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Gottfried Heinzmann

Und – wie war’s?

Diese Frage stelle ich gerne, wenn ich am Tag nach einer Veranstaltung die dafür verantwortlichen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter sehe. Wir kommen miteinander ins Gespräch und wenn ich mehr wissen will, kann ich nachfragen.

Ein Herz für dein Wort – ein Wort für mein Herz

Erst jetzt ist mir allerdings aufgefallen, dass ich durch meine Frage zuallererst eine Bewertung einfordere. Wie war’s? Gut oder schlecht? Begeisternd oder enttäuschend? Weit über den Erwartungen oder ganz einfach unterirdisch? Wenn ich die Bewertungen dann höre, merke ich, dass es mir eigentlich um etwas ganz anderes geht. Ich will keine Auswertung und keine Bewertung hören, ich möchte, dass sie mir ganz einfach erzählen, was sie erlebt haben.

Und – wie war’s? Wenn ich diese Frage stelle und dabei auf das Herzstück unserer Jugendarbeit ziele, wird es noch schwieriger. Wie war die Andacht? Wie war der geistliche Impuls? Wie war die Predigt? Auch diese Fragen fordern zuallererst zu einer Bewertung auf. Doch wollen wir das? Wollen wir, dass Verkündigung des Evangeliums bewertet wird? Welche Kriterien wären das? Dieselben wie bei „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Germany’s next Topmodel“?
Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt, kommt man auf mancherlei Gedanken: Man könnte ein offizielles Bewertungssystem nach Kriterien wie Ausstrahlung, Aussehen, Kleidung, Überzeugungskraft, Stimmlage, Verständlichkeit, Unterhaltungswert usw. einführen. Nach einer Andacht oder Predigt könnten sich die Zuschauerinnen und Zuschauer bei der Abstimmung beteiligen und das Ganze bewerten.
Eine Jury aus Experten würde tagen und am Ende stünde er oder sie fest: Germany’s next Superpreacher!

Zugegeben – niemand denkt das so und niemand will das so. Und es gibt durchaus vernünftige äußere Kriterien, nach denen man eine Predigt oder Andacht beurteilen kann. Schließlich gelten auch hier die allgemeinen Regeln menschlicher Kommunikation. Im Zusammenhang mit der Ausbildung von Hauptamtlichen und bei Schulungen für Ehrenamtliche ist es sogar notwendig, eine Predigt oder eine Andacht nach bestimmten Maßstäben zu bewerten und dann zu sagen, wo Verbesserungsmöglichkeiten bestehen.
Doch als Hörer des Evangeliums ist eigentlich eine andere Haltung von mir gefragt. Ein Herz für dein Wort – ein Wort für mein Herz

Wo will ich Platz nehmen?

Deshalb heißt die entscheidende Frage bevor ich eine Andacht oder eine Predigt höre: Will ich bei der Jury Platz nehmen und nach menschlichen Maßstäben beurteilen, was gut oder schlecht ist? Oder will ich zu Jesu Füßen sitzen und auf das hören, was Gott mir durch diese Andacht oder Predigt sagen will? Will ich bewerten oder hören? Diese Grundhaltung kommt nicht von selbst. Ich muss sie wollen und einüben.
„Sich disponieren“ heißt das im Sprachgebrauch der Exerzitien des Ignatius von Loyola. Auch auf das Hören des Wortes Gottes kann ich mich vorbereiten und dafür bereit machen. Ob sich das Wunder dann ereignet, dass Gott zu mir spricht, habe ich nicht in der Hand. Doch wenn ich im Jurysessel Platz genommen habe, hat Gottes Geist es deutlich schwerer, ein Wort in meine Seele fallen zu lassen, als wenn ich zu Jesu Füßen sitze.

Ich wünsche mir, dass wir in der Jugendarbeit beim Hören einer Andacht oder einer Predigt auch auf diese Grundentscheidung hinweisen und diese innere Haltung einüben. Vielleicht durch ein Lied, das zum rechten Hören hilft:

„Rede du, mein Vater, heute zu mir. Worte der Wahrheit kommen von dir. Rede du, mein Vater, heute zu mir. Du willst mich beschenken. Herr, hab Dank dafür.“
(Feiert Jesus 2, 97).

Vielleicht durch eine Zeit der Stille vor der Andacht oder ein Gebet, das diese Grundhaltung zum Ausdruck bringt.

Erwartungsvoll hören

Mir hilft ein ganz schlichtes Gebet von Augustinus:
„Gib mir, o Herr, ein Herz für dein Wort und ein Wort für mein Herz!“
Kurz und knapp fasst es die beiden Richtungen zusammen, um die es geht.
Von mir zu Gott: Ich möchte mein Herz für Gottes Wort öffnen.
Von Gott zu mir: Ich bitte Gott, dass er mir ein Wort schenkt, das mir weiterhilft.

Falls mich nach einer Andacht, einer Predigt, einem geistlichen Impuls jemand fragen sollte: „Und – wie war’s?“, möchte ich ihm gerne antworten: „Gott hat mir ein Wort geschenkt.“ Das ist sicherlich nicht jedes Mal möglich, doch wenn es so war und es den anderen interessiert, erzähle ich auch gerne von diesem Wort, das mir zugefallen ist.

Gottfried Heinzmann
Leiter des ejw

Vorwort aus dem UnterUns 409
Mehr dazu und pdf-Datei  zum Download

Webcode 216gh53

Übrigens - ich freue mich über einen Kommentar von Ihnen.

geschrieben am 24.07.2009 um 18:33 Uhr.
 


1.

Ich muss gestehen, selten lese ich das „UnterUns“ von vorne bis hinten ganz durch. Es ist eher so, dass ich die Zeitschrift durchblättere und an dem einen oder anderen Artikel hängen bleibe, meistens an kurzen und überschaubaren Textabschnitten. Dazu gehört das Vorwort. Es ist für mich wie eine Zusammenfassung des ganzen Heftes. Und das reicht mir manchmal. „Ein Herz für dein Wort - ein Wort für mein Herz“ , das hat mich im letzen Heft sehr angesprochen.“ Es war ein Wort für MEIN Herz! Es hat mich ermutigt, meinen Platz als Hörende immer wieder bewusst einzunehmen und meinen Umgang mit Auswertungen (und Bewertungen) von Gottesdiensten und Veranstaltungen in der Gemeindearbeit neu zu überdenken. Dieses „Wort für mein Herz“ begleitet mich seitdem! Vielen Dank!
Magdalene Fuhr am 24.07.2009 um 18:50 Uhr ( E-Mail )

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