1. Evangelische Jugendarbeit, die moderne Kommunikationsmittel nicht nutzt, kommuniziert an den allermeisten Jugendlichen vorbei

Vorweg: Reale Beziehungen sind nicht durch virtuelle Kommunikation zu ersetzen, werden aber heute selbstverständlich durch diese ergänzt. Der Ausbau des Internets sowie sozialer Netzwerke wie Facebook, Twitter & Co. haben das Kommunikations- und Mediennutzungsverhalten Jugendlicher nachhaltig verändert. 98% aller Jugendlichen verfügen über einen eigenen Internetzugang und nutzen diesen im Schnitt 134 Minuten pro Tag aktiv. Diese Zeit wird nicht ausschließlich vor dem Rechner, sondern auch an Spielekonsolen mit Internetanbindung und auf mobilen Endgeräten (Handys, Smartphones, iPod u. Ä.) verbracht. Jugendliche leben nach dem Motto: "Wenn die Nachricht wichtig ist, wird sie mich erreichen". Informationen müssen also in ihre Kommunikationsnetzwerke kommuniziert werden. Dabei muss Jugendarbeit milieubedingte Unterschiede in der Mediennutzung Jugendlicher verstehen und darf Jugendliche mit langsamen Internetverbindungen oder solche ohne neueste Technik nicht von der Kommunikation ausschließen.

2. Evangelische Jugendarbeit braucht ein Kommunikationskonzept auf der Höhe der Zeit

Um die beste Botschaft der Welt zeitgemäß zu kommunizieren, braucht evangelische Jugendarbeit ein Kommunikationskonzept, das den aktuellen Standards entspricht. Social Media ist aber nur ein Teil davon. Je nach Zielgruppen muss jede Organisation klären wie, wie stark und wo sie mit welchen Kommunikationsmedien präsent sein sollte. Dazu gehört die Analyse der unterschiedlichen Kommunikationswege: Wo erreichen wir wen, wie, wann am einfachsten? Eine konsequente Orientierung an den Kommunikationsgewohnheiten der Nutzer ist wichtig. Vertreter der Zielgruppen sind in diese Überlegungen mit einzubeziehen um Transparenz und Partizipation zu ermöglichen.

3. Evangelische Jugendarbeit muss in aktuellen sozialen Netzwerken präsent sein

Jugendliche nutzen das Internet vor allem zur Kommunikation. Über 60% ihrer Onlinezeit verbringen Jugendliche in sozialen Netzwerken. Dadurch werden auch E-Mails spärlicher gelesen (wobei hier ein Stadt-Land-Gefälle zu verzeichnen ist). Neueste Untersuchungen zeigen, dass sich Jugendliche im Netz gerne Marken zuordnen. Warum dann die eigene Jugendarbeit nicht als „lokale Marke“ mit einer eigenen „Unternehmensseite“ positionieren, der sich Jugendliche zuordnen und so ihre Verbindung zum Bezirksjugendwerk / CVJM ausdrücken können? Außerdem kann die Zielgruppe über diese Seite schnell über Themen und Veranstaltungen informiert werden. Dieser Marketingkanal ist kostenlos und wird immer wichtiger. Soziale Netzwerke bieten zudem eine niedrige Hemmschwelle für seelsorgerliche Gespräche. Für Jugendliche ist dies oft eine Möglichkeit, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Jugendarbeit unkompliziert zu erreichen um ihnen im „geschützten Rahmen“ etwas mitzuteilen. Eine spätere Verlagerung des Gesprächs in die „reale Welt“ ist und bleibt natürlich wichtig.

4.  Evangelische Jugendarbeit sollte neue Medien nutzen um mehr Partizipation zu ermöglichen

Das Social Web (Web 2.0) wurde als „Mitmach-Internet“ konzipiert. Nutzer können selbst Inhalte erstellen und verbreiten, werden so vom Konsumenten zum Produzenten. Kommunikationsplattformen bieten die Möglichkeit, über Kommentare an einer Diskussion teilzunehmen oder selbst einen eigenen Web 2.0-Auftritt leicht zu gestalten. Das Betreiben eines Blogs oder einer Unternehmensseite in sozialen Netzwerken führt aber nicht automatisch zu einem sprunghaften Anstieg an Partizipation. Es braucht dazu technisches und pädagogisches Grundwissen, um diese Werkzeuge richtig zu benutzen. Dieses sollten kontinuierlich ausgebaut werden. Die Kompetenz von Jugendlichen sollte hier einfließen. Die Identifikation mit Web 2.0-Auftritten ist höher, wenn diese von ihnen mitgestaltet werden. Zudem gelten für die Partizipation via Internet dieselben Bedingungen wie für traditionelle Mitbestimmungsformen. Es muss tatsächlich etwas zu entscheiden geben, Beteiligung sollte von Anfang an möglich und mit transparenten Zielen und Rahmenbedingungen verbunden sein. Auch das Alter ist bei den Formen zu berücksichtigen.

5. Evangelische Jugendarbeit sollte die Kultur der Zusammenarbeit durch neue Medien mit voranbringen

Neue Medien erlauben zunehmend das gemeinsame Lernen und Arbeiten. Tools wie Wikis, Doodle, Mixxt, Google Docs, Etherpads, Dropbox und Blogs ermöglichen den Benutzern gemeinsam (gleichzeitig und ungleichzeitig) an unterschiedlichen Orten miteinander zu arbeiten. Sie ermöglichen auch eine höhere Beteiligung bei Abstimmungen, erlauben eine größere Transparenz und stärken die Basisdemokratie. In einer immer stärker globalisierten und vernetzten Welt ist medial vermitteltes Zusammenarbeiten eine wichtige Kompetenz, die es zu fördern gilt. Die Schule kommt dieser Bildungsaufgabe bislang nur unzureichend nach. Evangelische Jugendarbeit sollte die Kultur mediengeprägter Bildung und Zusammenarbeit kritisch mitgestalten und fördern und deshalb hier als außerschulischer Bildungspartner für Jugendliche aktiv werden.

6. Evangelische Jugendarbeit hat eine Vorbildfunktion in Fragen des Urheber- und Persönlichkeitsrechts

Datenschutz und Urheberrechte sind die wohl wichtigsten Themen bei der Nutzung neuer Medien. Im Internet gibt es fast alles kostenlos - vieles davon nicht legal. Diebstahl darf auf keinen Fall unterstützt oder gefördert werden. Ehren- und Hauptamtliche verwenden keine illegal bezogenen Dateien (Musik, Bilder, Filme). Zudem ist Privatsphäre für Jugendliche heute etwas völlig anderes als noch vor zehn Jahren. Persönliche Informationen werden häufig sorglos ins Netz gestellt. Die verschiedenen Anbieter machen es ihren Benutzern nicht leicht, sichere Privatsphäre-Einstellungen zu treffen. Evangelische Jugendarbeit schärft das Bewusstsein für Unrecht und Legalität bei Urheberrechtsfragen und unterstützt Jugendliche bei Fragen der Persönlichkeitsrechte.

7. Evangelische Jugendarbeit muss Medienbildung und Medienkompetenz vermitteln

Die einzige Konstante bei neuen Medien ist ihre andauernde Veränderung. Dies bedingt ein hohes Maß an Medienkompetenz und die Bereitschaft zu ständiger Weiterbildung. Diese Fähigkeiten erwerben junge Menschen heute nicht von alleine. Evangelische Jugendarbeit sollte ihren Beitrag leisten für eine gute und verantwortliche Nutzung neuer Medien. Dies sollte neben dem fachlichen Umgang auch die kritische Auseinandersetzung mit der Entwicklung neuer Medien beinhalten (z. B. ethische Leitlinien, persönliche Abgrenzung, Achtung der Persönlichkeit, Datenschutz etc.). Medienpädagogische Seminareinheiten gehören deshalb in die Grund- und Aufbaukurse.

8. Evangelische Jugendarbeit muss den richtigen Umgang mit Medien vermitteln

Medien sind aus dem Alltag Jugendlicher nicht mehr wegzudenken. Wie in anderen Bereichen kann dies aber auch zu zusätzlichem Stress und Suchtverhalten führen. Neben technischer und pädagogischer Kompetenz gilt es auch, einen angemessenen Umgang mit Medien zu vermitteln: eine Balance zu finden zwischen dauernd erreichbar und nicht erreichbar sein, zwischen hoch-beschleunigten und behutsam-langsamen Zeiten, zwischen face-to-face-Begegnung und Online-Kontakten, zwischen unüberschaubarer Vielfalt und bewusster Konzentration und Vertiefung. Hier sind Kernkompetenzen evangelischer Jugendarbeit gefragt! So gewiss evangelische Jugendarbeit in sozialen Netzwerken präsent sein muss, sollte sie sich gleichzeitig kritisch fragen wie viel Medieneinsatz in der Jugendarbeit  wirklich nötig ist und wo bewusste Gegenpole zur "Medienwelt" geschaffen werden können.

9. Evangelische Jugendarbeit muss sich auch den negativen Seiten des Internets stellen und damit pädagogisch offensiv umgehen

Zur Nutzung des Internets gehören auf der Schattenseite auch immer wieder erschreckende Szenarien von Mobbing, Gewalt-Verherrlichung, Fanatismus-Propaganda und Pornografie. Diese Themen sind natürlich keinesfalls reine Probleme des Internets. Aber neue Medien verschärfen diese dadurch, dass Filme und Bilder viel schneller, direkter und unkontrollierter beschafft oder eingestellt werden können und eine große Zielgruppe ohne Aufwand erreicht werden kann. Was sagen wir, wenn z. B. Missgeschicke auf Freizeiten gepostet werden? Thematisieren wir Cyber-Mobbing? Was bedeutet ein weit intensiverer Porno-Konsum bei Jugendlichen für unsere Sexualpädagogik? Sind LAN-Partys mit gewaltverherrlichenden Computerspielen in der Jugendarbeit denkbar? Medienkritische Fragen sind deshalb wichtige Trainingsbausteine in der Bildungsarbeit der evangelischen Jugendarbeit, damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier sensibler werden.

10. Evangelische Jugendarbeit muss sich auf die mediale Kommunikation von Krisen vorbereiten

Krisen sind ungeplante und ungewollte Prozesse von begrenzter Dauer und Beeinflussbarkeit mit ambivalentem Ausgang. Sie sind gekennzeichnet durch ein starkes Informationsinteresse von Medien und anderen Akteuren der Öffentlichkeit, einer hohen Komplexität sowie einem unmittelbaren, starken Handlungsdruck bei gleichzeitig geringem Handlungsspielraum. Beispiele für Krisen in der Jugendarbeit: Krankheitswelle in einem Ferienlager, schwerer Unfall in einer Gruppe, sexueller Missbrauch durch einen Mitarbeiter, Urheberrechtsverletzung bei Publikationen usw. Krisen sind nicht durch alltägliche Handlungsabläufe zu bewältigen. Ihre Verbreitung und der damit zusammenhängende Imageverlust wird durch die neuen Medien stark beschleunigt (sogenannte „Shitstorms“). Deshalb ist ein systematisches Krisenmanagement unerlässlich. Ein Handbuch zum medialen Umgang mit Krisen für ein Jugendwerk enthält die Abläufe und Ansprechpartner in einer Krise und alle nötigen Kontaktdaten. Ein zentrales Element ist die Beobachtung der Meldungen und Kommentare im Internet sowie die schnelle und professionelle Reaktion darauf.

 

 

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