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Gottfried Heinzmann
Ich bin mit dem Auto unterwegs und höre Radio. „Sag mir, dass dieser Ort hier sicher ist.", tönt es aus den Lautsprechern. Ich werde aufmerksam und achte genauer auf den Text. Der sich wiederholende Refrain prägt sich ein: „Gib mir'n kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt in der nichts sicher scheint."
Ein kleines bißchen Sicherheit

Dieses Lied der Gruppe Silbermond geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Bilder vom
Amoklauf in Winnenden und Wendlingen tauchen vor meinem inneren Auge auf.


WIE WEIT DENKE ICH BEIM BETEN?
„Gib mir'n kleines bisschen Sicherheit!" - Sind diese Worte an Gott gerichtet? Ich kenne solche Gebete nur zu gut. Gebete mit der Bitte um Schutz, Bewahrung und Gesundheit. Solche Gebete kommen mir recht leicht über die Lippen. Doch ganz offensichtlich werden solche Wünsche und Gebete nicht immer erfüllt. Es gibt Unfälle, Verbrechen, Krankheiten, die mir den anscheinend sicheren Boden unter den Füßen jederzeit entziehen können.

„Sag mir, dass dieser Ort hier sicher ist." Wer soll das sagen? Wer will das garantieren? Gott? Angesichts der Gefahren und Unglücksfälle, die uns treffen können, gerate ich bei solchen Gebeten ins Stocken. Ich frage mich: Sind meine Gebete um Sicherheit nicht viel zu begrenzt? Wie weit denke ich beim Beten? Mit welchem Horizont bete ich?


In den Psalmen finden wir ganz ähnliche Bitten, doch gleichzeitig ist auch ein entscheidender Unterschied feststellbar. Zum Beispiel in Psalm 62: „Höre, Gott, mein Schreien, denn mein Herz ist in Angst! Lass mich wohnen in deinem Zelte ewiglich und Zuflucht haben unter deinen Fittichen!" Die Gebete der Bibel beziehen sich nicht nur auf die Bewahrung des irdischen Lebens hier und jetzt, sondern haben immer auch die Perspektive der Ewigkeit.


DIE EWIGKEIT IM BLICK BEHALTEN
Unsere Gebete sollten offen sein für die Ewigkeit. Nur so können sie auch in unsicheren Zeiten Halt und Geborgenheit bieten. Nur so können sie als Hoffnungsanker auch schwere Krisen überdauern. In seinem Kinderlied mutet Arno Pötzsch diese Perspektive auch den Kindern zu: „Meinem Gott gehört die Welt, meinem Gott das Himmelszelt, ihm gehört der Raum, die Zeit, sein ist auch die Ewigkeit." (EG 408) Dieser Blick auf die Ewigkeit durchzieht das ganze Lied, auch die Bitte um Bewahrung und Schutz ist davon geprägt. Am Ende steht die biblische Zuversicht, dass die im Glauben begonnene Gemeinschaft mit Gott auch durch den Tod nicht zerstört werden kann: „Leb ich, Gott bist du bei mir, sterb ich, bleib ich auch bei dir." Diese Offenheit für die Ewigkeit möchte ich in meinen Gebeten um Schutz und Hilfe für mich und andere immer wieder gewinnen.


EINE EIGENE HALTUNG ENTWICKELN
„Gib mir einfach nur ein bisschen Halt" - singt Silbermond. Dieses bisschen Halt hätte der Täter von Winnenden dringend gebraucht. Ich halte nichts davon, ausgehend von einem erstellten Täterprofil diesen Einzelfall auf alle Kinder und Jugendlichen zu übertragen und allgemeine Schlüsse für die Jugendarbeit daraus zu ziehen. Doch auch an diesem jungen Mann wird deutlich, wie wichtig es ist, dass Kinder und Jugendliche einen inneren Halt haben und daraus eine eigene Haltung entwickeln können.

Die Aufgabe der Jugendarbeit besteht darin, Heranwachsende beim Ausbilden der eigenen Identität und Persönlichkeit zu unterstützen. Im Evangelischen Jugendwerk nehmen wir diese Aufgabe in der Überzeugung wahr, dass das Gewinnen einer eigenen Haltung im Gehaltensein durch Gott begründet ist:

 „Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit."

 Aus diesem Halt im Glauben an Gott können sich dann konkrete Haltungen entwickeln: Ich-Stärke, die aus der Stärke Gottes lebt. Hilfsbereitschaft, die aus der empfangenen Hilfe durch Gott gespeist wird. Orientierungsfähigkeit, die auf der Grundlage der Gerechtigkeit Gottes aufgebaut ist.
Das trifft dann auch wieder das Anliegen des Liedes von Silbermond: Jemand, der sich von Gott gehalten weiß, kann auch einem anderen ein bisschen Halt und Sicherheit geben.


Gottfried Heinzmann
Leiter des ejw

Vorwort im UnterUns 309   (Das neue UnterUns als pdf zum Download)

Webcode 216gh51

Mehr Predigten und Vorträge von Gottfried Heinzmann finden Sie hier

geschrieben von rr am 09.04.2009 um 15:28 Uhr.
 


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