1. Beteiligung heißt, dass am Anfang noch nicht alles fest steht, was am Ende herauskommt.

Informieren, Mitreden und Mitentscheiden sind Grundlagen für eine gelingende Beteiligungskultur. Dazu müssen alters- und entwicklungsgemäße Formen der Partizipation eröffnet werden. Deshalb ist es unerlässlich, dass erwachsene Verantwortungsträger bereit sind, mit Kindern und Jugendlichen einen Weg zu gehen, den diese maßgeblich mitbestimmen. Beteiligung ist offen, zielorientiert und sucht nach gemeinsamen Lösungen.

 

2. Ohne Partizipation ist Jugendarbeit keine Jugendarbeit mehr.

Als Evangelische Jugendarbeit in Württemberg sind wir „selbstständig im Auftrag“ der Landeskirche unterwegs. Zu unserem Selbstverständnis als Jugendverband gehören wichtige Prinzipien wie Selbstorganisation und Partizipation. Jugendarbeit bietet nicht bloß die Möglichkeit zur Teilnahme an vorgeformten Aktivitäten. Sie bietet und erfordert die aktive Mitgestaltung in allen Bereichen. Die evangelische Jugendarbeit ist herausgefordert neue und offene Formen der Beteiligung zu schaffen und bestehende weiter zu entwickeln.

 

3. Kinder und Jugendliche sind Experten in eigener Sache.

Kinder und Jugendliche sind als junge, sensible und wache Mitglieder der Gesellschaft von Anfang an Teil der Kirchengemeinde und haben das Recht mit einbezogen zu werden. Sie haben eigene Sichtweisen und Vorstellungen; sie wissen selbst am besten, was sie interessiert und was sie sich wünschen. Darum sollen sie an Entscheidungen über ihre Belange mitwirken. Sie reden mit, entscheiden mit und gestalten mit in klassischen Gruppenangeboten, in Projekten und Freizeiten. Abhängig von Alter, Vorerfahrungen, Methodenkenntnissen und weiteren Faktoren können Jugendliche unterschiedlich stark einbezogen werden. Je positiver dabei Beteiligungsmöglicheiten erfahren werden, umso mehr identifizieren sie sich mit Gemeinde, Jugendwerk oder Verband.

 

4. Jugendarbeit ist der Ort in der Gesellschaft, an dem erfahren wird, dass Beteiligung Spaß macht.

Kinder und Jugendliche sollen befähigt werden, mitzuentscheiden und mitzugestalten. Sie brauchen möglichst viele Erprobungsfelder, in denen sie Beteiligung üben und erfahren können. Diese Erprobungsfelder dürfen nicht als „Spielwiese“ missverstanden werden. Die Frage nach den Auswirkungen ihrer Beteiligung wollen Kinder und Jugendliche offen und ehrlich beantwortet haben. Je mehr sie mit ihren Fragen und Themen vorkommen, desto größer ist die Chance, dass sie sich aktiv einbringen. Dabei soll ihre Person und nicht ihre Funktion im Vordergrund stehen. Junge Menschen sind dann frustriert, wenn sie zu wenig als Person wahr- und ernstgenommen.

 

5. Die gängige Erwartung von verbindlichem längerfristigem Engagement passt kaum mehr in die Lebenswelt von Jugendlichen.

Junge Menschen haben in der Evangelischen Jugendarbeit die Möglichkeit in den verantwortlichen Gremien mitzuwirken und mitzubestimmen. Viele junge Menschen können sich jedoch nicht längerfristig an ein Engagement binden.

Wir sind herausgefordert neue Möglichkeiten zu schaffen, bei denen Beteiligung möglich ist, ohne dass sich Jugendliche auf einen nicht selbst bestimmten, vorgegebenen Zeitraum einlassen müssen. Für bestehende Gremien ist es unerlässlich, Struktur, Arbeitsstil und Motivation der Mitglieder ständig zu reflektieren. Nur so kann gewährleistet werden, dass Strukturen nicht nur bedient werden, sondern Innovationen möglich sind. Eine Reflexion des Mandates und des persönlichen Erlebens in den bestehenden Strukturen sind in einem Jugendverband selbstverständlich.

 

6. Um junge Menschen zu beteiligen braucht es Transparenz in dem, was wir als Jugendverband tun.

Das Wissen über bestimmte Vorgänge in der Jugendarbeit ist auf zu wenig Menschen begrenzt. Unsere Entscheidungsstrukturen sind oft wenig transparent. Gute Kommunikation und Interaktion ist aber wesentlich für gelingende Beteiligung. Diese erfordert gemeinsame Gesprächs- und Aushandlungsprozesse. Wir können nicht davon ausgehen, dass das, was wir in Gremien tun bekannt und interessant für junge Menschen ist.

Informationen darüber müssen in angemessener und zeitgemäßer Form bei ihnen ankommen. Gerade in Beteiligungsprozessen ist zu fragen, wer welche Information wann benötigt. Dies bezieht sich sowohl auf Gremien als auch auf offenere Beteiligungsformen. Auch der Nutzen der jeweiligen Prozesse und ihre Ergebnisse müssen transparent dargestellt werden.

 

7. Wenn Kindern und Jugendlichen aktive Beteiligung ermöglicht wird, dann verändert dies das Selbstverständnis von Hauptamtlichen.

Hauptamtliche in der Evangelischen Jugendarbeit sollten sich als Dienstleister für die Jugendlichen, als Unterstützer und Ermöglicher verstehen. Oft werden sie von Jugendlichen als die Personen wahrgenommen, die im Jugendverband für Kontinuität sorgen und Aufgaben übernehmen, die das Ehrenamt überfrachten würde.

Sie unterstützen dort, wo es nötig ist: bei der geistlichen Begleitung, in der Fortbildung, bei einzelnen Angeboten und Projekten, bei der Verwaltung. Sie übernehmen Aufgaben, die die Jugendlichen selbst nicht übernehmen können. Aber sie unterstützen auch Jugendliche dabei ihre Interessen in demokratischen Gremien einzubringen und umzusetzen. Außerdem sind sie Bindeglied und Vermittler zwischen den Jugendlichen und der „Erwachsenenkirche“.

 

8. Evangelische Jugendarbeit befähigt zum Engagement über die Kirche hinaus.

Durch Verantwortungsübernahme in der Jugendarbeit werden junge Menschen befähigt sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Durch ihre Erfahrungen in der Evangelischen Jugendarbeit lernen sie auch in anderen Bereichen Verantwortung zu übernehmen, Einscheidungsprozesse mit zu gestalten und sich für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen einzusetzen (Beispiele dafür sind z. B. SMV-Arbeit, Jugendgemeinderat, politisches Engagement).

 

9. Evangelische Jugendarbeit beteiligt sich aktiv an der Gestaltung von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Kinder und Jugendliche.

In der Kinder-und Jugendarbeit spielt der gesellschaftliche Horizont eine gravierende Rolle. Deshalb ist es wichtig über den kirchlichen Tellerrand hinauszublicken. Durch die Mitarbeit in Jugendringen zeigt sich Evangelische Jugendarbeit solidarisch mit anderen Anbietern von Kinder- und Jugendarbeit. Auf Landes-, Kreis- oder kommunaler Ebene werden Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche erprobt und durchgeführt (z. B. Jugendforen in der Kommune). Evangelische Jugendarbeit beteiligt sich daran, gestaltet mit und bringt sich in kommunale Netzwerke ein (z. B. bei Runden Tischen zum Thema „Jugendarbeit und Schule“, „Regionale Bildungslandschaft“). „Suchet der Stadt Bestes“ (Jeremia 29,7) ist für die Jugendarbeit gerade dann herausfordernd, wenn es um die Rahmenbedingungen des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen geht.

 

10. Glaube findet in der Gemeinschaft statt und braucht Beteiligung.

In den Zielen des EJW heißt es: „Wir begegnen jungen Menschen in ihren Lebenswelten und laden sie zu einem eigenen Glauben an Jesus Christus ein. Sie finden so eine sinnstiftende Orientierung für ihr Leben.“  Wichtig ist dabei eine handlungsorientierte Verkündigung, die danach fragt, wie Räume entstehen, in denen Gott sich Jugendlichen offenbaren kann und wie Werte und Glaube individuell und in der Gruppe erlebt und erfahren werden. Wir nehmen Jugendliche mit ihren Fragen ernst. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Glaubensäußerungen. Jugendliche bringen sich mit dem ein, was ihnen wichtig ist und gestalten verschiedene Formen der Verkündigung mit.

 

 

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