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Vielleicht gelingt es uns hier über den ejw-blog, zu den Themen des UnterUns ein virtuelles Gesprächsforum einzurichten, über das Gedanken ausgetauscht und Anregungen weitergeben werden können. Ein gutes Gespräch ermutigt und inspiriert. Menschen stärken und Sachen klären sind Hauptaufgabe aller Pädagogik - und aller Kommunikation. Dazu soll dies beitragen. Weiterlesen
Pfarrer Frank Widmann aus Baltmannsweiler schreibt uns:
Zu diesem Beitrag im letzten UnterUns fällt mir einiges ein.
1. Komm- und Gehstruktur sind lediglich plakative Begriffe. Außerschulische Jugendarbeit kommt selbstverständlich, sofern sie in ihrer Art auf jungen Leute eingeht und ihnen entspricht, ihnen entgegen. Es geht theologisch gesprochen nicht nur darum, an einen bestimmten Ort zu gehen, wo junge Menschen sind, sondern "den Juden ein Jude und den Griechen ein Grieche zu werden".
2. Jugendarbeit im Gemeinde- oder Vereinshaus fördert nur dann ein "Ghetto-Christentum" (bissle verquerer Begriff, oder?), wenn wir denken, Christen seien wir nur innerhalb unserer christlichen Gruppe. Davor ist man in schulischen Räumen auch nicht gefeit. Dahingegen gilt es, den Glauben so einzuüben, dass klar ist, dass er sich in der Welt bewährt, dass zum Gottesdienst (zu dem man aus der Welt heraus tritt) der Gottesdienst im Alltag gehört.
3. Jugendarbeit in der Schule ist staatskirchenrechtlich auf schwierigem Terrain unterwegs. Dessen muss man sich bewusst sein. Die Schule ist per definitionem weltanschaulich neutral. Auch Betreuungsangebote in der Ganztagesschule müssen das prinzipiell sein. Andernfalls braucht es zur christlich verantworteten Gruppe ein Alternativangebot. - Eine andere Schwierigkeit ist die, dass Jugendarbeit grundsätzlich auf freiwilliger Basis läuft; in der Schule ist man gezwungener Maßen. Diese Diskrepanz gilt es zu bedenken.
4. Jugendarbeit gibt es nicht nur in Städten. Bei uns zum Beispiel auf dem Dorf eine recht lebendige, auch seitens der Vereine. Für uns ist es aber nicht verlockend, in die Schulen nach Esslingen zu gehen, wo bei uns alle ab Klasse 5 sind. Da wären dann allenfals die Esslinger gefragt. Das ist zumindest eine hohe Hürde.
5. In unseren Tage ufert die Schule (meiner Meinung) unverhältnismäßig aus. (Wir haben vier Kinder; ich weiß, wovon ich rede.) Schule wird vor allem im Zuge von G8 zum alles bestimmenden Faktor im Leben von Kindern und Jugendlichen. Dem muss man sanft entgegen treten. Rechnen wir aus, wie lange Schülerinnen und Schüler schulisch belegt sind. Da müsste man fast die Gewerkschaft einschalten! Ich würde mich stark machen, jungen Menschen außerhalb der Schule Freizeit zu belassen, Freiräume zu eröffnen und Freiheit zu ermöglichen.
Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Ich habe nichts gegen die Schule. Aber alles zu seiner Zeit. Bildung ist für mich ein sehr hohes Gut. Aber Bildung im umfassenden Sinn ereignet sich nicht nur in der Schule.
Mit bestem Gruß
Frank Widmann
Kirchstr. 8
73666 Baltmannsweiler
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