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Hast du Lust mitzugehen? Nicht immer sind die Angebote, die im Anschluss an diese Frage geäußert werden, so eindeutig, dass ich sofort eine Entscheidung treffen kann. Manchmal komme ich ins Grübeln und überlege, was mir jetzt wichtiger ist.
Hat Gott Lust mitzugehen?
Ich bete. Gehe in Gedanken den Tag durch und bringe das vor Gott, was ansteht. Hat er Lust mitzugehen? Ich habe nichts anzubieten, was Gott nicht schon längst hätte. Ich kann zu keinen Events einladen, die Gott nicht kennen würde. Ich kann nicht mit attraktiven Terminen aufwarten, neben den Highlights des Lebens gibt es eben auch ziemlich viel Alltag. Und manche Stunden und Tage sind ganz einfach schwer und mühsam. Doch gerade in diesen Situationen brauche ich seine Begleitung und seine Unterstützung.
Hat Gott wirklich Lust mitzugehen? Ich überlege, wie das bei den Menschen in der Bibel war, denke an die Väter-Geschichten von Abraham, Isaak und Jakob. „Ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst“, verspricht er Jakob (1. Mose 28,15). Ich lese die Erzählungen vom Auszug aus Ägypten. „Ich werde mit dir sein“, lautet Gottes Zusage an Mose (2. Mose 3,14). Verdichtet und konzentriert findet sich Gottes Lust am Begleiten in dem, was Jesus sagt und tut.
In Jesus ist Gott nicht nur durch Wort und Zeichen gegenwärtig, sondern stellt sich selbst als Begleiter an die Seite der Menschen. Ein Begleiter, der mitgeht – durch dick und dünn, durch Höhen und Tiefen. Ein Begleiter, der selbst dann an meiner Seite bleibt, wenn sich mir der Tod in den Weg stellt.
„Niemand hat größere Liebe als dass er sein Leben lässt für seine Freunde“, sagt Jesus zu seinen Jüngern, stirbt stellvertretend für die Menschen und öffnet ihnen damit den Zugang zum Leben (Johannes 15,13).
Woher kommt diese Lust?
Weder Jakob, noch das Volk Israel, noch die Jünger Jesu konnten irgendetwas bieten, das diese göttliche Lust an Begleitung und Zuwendung auslösen oder gar rechtfertigen könnte. Gottes Lust am Menschen ist ganz allein in seiner Liebe be - gründet. Michelangelos Darstellung der Erschaff - ung des Menschen in der sixtinischen Kapelle fällt mir ein. Lustvoll wendet sich der Schöpfer seinem Geschöpf zu, eine Berührung wird angedeutet. Diese Lust Gottes an der Begegnung kann man auch im eigenen Leben entdecken.
Wenn ich an die Momente denke, an denen Gott unerwartet und überraschend in eine Situation hineingesprochen hat. Oder an die Wegstrecken, auf denen Gott trotz Ablehnung und Gleichgültigkeit nicht die Lust an der Begleitung verloren hat. Ich nehme es als unverdientes Wunder wahr, dass Gott Lust hat, mich anzusprechen, sich mir zuzuwenden und mit mir zusammen zu sein.
Gottes Lust auf Geselligkeit springt über.
Kurt Marti schreibt in seinem Buch „Die gesellige Gottheit“ (Radius-Verlag Stuttgart, 1989, S. 8): „Am Anfang: Geselligkeit. Und weil Geselligkeit: Wort. Und im Werk, das sie schuf, suchte die gesellige Gottheit sich neue Geselligkeiten. Weder Berührungsängste noch hierarchische Attitüden. Eine Gottheit, die vibriert vor Lust, vor Leben. Die überspringen will auf alles, auf alle.“
Was hier in dichterischer Form gefasst ist, bildet den innersten Kern der Jugendarbeit. Jugendarbeit lebt davon, dass Menschen sich anstecken lassen von Gottes Lust auf Geselligkeit.
Da steht ein Mädchen vor der Haustür und fragt die Schulkameradin: „Hast du Lust, mit in die Jungschar zu gehen?“ Da geht ein Mitarbeiter auf eine Gruppe von Skatern zu und sagt: „Habt ihr Lust, eure Kunststücke bei Jesus-House vorzuführen?“
Da igelt sich eine Jugendgruppe nicht im Gemeindehaus ein und ist sich selbst genug, sondern geht hinaus und öffnet sich für andere. Wenn Menschen ihre Geschichte mit Gott erzählen, spielen solche Wegbegleiter oft eine entscheidende Rolle. Wegbegleiter, die es nicht bei einer Frage belassen haben. Wegbegleiter, die einen langen Atem hatten und weite Wege gegangen sind. Wegbegleiter, die ausgetretene Pfade verlassen und alte Gewohnheiten geändert haben.
„Hast du Lust mitzugehen?“ Ich wünsche mir, dass Gottes Lust auf Geselligkeit überspringt. Dass wir kreativ und offen, mutig und lustvoll, wertschätzend und ausdauernd junge Menschen auf dem Weg mit Gott begleiten.
Gottfried Heinzmann
Leiter des ejw
aus: UnterUns 2-2011
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