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„Wir sind leidenschaftlichen Christen begegnet. Und von ihrem Mut angesteckt worden." Das war das Fazit von vielen nach der London-Studienreise vom 9. - 14. Mai. Mit 34 Personen, darunter neun Schweizern und drei Leipzigern, war die Gruppe recht groß - fast zu groß für die besuchten Gemeinden. Aber trotzdem entstand bei Gesprächen in der „tube", bei Diskussionen im Pub und den Auswertungen im Hotel ein intensiver Prozess.

Morgens im Hyde Park
Ein geniales Frühstück und ein für London äußerst günstiger Preis zeichneten unser Hotel aus, das dem deutschen CVJM in London angeschlossen ist. Dank der Lage im Herzen der Stadt konnten einige morgens durch den Hyde Park joggen.
Die Kennenlernrunde am Samstag zeigte, dass spannende Projekte und Personen in der Runde vertreten waren. Nach einer Einführung zur anglikanischen Kirche und zu den "fresh expressions of church", wie die jungen Gemeinden dort heißen, ging es quer durch den Hyde Park zu Holy Trinity Brompton (HTB). HTB ist die Muttergemeinde der Alphakurse und Initiatorin von mehr als einem Dutzend "church plants". Einige aus der Gruppe nahmen an einem der vier Sonntagsgottesdienste teil. Sie waren tief berührt von der Gastfreundschaft und Atmosphäre. Andere besuchten den Alphakurs von HTB am Mittwoch abend und staunten über 600 Teilnehmende.
Den Sonntag nutzten wir intensiv für "church hopping". Manche brachten es auf drei oder sogar vier Gottesdienste. Über ein Dutzend Erfahrungen konnten wir am Montag auswerten. Jugendgemeinden wie "Soul survivor Watford" und St. Mary´s waren dabei, auch eine Gemeindepflanzung für junge Familien, die gerade ihr zweijähriges Jubiläum feierte. (Zuhause feierte die Landeskirche ihr 475-jähriges). Beeindruckt waren andere von der Emmanuel Network Church im Stil der „emerging churches".

Sie feierte ihren Gottesdienst in einem Pub. Natürlich musste auch Hillsong London ein Besuch abgestattet werden und church plants in sozialen Brennpunkten.
Beeindruckend war überall, welche Rolle Gebet spielte - und wie stark eine Ausrichtung der Gemeinden auf die Menschen ihrer Umwelt oder Zielgruppe spürbar war.
Kirche auf dem Markt
Ein Beispiel dafür war St. Luke´s in Walthamstow, einem multi ethnischen Viertel. Die zehn verbliebenen aktiven Mitglieder können die große Backsteinkirche nicht mehr unterhalten, die von Unkraut umwuchert in einer Seitenstraße wie eine Industrieruine langsam verfällt. Sie dient mittlerweile nur noch als Lagerraum für einen Marktstand. Mit diesem sind die Gemeindeglieder jeden Sonntag von 10 - 14 Uhr Teil eines „farmer markets". Das ist Kirche auf dem Markt im wahrsten Sinne des Wortes. Mit kostenlosem Kaffee und vielen Gesprächen, auch bei Eisregen und Schmuddelwetter, haben sie das Vertrauen zu den andern Standbesitzern und vielen Menschen gewonnen. In einem nahegelegenen Cafe (der Kaffee hier kostet 70 Pence, ein Drittel des sonstigen Preises) nahmen wir an einer "bible discussion" bei laufendem Cafébetrieb teil. „Früher haben wir uns in unserer Kirche versteckt, jetzt sind wir bei den Leuten", meinte eine engagierte Mittvierzigerin.
Horizonterweiterung

Was lässt sich von der Millionenstadt auf die schwäbische Provinz übertragen? Wenig. Und doch gibt es kein Zurück mehr im Denken, wenn man gesehen hat, wie Christen (oft mit weit weniger Ressourcen) neu aufbrechen, ihre Berufung leben, Erfahrungen mit Gott machen. In Shadwell, im Osten Londons z. B., schaltet eine Gemeinde konsequent auf Geh-Struktur um, startet „mission shaped communities" unter Sportlern oder Einwanderern aus Bangladesh.
Kreuzfahrtschiff oder Rettungsboot

Pete Wynter, kaum 30 Jahre alt, für die Jugendarbeit in St. Andrews Chorleywood verantwortlich, forderte uns heraus. Kreuzfahrtschiff oder Rettungsboot - was ist unser Bild von Kirche. In St. Andrews wird nur noch einmal im Monat Gottesdienst in der zentralen Kirche gefeiert. An den andern drei Sonntagen sind die „Rettungsboote" unterwegs. Jugendliche feiern mit Älteren Gottesdienst in einem Altersheim, junge Familien und Taubstumme treffen sich. Eine der 42 „mission shaped communities" sieht ihre Berufung bei Obdachlosen und nennt sich „Hafen". Wie hier Lebensveränderung geschieht, Reich Gottes spürbar wird, mit welchem Herzblut hier ein Glaubensabenteuer gelebt wird beeindruckte uns tief. Diese Gemeinschaften von 20 bis 50 Personen haben alle eine klare Vision, leben Gemeinschaft, essen miteinander und feiern eher im urchristlichen Sinn Gottesdienst.
Evangelium in der Skaterhalle

Eindrücklich auch die Geschichte der youth church „eternity" in Bracknell, die seit knapp 15 Jahren besteht und die wir „auf dem flachen Land" besuchten. Beeindruckend der Mut in Benfleet, eine Skaterhalle aufzubauen und dieser Jugendszene so das Evangelium zu bringen.
Über 600 Jugendliche sind Mitglied und eine kleine Jugendgemeinde hat sich herausgebildet.
Die Impulse waren so stark, dass wir auch für nächstes Jahr wieder eine Tour nach London planen.
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