1. Jugendarbeit sucht das Beste für junge Menschen - nicht für sich selbst

Jugendarbeit befasst sich mit dem Thema „Jugendarbeit und Schule“ nicht um ihrer selbst willen, sondern weil sie das Beste für Kinder und Jugendliche will. Geprägt von der besten Nachricht der Welt, dem Evangelium von Jesus Christus, macht sich evangelische Jugendarbeit auf den Weg an die Orte, wo sich Jugendliche aufhalten dazu gehört immer mehr die Schule.

2. Jugendarbeit, die sich von der Schule abschottet, ist gefährdet

40 % aller Schulen in Baden-Württemberg sollen bis 2014 zu Ganztagsschulen umgewandelt werden – allerdings mit deutlichen Unterschieden nach Regionen und Schularten. Immer mehr Kinder und Jugendliche kommen erst am späten Nachmittag von der Schule zurück. Für klassische Jugendarbeitsformen wie die Gruppenstunde am Nachmittag bleibt deutlich weniger Zeit als früher. Wer in der Jugendarbeit allein auf die Bewahrung traditioneller Arbeitsformen setzt, wird also immer weniger junge Menschen erreichen.

3. Der Pulsschlag der Jugendarbeit verdankt sich der außerschulischen Jugendbildung - aber er schlägt in neuem Rhythmus

Heranwachsende brauchen weiterhin „andere“ Orte außerhalb der stetig wachsenden Schulwelt – auch weil hier das Miteinander von Jugendlichen mit verschiedenen Bildungsgängen selbstverständlich ist. Die Jugendarbeit muss daher ihren Heimatort außerhalb der Schule behalten. Der Schwerpunkt dieser Jugendarbeits-Aktivitäten wird sich aber auf die Abendzeiten, das Wochenende und die Ferien verlagern. Freizeiten in den Ferien werden zu Knotenpunkten der Kinder- und Jugendarbeit, wenn sie konzeptionell mit den Gruppen und Angeboten im Alltag verbunden sind. Angesichts einer zunehmenden Verschulung des Alltags junger Menschen muss die Jugendarbeit für die Beibehaltung „schulfreier Räume“ auch politisch kämpfen. Wir brauchen eine Ganztagsbildung unter Einbeziehung aller Bildungspartner das ist etwas anderes als eine scheinbar für alles zuständige Ganztagsschule.

4.  Schulbezogene Jugendarbeit kann die Jugendarbeit insgesamt erfrischen

Die schulbezogene Jugendarbeit ersetzt die bisherige Jugendarbeit nicht, sondern tritt als eine wichtige neue Möglichkeit hinzu. Durch den Kontakt mit Schule entstehen für die Jugendarbeit Herausforderungen, vor allem aber Chancen: Sie erreicht hier einfacher als in der klassischen Komm-Struktur Jugendliche aus allen Lebenswelten, verstärkt auch junge Menschen mit Migrationshintergrund. Das schulbezogene Standbein der Jugendarbeit wird teilweise für sich selbst stehen sollte aber wo immer möglich mit außerschulischen Aktivitäten vernetzt werden, so dass die schulbezogenen und nicht-schulbezogenen Formen voneinander profitieren.

5. Bildung entsteht durch Begegnung mit dem Leben

Wer Bildung mit Schule gleichsetzt, greift zu kurz. Bildung ereignet sich neben dem formalen Bildungsfeld (Schule, Berufsbildung) auch in Jugendarbeit / Verein (non-formale Bildung) und im täglichen Leben (informelle Bildung). Jugendliche erhalten wichtige Impulse für ihre Alltagsbildung durch Begegnungen mit Menschen, durch reale Herausforderungen, durch Erfahrungen mitten im „echten Leben“. All das lässt sich im Unterricht oft nur künstlich herstellen  die Jugendarbeit hat dafür aber hervorragende Voraussetzungen sowie Bezüge ins Gemeinwesen. Evangelische Jugendarbeit lässt sich daher nicht in Dienst nehmen, wenn sie lediglich für Betreuungsaufgaben angefragt wird. Sie versteht sich als Bildungspartner mit spezifischen Stärken, insbesondere im Bereich personaler, sozialer und methodischer Kompetenzen. Für die Schule ergeben sich aus der Kooperation erfrischende Innovationen zum Beispiel durch einen Trainee-Kurs in Form einer schulischen AG.

6. Evangelische Jugendarbeit stellt Fragen nach dem, was wirklich wichtig ist

Der Bezug zum christlichen Glauben gehört untrennbar zur evangelischen Jugendarbeit.  Zugleich bejaht sie die religiöse Vielfalt, die es an Schulen gibt und wendet sich an Kinder und Jugendliche aus allen religiösen und nicht-religiösen Hintergründen. Im gemeinsamen Nachdenken über wesentliche Fragen des Lebens (der Frage nach Gott, nach gelingender Gemeinschaft, nach dem Sinn des Lebens) besteht die besondere Stärke evangelischer Jugendarbeit. Antworten auf solche Fragen werden personal erlebbar durch Menschen mit erkennbarem Profil. Zu einem zeitgemäßen evangelischen Selbstverständnis zählt die Bereitschaft und Fähigkeit, mit Offenheit und klarer Identität den interreligiösen Dialog zu suchen.

7. Kooperation mit Schule unterliegt besonderen Bedingungen

Wer mit einer Schule kooperiert, muss sich auf die von der Schulleitung vorgegebenen Rahmenbedingungen einlassen, dazu gehört beispielsweise die verlässliche Durchführung vereinbarter Aktivitäten, das Führen von Anwesenheitslisten usw. Genauso kann von Schulen erwartet werden, dass sie die Jugendarbeit als selbstbewussten Träger mit eigenem Profil ernst nehmen, der seine Prinzipien wie die Verantwortungsübernahme durch Jugendliche oder eine fehlerfreundliche Grundhaltung auch in die schulbezogene Arbeit einbringt. Die Schülerinnen und Schüler profitieren davon, wenn Kooperationspartner „anders als Schule“ sind. Konkret erfahrbar wird das durch außerschulische Räume: Schulbezogene Jugendarbeit erschließt mit den Schülerinnen und Schülern (zumindest punktuell) die außerschulischen Orte der Jugendarbeit die Theater-AG im CVJM-Haus vermittelt ein anderes Flair als im Schulgebäude.

8. Evangelische Jugendarbeit in Württemberg sollte an möglichst vielen Orten mit Schulen kooperieren

Es wird nicht gelingen, mit allen Schulen in Kooperation zu treten. Fast überall lassen sich aber Kooperationen mit einzelnen interessierten Schulen aufbauen. Jeder Träger evangelischer Jugendarbeit sollte prüfen, welche Kooperationsform mit zumindest einer Schule für ihn in Frage kommt. Aus einem soliden Start mit einer Schule können leicht weitere Kooperationen erwachsen. Evangelische Jugendarbeit sucht nach Kräften die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und weiteren Partnern des Gemeinwesens.

9. Die Kooperation mit Schule benötigt zumeist hauptamtliche Brückenbauer

Schule wird fast ausschließlich von Profis gestaltet (Lehrer, Schulsozialarbeiter usw.). Den Rahmen für eine Kooperation mit der Jugendarbeit abzustecken ist zeitlich und fachlich aufwändig und daher am besten durch Jugendarbeits-Hauptamtliche zu erreichen (Verankerung des Arbeitsfelds im Dienstauftrag!). Hier liegt ein struktureller Unterschied zur sonst überwiegend ehrenamtlich getragenen Jugendarbeit. Der Ausbau von schulbezogener Jugendarbeit hängt daher stark von Finanzierungsfragen ab. Wo hauptamtliche Brückenbauer vorhanden sind, lassen sich Ehrenamtliche durchaus einbinden. Konkretes Beispiel: Die Jugendreferentin bildet Ehrenamtliche aus der Jugendarbeit zu Jugendbegleitern für das Schulzentrum aus - und baut so Brücken für diese Jugendbegleiter in die Waldheimarbeit. Da die Schule enorm von schulbezogener Jugendarbeit profitiert, sollten die Kosten für die hauptamtlichen Stellenanteile zumindest anteilig von Kommunen oder Land getragen werden. Hier muss der Staat an das Prinzip der Subsidiarität erinnert werden.

10. So gelingt‘s: Mutig starten, fröhlich testen, ernsthaft prüfen, systematisch entwickeln

Die Türen für eine Kooperation von Jugendarbeit und Schule stehen vielerorts offen. Auch die Bildungspolitik der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg hat sich im Koalitionsvertrag 2011-2016 festgelegt: „Jugendarbeit und Schule müssen stärker miteinander kooperieren; auf Augenhöhe und ohne ihre spezifischen Merkmale aufzugeben“. Vor Ort kann die Kooperation zunächst mit kleinen Schritten und dem gegenseitigen „Beschnuppern“ beginnen. Aus der Vielzahl von Möglichkeiten wird getestet, was passt – Fehlversuche eingeschlossen. Wenn das richtige Kooperationsmodell gefunden ist, sollte dies schriftlich festgehalten und möglichst über mehrere Jahre gepflegt und weiter entwickelt werden.

 

 

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