Ruft der Chorleiterlehrgang auf dem Bernhäuser Forst, ruft gleichzeitig eine Woche, die immer viel zu schnell vorbei geht. Und es gibt dort so viel zu erleben, mitzunehmen, zu erfahren,…

Das sieht man gleich beim Eröffnungsabend. Choräle können ziemlich eintönig sein, wenn man sie immer nur nach dem Schema F spielt. Zeit zum Kennenlernen der übrigen Teilnehmer und verschiedener Choräle bot der erste Abend auf dem Forst. In verschiedene Gruppen eingeteilt, ging es von Station zu Station. Mal einen Choral von hinten nach vorne spielen oder gar das Choralbuch auf den Kopf stellen, war eine Möglichkeit, beispielsweise „Wunderbarer König“ auf neue Art und Weise zu performen. Den Bachchoral „Nun danket alle Gott“ können die meisten Bläser auswendig – gehört er schließlich nicht nur zum Landesposaunentag in Ulm dazu, sondern bestimmt auch sonst oft das Leben eines Bläsers. Wie gut man die Noten auswendig spielen kann, durfte dann jeder im Dunkeln unter Beweis stellen. Und höre und staune: es funktioniert! Das muntere Choralkennenlernen ging noch weiter: ein Doppelchor mit Bläsern vor dem Haus und auf der oberen Terrasse, Klänge hören, wenn man im Raum verteilt ist oder gar die Zuteilung eines Tons. Aneinandergereiht ergeben die Töne dann ein Lied. Oder beim Gehen spielen – und der jeweilige Gegenüber trägt die Noten. Da ist Reaktion gefragt.

Der Workshop am Samstag war rammelvoll. Der Grund: neue Noten, vorgestellt vom Landesposaunenwart Hans-Ulrich Nonnenmann. Die „Posaunenklänge“ begleiten jeden Bläser von klein auf bis ins hohe Alter. Doch der Klassiker unter der Bläserliteratur wird nicht mehr aufgelegt. Trauer auf der einen Seite, Zeit aber auch für etwas Neues. So haben in diesem Jahr die „Bläserklänge“ den Ton auf dem Chorleiterlehrgang angegeben. Darin enthalten: Klassiker der Bläserliteratur, ebenso wie Bearbeitungen, die erst in den vergangenen Jahren auf den Markt gekommen sind. Einstige vielstimmige Sätze wurden so bearbeitet, sodass sie nun auch von kleineren Chören spielbar sind – da nur noch vier- bis sechsstimmig. Vornehmlich aus dem neuen „Wälzer“ wurde auch das Programm des Festabends gestaltet – klassisch bis modern, Lobpreislieder oder Radetzky-Marsch, das Große Hallelujah oder ein zartschmelzendes Adagio. Zwischendurch der Schwäbische Posaunendienst. Der Abend wurde ein Hörgenuss. 

Am Sonntag war dann der leitende Obmann des Evangelischen Posaunendienstes in Deutschland e. V. (EPiD) zu Gast. Er versuchte uns nicht nur den EPiD nahezubringen, sondern informierte über die Großveranstaltungen der nächsten Jahre, allen voran den Deutschen Posaunentag 2016 in Dresden und die Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum in und um Wittenberg.

Aus den Leistungsgruppen nehmen die Chorleiter ebenfalls viel mit: Dirigieren ist mehr als nur Taktgefühl, sicher vor dem Chor stehen oder Probe vorbereiten. Denn was kann ich an meinem Stil zum Beispiel ändern? Die Referenten und Mitarbeiter (Agnes-Dorothee Lang, Michael Püngel, Albrecht Schuler, Hans-Ulrich Nonnenmann, Brigitte Kurzytza, Regina Graeber, Friedrich Veil, Lars Gaupp und Irmgard Eismann) greifen da zu alternativen Erziehungsmethoden für die Chorleiter. Denn seit dem letzten Chorleiterlehrgang haben sich doch wieder einzelne Marotten eingeschlichen. Entweder werden die Dirigenten gleich mit der Videokamera gefilmt oder gehen in die Einzelberatung für Schlagtechnik. Falls das auch nichts hilft, müssen moderne Methoden her. Wer mit dem Oberkörper zu viel wippt oder zu weit nach vorne geht, bekommt auch mal ein Buch auf den Kopf gelegt. Der Kopf zu sehr in den Noten? Ein guter Dirigent kann doch auswendig Einsätze geben – und flugs ist der Notenständer leer, der Blick des  Chorleiters auf seine Bläser gerichtet und alles wirkt viel freundlicher. Eigenwillige Tanzstile können ebenfalls nur zu leicht unterbunden werden – mutige Referenten hängen sich an Beine oder Oberkörper des Chorleiters und mit einem Mal kann er still stehen. Das so etwas nicht ohne Lachen und sowieso mit viel Humor und Augenzwinkern vor sich geht, steht außer Frage. Aber so macht es eben auch Spaß.

Die Galater standen im Fokus der Bibelarbeit. Was sich zunächst als trockene Gesetzestexte anhört, wurde in dieser einen Woche doch durchaus lebendig an die Zuhörer gebracht. Grundthema: "Gesetzlichkeit (das komplette jüdische Gesetz) versus Gerecht durch Gnade"? Alma Ulmer, Gottfried Heinzmann, Jürgen Kehrberger und Manfred Bletgen verstehen ihr Handwerk. Zuweilen regten die „Bibelzeiten“, wie sie Manfred Bletgen nennt, auch im Nachhinein noch zum Nachdenken an.

Und die Frage aller Fragen: Was nimmt man Ende einer so intensiven Woche mit? Wenn dann die Instrumente wieder verstaut sind, alle Noten zusammengesucht, dem Zimmer ein letztes Lebewohl gesagt wurde, gibt es doch einen Punkt, auf den man sich freuen kann: in 51 Wochen geht es weiter. Mit lauten und leisen Tönen, mit vierstimmigen Gesängen, quietschenden Morgenchorälen, langen Nächten, Schwarzwurst und Zwiebeln, Wein und Bier und jeder Menge Impulse, die noch ein ganzes Jahr nachwirken werden.

Fenja Sommer

 

 

Berührendes Miteinander

Eine Woche Urlaub nehmen und das gleich im Januar? Im Urlaub früh aufstehen, den ganzen Tag Programm haben und sich trotzdem erholen? Um es mit den Worten von Peter Lustig zu sagen: „Klingt komisch, ist aber so.“
Fast 100 Chorleiter aus Württemberg und darüber hinaus versammeln sich eine Woche lang im Januar auf dem Bernhäuser Forst. Quasi gegenüber vom Flughafen, aber trotzdem inmitten einer idyllischen Landschaft gelegen, befindet sich die Tagungsstätte des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg.

Ausgeliefert sind die Teilnehmer nicht nur den Referenten des ejw (Hans-Ulrich Nonnenmann, Albrecht Schuler, Michael Püngel, Regina Gräber, Brigitte Kurzytza, Friedrich Veil), Verstärkung bekommen diese durch Agnes-Dorothee Lang und Irmgard Eismann. In verschiedenen Chorleitungsgruppen lassen sich die Dirigenten mehr oder weniger durch die Mangel drehen. Denn was gewöhnt man sich im Laufe des Lebens nicht so alles an Macken beim Dirigieren an. Solotanz für Dirigent mit Posaunenchor trifft auf schlangenförmiges Wurschteln, das nur bei näherem Hinsehen als klarer Vierertakt bezeichnet werden kann. Doch so schlimm wie jetzt beschrieben, ist es gar nicht. Aufgeteilt in verschiedene Leistungsgruppen, gestaffelt nach Erfahrungsgrad, treffen meistens gleiche auf gleiche. Gewünscht ist konstruktive Kritik. Jeder darf ein Stück dirigieren, vielleicht mal eines, mit dem er oder sie seine Schwierigkeiten hat. Beim Komponistenporträt am Samstag kann man sich dann auch noch was abgucken. Wie dirigiert zum Beispiel ein Thomas Riegler? Und wie bringt er seine Musik an den Mann?

Zur gemeinsamen Woche auf dem Forst gehört noch viel mehr. Am frühen Nachmittag sind verschiedene Interessengruppen am Start. Gehörbildung (liebevoll auch als Gehörlosenschulung bezeichnet), Musiktheorie oder improvisieren – die Bandbreite kennt keine Grenzen. Ziel ist es, sich weiterzubilden und vielleicht auch den einen oder anderen Anstoß mitzunehmen. Wer zu müde ist, nimmt vielleicht auch den MHD (Matratzenhorchdienst) in Anspruch.

Ein wichtiger Bestandteil des Tages ist die Bibelzeit. Nicht Bibelarbeit, verdeutlicht Manfred Bletgen immer wieder. Zu Gast sind abwechselnd unterschiedliche Personen. Alma Ulmer, Jürgen Kehrberger, Gottfried Heinzmann und Manfred Bletgen haben sich in diesem Jahr die Ehre gegeben, mit den Teilnehmern über die Josefsgeschichte zu reden. Ein wahrer Hollywoodkrimi, wenn man es so sieht. Geld, Macht, Intrigen treffen auf Liebe und Versöhnung. Sehr nahe am Leben war es in diesem Jahr und emotionale Regungen wirklich zu sehen. Schließlich betrifft das Thema Versöhnung doch mehr Menschen als gedacht. Tiefgehend, nahe am Menschen und eine Verbindung zwischen Glauben und Welt. Ergänzt wurde die Reihe der Bibelarbeiten durch Kirchentagspastor Joachim Lenz, der am Sonntag im Gottesdienst predigte und Nachmittags in humorvoller Weise über die Geschichte der Kirchentage und den Vorbereitungen für 2015 in Stuttgart berichtete. 

Einen schönen und runden Tagesabschluss und den Start in die Nacht bietet der Abendchoral. Mit „Bleib bei mir Herr“, „Nun ruhen alle Wälder“ oder anderen schönen Chorälen und Bearbeitungen musizieren abwechselnd einige Teilnehmer. Gleichzeitig sollen sie auch der Weckservice am nächsten Morgen sein – mit „Es tagt der Sonne Morgenstrahl“ ist schon der eine oder andere mehr oder weniger sanft geweckt worden. Nicht zu vergessen sind die nächtlichen Gesprächsrunden. Bei Schwarzwurst, Brot, Zwiebel und Käse kann ein erster Hunger nach dem Abendessen wieder beseitigt werden. Dazu einen oder zwei gute Tropfen in Form von Wein oder je nach Belieben auch Bier – die Nacht kann kommen. Wichtig ist nur: der Letzte macht das Licht aus.

Den festlichen Abschluss bildet alljährlich der Festabend. Donnerstags sind Freunde, Verwandte und Fans eingeladen, der Musik zu lauschen. Gemeinsam mit dem Schwäbischen Posaunendienst zeigen die Chorleiter, dass sie mehr können als nur selbst zu dirigieren – nämlich auch spielen.

Was nimmt man nach so einer Woche mit? Faszinierend zu betrachten ist das Miteinander. Es gibt blutjunge Dirigenten und solche, die schon seit 40 Jahren dabei sind. Es gibt Fans der modernen Literatur und Befürworter der klassischen. Dennoch ist man eins miteinander. Man trifft sich zum Austausch, zur gemeinsamen Diskussion. Wichtig ist nicht das Alter, sondern vielmehr das, was hinter all dem steckt: anderen Menschen mit der Musik den Glauben weiterbringen und die Herzen zu berühren.

Fenja Sommer

Es fing alles ganz einfach an: mit dem Fallenlassen der Hand wie einen Gummiball, bis dieser auf ein imaginäres Fensterbrett aufsprang und wieder nach oben federte. Das war die 1, und nochmal und nochmal. Dann kam die zwei, die drei und die vier und so weiter, erst gemeinsam dann auch allein um die anderen zu dirigieren. Mit viel Spaß und Freude ging´s hinein in eine neue Rolle, am Anfang sogar mit Muskelkater beim Armeheben. Wir entdeckten und lernten immer mehr, beispielsweise wie man einen Choral musikalisch interpretiert, zwischen verschiedenen Taktarten wechselt und besondere Stellen im Stück erkennt. Jedes Mal sollten wir ein Stück vorbereiten, das besprochen wurde, um auch konkret etwas in unsere Chören mitbringen zu können. Um das alles auf solide Füße zu stellen haben wir kräftig Musiktheorie, Gesangbuchkunde rauf und runter, Tonleitern in Dur oder Moll gepaukt. Als wir schon dachten, das war´s, ging´s weiter mit der Schulung des Gehörs. Beim Intervalle hören hatten wir echte Könner dabei. Hans-Ulrich Nonnenmann, Albrecht Schuler, Regina Graeber, Michael Püngel und Brigitte Kurzytza haben sich viele Samstage mit großem Engagement um unseren Erfolg bemüht. Zur Abschlussprüfung trafen wir uns in Göppingen und wir wurden den ganzen Tag auf Herz und Nieren geprüft: Erst die schriftliche Musik-Theorie, dann die praktische Chorleitung mit Probenmethodik und Grundschlagarten, abschließend Gehörbildung und die mündliche Prüfung der Theoriefächer. Am Schluss standen wir im Halbkreis versammelt in der späten Septembersonne als Brigitte verkündete: „Herzlichen Glückwunsch, Ihr seid alle befähigt! “. Zum Abschluss kann man sagen, dass es sich gelohnt hat den Befähigungsnachweis zu machen und wir nun sogar ein Zeugnis über unseren Erfolg in Händen halten.

Daniela Streble

Komm mit auf eine Reise der Entdeckungen.

So stand es im Sommer-Freizeitprospekt 2013 des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg.

Auf diese Reise haben wir Bläserinnen und Bläser und unsere Gäste und Freunde uns dann über Pfingsten auch gemacht. Wir, das waren knapp 40 Personen, davon ca. die Hälfte Bläser, die hauptsächlich aus den Kirchenbezirken Leonberg und Herrenberg kamen. 

Nun, die im Reiseprospekt versprochenen Entdeckungen haben wir tatsächlich auf der Reise machen dürfen. Vier dieser Entdeckungen möchte ich skizzieren.

Da war die herrliche Bergwelt des Piemont, die zum Teil schneebedeckten Berge, die sonnigen Täler, die klaren Bäche, die weitläufigen Rebhänge, alte Steinhäuser, duftende Frühlingsblumen. Die Wetternachrichten aus der regnerischen, z.T. überfluteten Heimat waren für uns nicht nachvollziehbar. Wir konnten nämlich Gottes Schöpfung in voller Pracht genießen und die Aussage des Liedes bestätigt erhalten: „Freuet Euch der schönen Erde, denn sie ist wohl wert der Freud. Oh, was hat für Herrlichkeiten, unser Gott da ausgestreut. EG 510,1“. 

Da war die Begegnung mit anderen Posaunenchören und anderen Christen, die eine ganz andere Gemeinde- und Glaubenssituation erleben in der Geschichte ihrer Kirche und Gruppen bis heute als wir. Gemeinsam haben wir Gottesdienste gefeiert und uns über unseren gemeinsamen Glauben und die über alle Grenzen hinweg verständliche Musik verstanden, obwohl die Teilnehmer der Bläserbegegnung drei verschiedene Sprachen und noch mehr Dialekte sprechen (Italienisch, Französisch und Deutsch, Schwäbisch und Badisch). 

Da war die Begegnung mit dem besonderen Lebensstil der Waldenser mit seiner schlichten Frömmigkeit und dem Zentrum ihres Glaubens: die Bibel und die tätige Nächstenliebe.

So hatten wir nicht nur eine touristisch wertvolle Ecke, die gar nicht überlaufen ist, kennengelernt, sondern wir sind in vieler Hinsicht beschenkt worden durch diese Begegnungsreise und den Dienst der Bläser. So wollen wir auch diese Zeit nochmals rückblickend als Dank an unseren Herrn sehen, der uns vieles hat entdecken lassen und der auch in diesem gemeinsamen Erleben und Glauben und unseren Dienst als Bläser gestärkt und gesegnet hat. 

Ich wünsche für uns alle, dass wir auch künftig in unserem Alltag und in den Urlaubszeiten gute Entdeckungen haben und sicherlich werden sich die Bläser mal wieder auf Entdeckungsreise begeben.

Helmut Nonnenmann, Ruheheim - Bezirksposaunenwart Bezirk Leonberg

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