden. Dazu gehört auch, dass für die Qualifikation der Gruppenleitenden und für die Durchführung von Freizeit- und Bildungsmaßnahmen eine verlässliche und ausreichende Finanzierung gesichert ist.

3. Wenn Jugendarbeit als Dienst im Reich Gottes verstanden wird, dann ist Geld wichtig, aber nicht alles.

Jesus sagt: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen.“ (Matth. 6,33) Das Reich Gottes ist schon jetzt auf verborgene Weise gegenwärtig. Dies bringt eine Spannung im Umgang mit Geld und Vermögen mit sich. Geld ist nicht überflüssig. Doch kommt dem Geld und der Vermehrung des Vermögens eine veränderte Bedeutung zu. Einnahmen, Ausgaben und auch Vermögensanlagen sind unter ethischen Gesichtspunkten zu tätigen. Evangelische Jugendarbeit hat den Auftrag, die „anvertrauten Talente“ für das Reich Gottes einzusetzen. Dies geschieht in der ständigen Spannung zwischen sichernder Rücklagenbildung und dem Mut, das Geld für den Aufbau von Jugendarbeit einzusetzen. Wenn deutlich wird, dass ejw und CVJM ihre Arbeit an ihren Zielen ausrichten, werden Menschen ermutigt, ihr Geld und ihre Gaben einzusetzen. Teilen wird zur Glaubensüberzeugung und fördert das Wachsen im Glauben und in der Gemeinschaft.

4. „Let’s talk about money...“ Geld als ein Mittel, um etwas in dieser Welt zu bewegen, darf in unserer Verkündigung nicht tabuisiert werden.

„Was hast du, das du nicht empfangen hast?“ ist eine Frage, die uns das Neue Testament stellt. Sie zielt auf eine gute „Haushalterschaft“ mit allem Geschenkten. Das schließt unser Leben, unsere Zeit, allen Besitz und auch unser Geld ein. Opfer und Spenden („Den Zehnten geben“) sind eine Bremse gegen die Grundhaltung in unserer Gesellschaft, alles haben zu müssen. Der „Zehnte“ ist dabei nicht als Gesetz zu verstehen, denn: „Gott liebt fröhlichen Geber“ (2. Kor. 9,7). Ich bin eingeladen zu geben, was ich kann und will. Dabei gilt der biblische Grundsatz, dass „Geben seliger ist als Nehmen“ (Apg. 20,35). „Über Geld spricht man“, das sollte ein Kennzeichen von Christen sein. Wir brauchen mehr biblische Verkündigung über ein „gutes Haushalten“, damit Jugendarbeit insgesamt von einer Kultur der Großzügigkeit geprägt ist.

5. Verantwortliche sollten prägnant und verständlich die wichtigsten Ziele der Jugendarbeit kommunizieren können.

„Money follows vision“ heißt eine englische Redensart. Können wir in wenigen Sätzen begründen, warum gerade unsere Jugendarbeit der Unterstützung wert ist? Würde uns das auch Menschen gegenüber gelingen, die unsere Arbeit bisher nicht kennen? Die Ziele unserer Arbeit sind zudem Prüfkriterien für die Auswahl möglicher Unterstützer. Wir sind herausgefordert uns über die ethischen Grundsätze von Geldgebern zu informieren. Unterstützende Firmen und Personen sollten durch ihren Auftritt in der Öffentlichkeit und ihre Firmenpolitik nicht in eklatantem Widerspruch zu unseren Zielen stehen.

6. Andere um Geld zu bitten, müssen wir neu lernen.

Befürchtungen, Stolz, Unvermögen oder einfach das gesellschaftliche „Über Geld redet man nicht“ können uns daran hindern, um finanzielle Unterstützung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu bitten. Daher braucht es Menschen mit Leidenschaft, die die Anliegen der Jugendarbeit vermitteln können und mögliche Unterstützer mutig ansprechen. Sie brauchen in dieser Aufgabe Begleitung und das unterstützende Gebet. Ohne Recherche geht dabei nichts. Wir müssen herausfinden, wer welche Aktionen fördert und wofür das Herz möglicher Unterstützer schlägt. Ein gutes Image und das Vertrauen in unsere Jugendarbeit sind Voraussetzung dafür, dass Menschen dafür spenden. Um beides aufzubauen, braucht es einen langen Atem. Es gilt die Verbundenheit mit den Menschen, die uns unterstützen, über lange Zeit hinweg zu pflegen.

7. Fundraising ist eine langfristige (Leitungs-)Aufgabe, die nicht nach Kassenlage angegangen werden kann.

Fundraising ist Beziehungspflege und nicht in erster Linie Spenden sammeln. Fundraising (frei übersetzt: Schätze heben) erfordert Kontinuität und benötigt dazu personelle und finanzielle Ressourcen. Eine Erfolgskontrolle ist bei den Maßnahmen wichtig. Fundraising ist dabei nicht in erster Linie die Aufgabe der Finanzverantwortlichen. Die Mitglieder eines Fundraising-Teams müssen nicht aus dem Kreis der aktiv Mitarbeitenden kommen, sollten jedoch eine enge strukturelle Verbindung zum Leitungsgremium haben. Für ein Fundraising-Team lassen sich Ehemalige gewinnen, die etwas von dem, was sie selber in der Jugendarbeit erfahren haben, zurückgeben möchten und denen der Fortbestand und die Weiterentwicklung der Jugendarbeit am Herzen liegen. Ihnen nützen ihre regionalen Kontakte, die durch ihr berufliches, privates und ehrenamtliches Engagement entstanden sind. Solch ein Team braucht Menschen, die die Begabung haben, Beziehungen zu pflegen und es braucht Schulung und Begleitung.

8. Fördervereine werden immer wichtiger weil sie (mehr) notwendige hauptamtliche Begleitung und Unterstützung ermöglichen.

Die Bedeutung der Fördervereine hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Sie sind die Gegenbewegung zu zurückgehenden kirchlichen Mitteln und ermöglichen voll oder anteilig im Bereich der Jugendarbeit rund 35 % der Hauptamtlichen-Stellen sowie den Betrieb von Freizeithäusern und Zeltplätzen. Fördervereine müssen aber auch ihre Rolle klären, damit die Spannungen zwischen den Erwartungen von Geldgebern einerseits und attraktiven Dienstaufträgen für Hauptamtliche andererseits nicht zu groß werden. Fördervereine haben meist lokale Interessen. Die komplexen Zukunftsaufgaben machen eine Vernetzung untereinander sinnvoll. Dann können auch in Zukunft weiter attraktive Stellen entstehen, die durch Fördervereine ermöglicht werden.

9. Jugendarbeit wird zielorientierter und nachhaltiger, wenn sie sich um Förderung durch strategische Geldgeber bemüht. „Social Investments“ befruchten unsere Arbeit.

Gutes Fundraising geschieht nicht nebenbei, sondern bindet erhebliche Ressourcen an Zeit, Mitteln und Personen. Viele sehen dies leider nur als notwendiges Übel. Es ist aber weit mehr. Wer langfristiges Fundraising betreibt und nicht nur Spenden bei „Hochverbundenen“ einsammelt, wer auch um externe Geldgeber wirbt, der sieht sich zentralen Fragen gegenüber, die vielleicht zuerst schmerzhaft, aber mittelfristig hilfreich sind. Was bewirkt unsere Jugendarbeit wirklich? Können wir zeigen, dass wir unsere Ziele erreichen? Strategisch Gebende interessiert nicht so sehr das momentane Ergebnis (Wie viel Teilnehmende waren auf unserem Camp?), sondern mehr die bleibende Wirkung (Sind solche Camps lebensverändernd für Kinder und Jugendliche?). Biblisch gesprochen: Was ist die „bleibende Frucht“ unserer Jugendarbeit? Woran machen wir fest, dass in ihr Lebensveränderung geschieht? Eine Jugendarbeit, die strategischen Geldgebern Rechenschaft gibt, wird deshalb auch zielorientierter und nachhaltiger.

10. Gute Jugendarbeit kann man sich nicht kaufen.

Auch nicht durch hauptamtliche Mitarbeiter. Dass in den letzten 20 Jahren viele Fördervereine in der evangelischen Jugendarbeit entstanden sind, das ist faszinierend und vor allem ein Grund zum Danken. Gleichzeitig gilt es immer zu prüfen: Warum richten wir vor Ort bezahlte Arbeitsplätze ein? Dient dies dem Gewinnen, Schulen und Begleiten von Ehrenamtlichen? Oder ist eine neue Stelle schwerpunktmäßig auf ein hauptamtliches „Selbermachen“ ausgerichtet? Droht sie gar mittelfristig ehrenamtliches Engagement zu ersetzen? Gute Jugendarbeit lebt vorrangig von Freiwilligen, die sich motiviert aus dem Glauben an Jesus Christus mit Herzblut für Kinder und Jugendliche einsetzen. Das braucht gezielte hauptamtliche Unterstützung. Aber Dienstaufträge von Hauptamtlichen sind so zu gestalten, dass sie zu leisten sind. Und sie sollen Ehrenamtlichkeit freisetzen, nicht sie ersetzen.

 

 

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