1. Jeder Konfi-Jahrgang ist eine einmalige Chance

Jede Konfi-Gruppe bietet eine einmalige Chance Jugendlichen zu begegnen und Beziehungen zu knüpfen. Dieses wichtige Jahr im Leben von 13- und 14-Jährigen gilt es in gemeinsamer Verantwortung von Gemeindeleitung (Kirchengemeinderat und Pfarrerin bzw. Pfarrer) und Jugendarbeit zu gestalten. Rechtlich verantwortlich für Konfirmation und Konfi-Unterricht sind die Pfarrerinnen und Pfarrer und der Kirchengemeinderat. Doch auch die Jugendarbeit wird in der Konfirmationsordnung § 11 Abs. 1 ausdrücklich erwähnt: „Der Kontakt zwischen den Konfirmanden und der evangelischen Jugendarbeit in der Gemeinde sollte nach Möglichkeit schon während des Konfirmandenjahres aufgenommen werden. Dazu ist es erforderlich, dass während des Konfirmandenjahres Konfirmandenarbeit und evangelische Jugendarbeit kontinuierlich verbunden sind.“ Und die Rahmenordnung formuliert: „Entscheidend für die Konfirmandenarbeit ist der Lernort Gemeinde... Die Konfirmandenarbeit ist deshalb Aufgabe der ganzen Gemeinde.“

2. Jugendarbeit hilft Jugendlichen im Konfi-Jahr eigene geistliche Erlebnisräume zu entdecken und zu gestalten.

Aus der Perspektive der Erwachsenen, die für die Inhalte des Konfi-Unterrichts verantwortlich sind, wird die Frage nach der Wichtigkeit des Gemeindegottesdienstes meist mit „Ja“ beantwortet. Wie würde die Antwort ausfallen, wenn wir die Perspektive der Konfis einnehmen? Wie wichtig die Teilnahme am Gottesdienst für die Jugendlichen im Konfi-Jahr ist, sollten sie selber mitentscheiden können. Die Jugendarbeit kann mithelfen, damit Konfis eigene Zugänge zum Gottesdienst und zu gottesdienstlichen Erfahrungen bekommen. Das könnte dadurch geschehen, dass Jugendmitarbeiter gemeinsam mit den Konfis am Gemeindegottesdienst teilnehmen oder mit ihnen einen Jugendgottesdienst gestalten oder besuchen. Zu fragen ist aber, welchen Stellenwert ein Gottesdienst-Format, ob in der Form von Gemeinde- oder Jugendgottesdienst, für Jugendliche in diesem Alter wirklich hat. Mitarbeitende aus der Jugendarbeit bringen Erfahrungen mit, wie eigene geistliche Erlebnisräume für Jugendliche zu gestalten sind. Sie können mit den Konfis überlegen: Welche geistlichen Erfahrungen sind ihnen gemäß? Wie können Gebetsstationen und Kirchenraum, Tischgemeinschaft oder Rituale zur Tauferinnerung zum Erlebnis werden? Welche Formen von Gebet, Stille und Bibelbetrachtung passen für Jugendliche? Erfahrungen in der Jugendarbeit zeigen: Jugendliche brauchen neben der Form des Gottesdienstes, den sie meist passiv erleben, kleinere geistliche Erlebnisräume, in denen sie selbst aktiv werden können.

3. Konfis haben ein Recht darauf, gerade auch „junge Gemeinde“ in ihrer Vielfalt kennenzulernen.

Dass Jugendliche am Leben der christlichen Gemeinde teilhaben ist ein zentrales Ziel des Konfi-Jahres. Damit Konfis nicht nur Erwachsenenkirche erleben, betont die Rahmenordnung die Wichtigkeit der Jugendarbeit beim Kennenlernen der Gemeinde: „Der Jugendarbeit kommt in der Konfi-Zeit eine eigene Bedeutung zu. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben durch ihr Alter eine natürliche Nähe zu den Konfirmandinnen und Konfirmanden. Sie helfen ihnen, in der Gemeinde ihren Lebensraum zu finden“. Will Jugendarbeit dieser Verantwortung gerecht werden, muss sie sich fragen: Wie finden Konfis Zugang zum Lebensraum Gemeinde? Wie helfen wir Jugendlichen dabei? Wie können sie junge Gemeinde erleben? Wie gestalten wir die Konfi-Arbeit aktiv mit? Welche Angebote (wie Konfi-Praktika, TRAINEE-Programm, Workshop-Tage oder Freizeiten) können wir während oder direkt nach der Konfi-Zeit anbieten?

4. Ein gutes Konfi-Jahr beinhaltet viele Übernachtungen.

Viele Jugendfreizeiten und Konfi-Camps sind so etwas wie „Gemeinde auf Zeit“. Leben wird geteilt, Gemeinschaft erlebt, geistliche Erlebnisräume werden erkundet, Gaben und Fähigkeiten können sich entfalten. Ein Konfi-Jahr lebt auch von den Übernachtungen, von kleinen und großen Freizeitformen. Dabei ergänzen sich erlebnisstarke bezirksweite Konfi-Camps und beziehungsintensive Freizeiten der örtlichen Gruppe. Konfirmierte sollten auch eine zentrale Zielgruppe für Sommerfreizeiten auf Bezirksund Landesebene sein. Konfis erahnen gerade durch eine solche „Gemeinde auf Zeit“, wie junge Gemeinde Gestalt gewinnen kann auch im Alltag zuhause.

5. Wenn der Übergang von Konfi-Zeit in die Jugendarbeit gelingen soll, braucht es vor allem Beziehungen.

Beziehungen sind entscheidend, soll der Übergang von der Konfi-Zeit in die Jugendarbeit gelingen. Jugendliche sind offen für Vorbilder. Viele suchen nach Menschen, die Orientierung bieten und ihren Glauben überzeugend leben. Dabei können Events helfen einen ersten Kontakt herzustellen und zeigen, wie attraktiv christliche Jugendarbeit ist. Bei großen Camps und Veranstaltungen sind aber manchmal nur oberflächliche Begegnungen möglich. Entscheidend wichtig sind Menschen, die 14- und 15-Jährige ernst nehmen und Zeit investieren um sie zu begleiten und wertzuschätzen. Welche Mentoring-Modelle oder Praktika fördern solche Beziehungen? Zu wem fassen Konfis Vertrauen? Auch junge Christen aus der Jugendarbeit können Glaubensbegleiter werden im Konfi-Jahr. Dabei können wir von Jesus lernen, was es heißt, andere Menschen wertzuschätzen und mit ihnen gemeinsam unterwegs zu sein.

6. Für die Schulung Ehrenamtlicher in der Konfi-Arbeit kann die Jugendarbeit einen wesentlichen Beitrag leisten.

Die Rahmenordnung für Konfi-Arbeit empfiehlt, dass die Konfi-Arbeit im Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen gestaltet wird. Damit dies geschehen kann, braucht es passende Aus- und Fortbildungsangebote für Ehrenamtliche. Die Jugendarbeit verfügt über ein gut funktionierendes System an Fortbildungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Grund- und Aufbaukurse etc.) und über pädagogisch theologische Fachkompetenz für die Arbeit mit Teenagern. Wie kann diese Kernkompetenz der Jugendarbeit noch mehr in Schulungsangebote für Ehrenamtliche in der Konfi-Arbeit einfließen? Können Konfi-Teamer an bestimmten Einheiten im Grund- oder Aufbaukurs teilnehmen? Wie könnte ein gemeinsames Schulungskonzept aussehen, das Ehrenamtliche aus beiden Bereichen vernetzt und Beziehungen und Vertrauen entstehen lassen?

7. Konfis identifizieren sich mit Gemeinde und Jugendarbeit, wenn sie beteiligt werden und mitgestalten können.

Im Rückblick auf ihre Konfi-Zeit berichten ältere Gemeindeglieder davon, was sie als Konfis alles machten, z. B. Haussammlungen durchführen, Kirche vor der Konfirmation schmücken oder auch Briefe austragen... Wenn wir davon ausgehen, dass jede Konfirmandin und jeder Konfirmand ein Gottesgeschenk an die Gemeinde ist, gilt es aber vor allem die individuellen Gaben und Fähigkeiten zu erspüren und Spiel- und Freiräume zu schaffen, die über klassische Gemeindedienste hinausführen. Dann können sich die Gaben Jugendlicher entfalten. Wer sieht das als seine Verantwortung? Jugendliche einzubeziehen mag Risiken beinhalten und Mehr-Aufwand bedeuten. Aber am Ende profitieren alle davon. Frischer Wind weht durch Gemeindehaus und Kirchenschiff, wenn junge Menschen Praktika in der Gemeinde- und Jugendarbeit machen. Gleichzeitig sollten wir sie auch ermutigen und begleiten, wenn sie sich mit ihren Gaben in kommunaler Politik, Schule, Musik oder im Sport „bei den anderen“ einbringen wollen. Konfis identifizieren sich vor allem dann mit Gemeinde, wenn sie gefragt und ernstgenommen werden.

8. Konfis können Mitarbeitenden in der Jugendarbeit helfen die Perspektive zu wechseln und die Vielfalt jugendlicher Lebenswelten wahrzunehmen.

Eine Jugendarbeit blickt angesichts der 13-Jährigen, die sich auf das Konfi-Jahr einlassen, in den „Milieu- Spiegel“. Anhand einer Konfi-Gruppe wird deutlich, ob die Angebote der Jugendarbeit nur für Kinder- und Jugendliche aus kirchennahen Lebenswelten interessant sind oder ob auch Jugendliche aus anderen Lebenswelten vorkommen. Auch eine mögliche Engführung im Blick auf die Angebote nach der Konfi-Zeit kann vorausschauend erkannt werden. Denn aufgrund der Erfahrungen aus den Vorjahren kann man vielerorts schon vorhersagen, wer nach dem Konfi-Jahr in der Jugendarbeit ankommen wird und wer nicht. Eine Begegnung mit Konfis kann Verantwortlichen die Augen dafür öffnen, für wen die Angebote der Jugendarbeit attraktiv sind und für wen nicht. Besonders interessant wird es, wenn Konfis zuhause besucht werden. Welche Lebenswelt wird da sichtbar? Im Gespräch mit Konfis kann gemeinsam erkundet werden, was für Jugendliche passt und wie daraus Angebote nach der Konfirmation gestaltet werden könnten. Das Konfi-Jahr ist eine große Chance für eine Horizonterweiterung der Jugendarbeit.

9. Um Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg des Glaubens zu begleiten, braucht es eine Gesamtkonzeption.

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in einer Kirchengemeinde und einem Kirchenbezirk hat viele unterschiedliche Facetten. Oft stehen die einzelnen Angebote unverbunden nebeneinander: Kindergottesdienst, Jungschar und Konfi 3, Religionsunterricht, Waldheimarbeit und Zeltlager, Kinderchor und Musicalfreizeit, Konfi-Jahr und Jugendarbeit. Ein Gesamtkonzept vor allem für den Wegabschnitt zwischen dem 3. und 8. Schuljahr ist wichtig, damit Kinder und Jugendliche besser auf dem Weg des Glaubens begleitet werden. Dabei sollte die biographische Perspektive der Kinder und Jugendlichen im Vordergrund stehen. Auch die Rolle und die Erwartungen der Eltern sind einzubeziehen. Wo sind zudem generationenübergreifende Begegnungen in der Gemeinde möglich? Welche Angebote vor Ort, im Distrikt, im Bezirk und auf Landesebene ergänzen sich?

10. Konfi-Arbeit ist noch zu sehr auf den Horizont der Ortsgemeinde fixiert

Für Grundschulkinder, die vor Ort in die Schule gehen, ist die Ortsgemeinde meist noch ein natürlicher Rahmen. Konfis, die auf weiterführende Schulen gehen, haben durch ihre Mitschüler ihr Beziehungsnetz weit über den Ort hinaus. Wer die Perspektive von Jugendlichen einnimmt, wird nicht nur von der eigenen Ortsgemeinde her denken. Der Horizont guter Konfi-Arbeit geht über den eigenen Kirchturm hinaus und nimmt die bestehenden Netzwerke Jugendlicher (Schulen, Vereine, Sozialraum) ernst. Eine ängstliche Enge und mangelnde Blicke über den eigenen Kirchturm hinaus unterdrücken geistliches Wachstum und Mündigkeit. Eine begleitete Auseinandersetzung mit verschiedenen Frömmigkeitsstilen fördert den eigenen Glauben. Nachbargemeinden und die verschiedenen Träger Evangelischer Jugendarbeit sollten sich über Runde Tische vernetzen. Gemeinsam entwickeln sie dann ein Konzept für die Konfi-Arbeit im Distrikt, überörtliche Praktika, Konfi-Tage, Jugendgottesdienste und Freizeiten einschließt.

 

 

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