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Wenn Worte fehlen, Entsetzen fassungslos macht, Trauer die Sprache raubt, der Kopf sich weigert, weiterzudenken und alles in Aufruhr ist.
Was dann? Wenn der Boden unter den Füßen schwankt und Abgründe der Tiefe und des Bösen sich auftun. Was hält?

Und wo ist Gott?
Als Retter, Tröster - einer der mein Klagen vernimmt, meine Tränen sieht, meine Fragen hört?
Wenn uns Leid und Not schon so schmerzt und betroffen macht, wieviel mehr dann ihn, den Vater im Himmel. Er ist da - mitten in allem Leid.
Jesus Christus ist selbst am Kreuz mitten durch das tiefste Leid gegangen. Er ist der Gott, der mit geht. Das ist unsere Hoffnung. So geht er auch jetzt mit durch all unsere Not, unser Leid, unsere Ängste und Schmerzen.

Manchmal helfen die alten Worte der Psalmen, mit der Seele einen Weg zu gehen. Daran festzuhalten, dass Gottes Hand uns nicht loslässt - auch über die Todesgrenzen hinaus. Psalm 22 ist der Psalm, den Jesus am Kreuz gebetet hat.

Manchmal helfen Gebete von Menschen, die in schweren Zeiten entstanden sind. Hier ist eines davon.

Wenn jemand gute Texte hat, bitte unten im Kommentarfeld einfügen.

Gebet in der Tiefe

In den Tiefen, die kein Trost erreicht,
lass doch deine Treue mich erreichen.
In den Nächten, wo der Glaube weicht,
lass nicht deine Gnade von mir weichen.

Auf dem Weg, den keiner mit mir geht,
wenn zum Beten die Gedanken schwinden,
wenn mich kalt die Finsternis umweht,
wollest du in meiner Not mich finden.

Wenn die Seele wie ein irres Licht
flackert zwischen Werden und Vergehen,
wenn es mir an Trost und Rat gebricht,
wollest du an meiner Seite stehen.

Wenn ich deine Hand nicht fassen kann,
nimm die meine du in deine Hände,
nimm dich meiner Seele gnädig an,
führe mich zu einem guten Ende.

Justus Delbrück
(aus einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager)

Webcode 218rr51

geschrieben von Rainer Rudolph am 12.03.2009 um 11:28 Uhr.
 


1.

Leben im Tod
Du Lebendiger
Du bist stärker als der Tod
Ich strecke Dir jeden Tod entgegen
die lähmende Einsamkeit
die zerbrochene Beziehung
die bodenlose Traurigkeit
das geistlose Dahinsiechen
das schreckliche Elend
die schmerzliche Trennung
das erschütternde Unglück
das Sterben der Lieben
den eigenen Tod
Sei Du das Leben in jedem Tod
Setz Du immer wieder
einen neuen Anfang
des Lebens


Anton Rotzetter in "Du Atem meines Lebens"

Hannelore Blank-Kirschmann am 13.03.2009 um 09:29 Uhr ( E-Mail )

2.

Manchmal, Gott, begreife ich dich nicht. Ich stimme ein in die alte Klage der Menschen: „Wie kannst du es zulassen?! Warum dies?!“

Ich weiß keine Antwort und stoße an meine Grenzen. In dieser Situation, Gott, gib mir den Mut, noch mit dir zu reden, und sei es mit dem Schrei Jesu:
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Nach Winnenden und Wendlingen ist der Alltag ein anderer. Wann immer dieser Alltag wiederkommt. Noch ist es nicht so weit – nicht heute, nicht morgen, nicht übermorgen. Gott aber ist trotz allem da, glaube ich.

Andreas Koch, Rundfunkpfarrer

Ganzen Beitrag lesen

Andreas Koch am 13.03.2009 um 19:24 Uhr ( E-Mail )

3.

Ach Herr,

höre unser Gebet!
Entsetzen erfüllt uns.
Tränen weinen wir.
Wer wird sie von unseren Augen abwischen?
Sie fließen immer weiter.
Ach Herr, tröste uns doch!


Ach Herr, vernimm unser Klagen!
Ratlos sind wir.
Wie können wir verstehen, was geschehen ist?
Wir haben keine Erklärungen für dieses Morden.
Wir trauern um die Ermordeten in Winnenden und Wendlignen.
16 Menschen leben nicht mehr,
die getragen von der Liebe ihrer Nächsten weiter leben wollten.
Vernimm unser Klagen, Herr!

Ach Herr, sei doch nahe!
Du siehst Schuld und Verzweiflung.
Heile die Wunden!
Halte du die Toten in deinen liebenden Händen.
Lass sie in dir geborgen sein.
Sei nahe, Herr!

Ach Herr,
schweige nicht zu unserem Schreien.
Lass uns doch hoffen.
Die trauernden Eltern brauchen deinen Trost.
Die trauernden Mitschüler brauchen deinen Trost.
Die trauernden Angehörigen brauchen deinen Trost.
Wir alle brauchen deinen Trost.
Schweige nicht, Herr!
Wer, wenn nicht du allein, kann uns helfen,
durch Jesus Christus,
der gelitten und den Tod besiegt hat.

Amen

Dr. Katharina Wiefel-Jenner am 13.03.2009 um 19:57 Uhr ( E-Mail | Homepage )

4.

„Wo war Gott in Winnenden?“
Viele fragen nach dem Amoklauf mitten in unserem Land: „Wo war da Gott?“ Sie fragen: „Wie kann Gott das zu lassen?“ In ihren Herzen verdichtet sich durch solche Schrecken das Gefühl: Es gibt keinen Gott. Wir sind hier allein, auf uns gestellt, den Launen des Schicksals und der menschlichen Natur ausgeliefert.

Was am 11. März mitten in der Passionszeit geschehen ist in Winnenden, auf den Straßen rund um Stuttgart und im Wendlinger Autohaus, trifft uns wie ein Schlag ins Innerste. Auf was kann ich vertrauen, wenn wie aus dem Nichts, mitten am Tag, mitten unter uns Unheil, Tod und Schrecken ausbrechen können, ein feuerspeiender Vulkan. Das trifft uns in der Seele: unser Leben, das Leben unserer Kinder, das Leben in unserer Stadt kann ebenso erschüttert und zerstört werden.

Daher die Frage: Wo war Gott? Ist es nicht Gottes Aufgabe, uns davor zu schützen? Weiterlesen  (Vollständiger Text als pdf-Datei)

Frieder Dehlinger am 14.03.2009 um 07:23 Uhr ( E-Mail )

5.

Lieber Gott,

geschockt, voller Angst, Trauer und Ratlosigkeit
stehen wir vor Dir
angesichts der schrecklichen und unfassbaren Ereignisse
in der Winnender Schule.
Sie gehen über unseren Verstand und unseren Glauben.

Wir kommen zu Dir mit unseren Fragen:
Wie konnte so etwas nur passieren?
Wo war Deine helfende und schützende Hand?
Wo warst Du Gott - und wo bist du jetzt?

Wir suchen nach Trost, nach Gründen für Zuversicht.
Wir rufen: Gott - hast Du uns verlassen?

Wir beklagen sechzehn Menschenleben.
Wir klagen Dir den Tod von Schülerinnen und Schüler,
Lehrerinnen und Lehrern und „Unbeteiligten".
Wir trauern mit den Eltern und Angehörigen.
Da ist kein Trost.
Wir klagen Dir unsere Unsicherheit und Angst.
Es hätte auch uns treffen können.
Wir rufen zu Dir:
Höre unsere Fragen, höre unsere Klagen!

Wir bitten Dich:
Sei mit den Eltern, Geschwistern und Angehörigen!
Wer kann trösten, wenn nicht Du, großer Gott!
Lass sie nicht allein!
Schenke den Verantwortlichen Worte und Weisheit,
Zuversicht, Kraft und Phantasie.

Wir bitten Dich:
Hilf uns in unserer Angst und Unsicherheit.
Tröste uns in unserer Trauer und Mittrauer.
Lass uns nicht allein!

Amen!

Evangelische Landeskirche in Württemberg am 18.03.2009 um 18:57 Uhr ( E-Mail | Homepage )

6.

Eine wirkungsvolle Übung

Eines Tages bat eine Lehrerin ihre Schüler, die Namen aller anderen
Schüler der Klasse auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein wenig Platz
neben den Namen zu lassen.
Dann sagte sie zu den Schülern, sie sollten überlegen, was das
Netteste ist, das sie über jeden ihrer Klassenkameraden sagen können und das sollten sie neben die Namen schreiben.

Es dauerte die ganze Stunde, bis jeder fertig war und bevor sie den
Klassenraum verließen, gaben sie Ihre Blätter der Lehrerin.

Am Wochenende schrieb die Lehrerin jeden Schülernamen auf ein Blatt
Papier und daneben die Liste der netten Bemerkungen, die ihre Mitschüler
über den Einzelnen aufgeschrieben hatten.

Am Montag gab sie jedem Schüler seine oder ihre Liste. Schon nach
kurzer Zeit lächelten alle. "Wirklich?", hörte man flüstern. "Ich wusste gar nicht, dass ich irgend jemandem was bedeute!" "Ich wusste nicht, dass mich andere so mögen", waren die Kommentare. Niemand erwähnte danach die Listen wieder.

Die Lehrerin wusste nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit
ihren Eltern diskutiert hatten, aber das machte nichts aus.
Die Übung hatte ihren Zweck erfüllt. Die Schüler waren glücklich mit
sich und mit den anderen.

Einige Jahre später war einer der Schüler gestorben und die Lehrerin
ging zum Begräbnis dieses Schülers. Die Kirche war überfüllt mit vielen
Freunden. Einer nach dem anderen, der den jungen Mann geliebt oder gekannt hatte, ging am Sarg vorbei und erwies ihm die letzte Ehre.
Die Lehrerin ging als letzte und betete vor dem Sarg. Als sie dort
stand, sagte einer der Anwesenden, die den Sarg trugen, zu ihr:'
Waren Sie Marks Mathelehrerin?' Sie nickte: 'Ja'. Dann sagte er:
'Mark hat sehr oft von Ihnen gesprochen.'

Nach dem Begräbnis waren die meisten von Marks früheren Schulfreunden
versammelt. Marks Eltern waren auch da und sie warteten offenbar
sehnsüchtig darauf, mit der Lehrerin zu sprechen.
"Wir wollen Ihnen etwas zeigen", sagte der Vater und zog eine Geldbörse aus seiner Tasche. "Das wurde gefunden, als Mark verunglückt ist. Wir dachten, Sie würden es erkennen."

Aus der Geldbörse zog er ein stark abgenutztes Blatt, das offensichtlich zusammengeklebt, viele Male gefaltet und auseinandergefaltet worden war.
Die Lehrerin wusste, ohne hinzusehen, dass dies eines der Blätter war, auf denen die netten Dinge standen, die seine Klassenkameraden über Mark geschrieben hatten.

"Wir möchten Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie das gemacht haben", sagte Marks Mutter. "Wie Sie sehen können, hat Mark das sehr geschätzt."
Alle 20 früheren Schüler versammelten sich um die Lehrerin. Charlie lächelte ein bisschen und sagte: 'Ich habe meine Liste auch noch. Sie ist in der obersten Schublade in meinem Schreibtisch'.

Die Frau von Heinz sagte: 'Heinz bat mich, die Liste in unser Hochzeitsalbum
zu kleben. 'Ich habe meine auch noch', sagte Monika."Sie ist in meinem Tagebuch." Dann griff Irene, eine andere Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre abgegriffene und ausgefranste Liste den anderen. "Ich trage sie immer bei mir", sagte Irene und meinte dann: "Ich glaube, wir haben alle die Listen aufbewahrt."

Die Lehrerin war so gerührt, dass sie sich setzen musste und weinte. Sie weinte um Mark und für alle seine Freunde, die ihn nie mehr sehen
würden.

Im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen vergessen wir oft, dass jedes
Leben eines Tages endet und dass wir nicht wissen, wann dieser Tag sein
wird. Deshalb sollte man den Menschen, die man liebt und um die man sich
sorgt, sagen, dass sie etwas Besonderes und Wichtiges sind.

Sag es ihnen, bevor es zu spät ist. Es gibt zumindest einen Menschen, dem Du etwas bedeutest. Denk daran, Du erntest, was Du säst. Was man in das Leben der anderen einbringt, kommt auch ins eigene Leben zurück.

Geschichte als pdf-Datei  (70 kb)

Leider konnten wir die genaue Quelle der Geschichte noch nicht feststellen. Für diesbezügliche Hinweise sind wir dankbar. Wenn irgendwelche Rechte verletzt worden sind, bitten wir angesichts der besonderen Umstände um Nachsicht und eine Mail an: rainer.rudolph@ejwue.de

 

Beate Hofmann am 18.03.2009 um 19:03 Uhr ( E-Mail | Homepage )

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