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Jugendgemeinden - Thesen
Jenseits der Agende - jenseits der Kirchengemeinde - jenseits der Kirche?
Ein Plädoyer für die konsequente Ermöglichung von Jugendgemeinden in der Landeskirche von: Gottfried Heinzmann, Leiter des ejw und Landesjugendpfarrer Bernd Wildermuth.
Jenseits der Agende - ein Plädoyer für Jugendgemeinden in 10 Thesen

blog/images/2009-04-wildermuth-b.gifJenseits der Agende finden seit vielen Jahren Jugendgottesdienste und so genannte alternative Gottesdienste statt. Manche dieser Gottesdienstformen haben sich etabliert und sogar Eingang gefunden in den zweiten Band des Gottesdienstbuches der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Aus manchen Jugendgottesdiensten sind Jugendgemeinden und junge Gemeinden entstanden. Junge Menschen haben sich aufgemacht, aus dem Geist Jesu heraus das Gesicht ihrer Kirche zu verändern. Ihre Initiativen sind trotz mancher Rückschläge und trotz institutionellen Gegenwindes nicht verpufft. Natürlich ist Streit in der württembergischen Landeskirche um das Thema „Jugendgemeinde" entbrannt. Für die einen sind sie ein Fingerzeig des „Heiligen Geistes", für andere wird die Axt an die „Volkskirche" gelegt. In jedem Fall hat die Diskussion um die Jugendgemeinden, um Gemeinschaftsgemeinden und um andere neue Gemeindeformen das Thema der Ekklesiologie ganz oben auf die Tagesordnung des Protestantismus, zumindest in Württemberg, gesetzt. Und nicht zuletzt geht es wie bei allen konkreten Entscheidungen auch um personelle und finanzielle Mittel, Gebäude und andere ganz irdische Dinge.

Finden junge Menschen einen Platz in ihrer Kirche?
Die Frage, die dringend geklärt werden muss, lautet: Finden junge Menschen, die jenseits der kirchlich vorgegebenen Agende Gottesdienst feiern und sich jenseits einer parochial verfassten Kirchengemeinde als Gemeinde versammeln, einen Platz in ihrer Kirche? Oder lautet die unumkehrbare Weiterentwicklung:
Jenseits der Agende, jenseits der Kirchengemeinde und damit dann unausweichlich auch - jenseits der Kirche?

Konkrete Schritte
Damit junge Menschen eine Heimat in ihrer Kirche finden, braucht es konkrete Schritte zur Umsetzung von lebensweltbezogenen Jugendgemeinden. Viele komplexe Fragestellungen sind damit verbunden. Um die Ermöglichung von Jugendgemeinden in der Landeskirche konsequent voranzubringen, haben wir Thesen formuliert, die an den konkreten Fragen entlanggehen. Wir hoffen, dass diese Zumutungen in den Gremien der Jugendarbeit und der Kirche diskutiert, modifiziert und dann umgesetzt werden.

Pfarrer Gottfried Heinzmann,          Landesjugendpfarrer Bernd Wildermuth
Leiter des ejw   

upload/pdf-symbol16.jpg Thesen zum Download (pdf-Datei)

Die Thesen sind als Nachwort im Buch
Junge Gemeinden - Experiment oder Zukunftsmodell abgedruckt.
www.ejwue.de/junge-gemeinden

 

Thesen online kommentieren

Hier im ejw-blog können die Thesen auch online kommentiert und diskutiert werden. Wir freuen uns auf viele Beiträge.

These 1  Regelmäßiges Gottesdienstangebot
These 2  Ergänzungsmodell
These 3  Partizipation
These 4  Kooperation
These 5  Selbständig im Auftrag
These 6  Budget
These 7  Räume
These 8  Personelle Ressourcen
These 9  Begleitung
These 10 Rahmenbedingungen

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Die Thesen im Überblick

Zu den einzelnen Thesen gibt es jeweils noch präzisierende Unterpunkte die für das Gespräch wichtig sind.

These 1 Regelmäßiges Gottesdienstangebot
Junge Menschen haben das Recht auf einen zweiwöchentlich oder wöchentlich stattfindenden Jugendgottesdienst in ihrem Distrikt oder Kirchenbezirk. Durch die regelmäßige Teilnahme an diesem Jugendgottesdienst definieren sie die dadurch entstehende Jugendgemeinde als ihre Gemeinde. Weiterlesen

These 2 Ergänzungsmodell
Jugendgemeinden sind von ihrem Selbstverständnis kein Alternativ-, sondern ein Ergänzungsmodell zur Parochie. Ihre Berechtigung leiten sie aus einer besonderen lebensweltlichen Situation und nicht aus einem besonderen theologischen Programm ab.
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These 3 Partizipation
Partizipation als Leitmotiv ist unverzichtbar für eine Jugendgemeinde. In Jugendgemeinden müssen abgestufte und flexible Beteiligungsformen entwickelt werden, die es jungen Menschen möglich machen, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen.
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These 4 Kooperation
Eine enge Kooperation zwischen der Konfirmandenarbeit, die in den Kirchengemeinden stattfindet, und der Jugendgemeinde auf Distrikts- oder Bezirksebene ist unerlässlich.
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These 5 Selbständig im Auftrag
Solche aus Jugendgottesdiensten erwachsenen Jugendgemeinden arbeiten auf einer überparochialen Ebene im Rahmen des Evangelischen Bezirksjugendwerks selbständig im Auftrag eines Kirchenbezirks.
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These 6 Budget
Der Kirchenbezirk stellt der Jugendgemeinde ein eigenes Budget mit festen Zuweisungen zur Verfügung. Opfer und Spenden für die Arbeit fließen in das Budget ein.
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These 7 Räume
Der Kirchenbezirk stellt der Jugendgemeinde einen Raum zur Verfügung, der für ihre Gottesdienste und Aktivitäten jugendgemäß gestaltet werden kann.
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These 8 Personelle Ressourcen
Auch bei einer Jugendgemeinde besteht die Notwendigkeit, dass ein von der Kirche beauftragter hauptamtlicher Mitarbeiter / hauptamtliche Mitarbeiterin dafür Sorge tragen, dass das Evangelium von Jesus Christus verkündigt wird, die Sakramente verwaltet werden, dass Gemeinde gebaut und der Dienst der Liebe an jedermann getan wird. Deshalb müssen für die Begleitung der Jugendgemeinde personelle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.
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These 9 Begleitung
Die Begleitung der Jugendgemeinde und die Verantwortung für einen regelmäßigen Jugendgottesdienst erfolgt notwendigerweise im Zusammenspiel zwischen Jugendreferent/Jugendreferentin und Jugendpfarrer/Jugendpfarrerin.
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These 10 Rahmenbedingungen
Wenn Jugendgemeinden flächendeckend als Ergänzung zu den parochial verfassten Gemeinden entstehen, muss die Landeskirche Rahmenbedingungen schaffen, die es für die Kirchenbezirke interessant und lohnenswert erscheinen lassen, sich auf das Wagnis „Jugendgemeinde" einzulassen.
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Webcode 2009ejw-thesen01
Webcode 216gh10

 

 

 

 

geschrieben am 12.06.2009 um 18:33 Uhr.
 


1.

Ich finde Eure Thesen interessant. Doch ich sehe eher das Problem, dass viele Jugendliche Gottesdienst im eigentlichen Sinne erst zur Konfirmandenzeit erfahren. Vorher ist ein solcher Gottesdienst ein Buch mit 7 Siegeln. Sie müssen Gottesdienst als eigene Form entdecken. Das ist ein längerer Prozess. Die Form jugendgemäßer Hauptgottesdienste zu gestalten halte ich für gescheitert. Sie dienen eher als Feigenblatt für Kirchengemeinde! Eigentlich sollte der Hauptgottesdienst die Mitte der Gemeinde sein, doch diesen Anspruch kann der Hauptgottesdienst schon seit Jahrzehnten nicht mehr leisten. Zielsetzung sollte ein missionarische Gemeindeaufbau sein der dann in den Bezirk Auswirkungen hat!
Johannes Markus Drechsler am 13.07.2009 um 21:48 Uhr ( E-Mail | Homepage )

2.

Wow, mutige Thesen - was sagen denn Pfarrer und OKR dazu?
Wäre natürlich ein Traum, wenn man so etwas umsetzen könnte, vor allen Dingen den regelmäßigen wöchentlichen Gottesdienst für Jugendliche. Wir haben im Bezirk eine Jugendgottesdienst im Monat und einen Jungen Erwachsene Gottesdienst und ich denke, das bietet schon genug(?) - und darüber sehr dankbar, denn die Kirchen in den dann sich wechselnden Gemeinden sinnvoll:-))
Ich denke manchmal, wir bräuchten mal wieder einen Martin Luther, der diesmal die sich immer noch nach der damaligen Liturgie (mittelalterlichen)orientierenden Gottesdienstordnungen reformiert. Ich schau gerne mal auch als Kirchengemeinderat über den Tellerrand in die wachsenden Freikirchen und "erlebe" dort einen Gottesdienst, aus dem man mit Freude und Erfüllung kommt ... manchmal könnten wir uns doch nur mal ein bissle was davon für unsere Gemeinden abkucken.
Den Delegierten spreche ich auf alle Fälle viel Mut zum Weitermachen zu!!
Uwe Biehler, KGR-Laienvorsitzender und Ortsverantwortlicher
Uwe Biehler am 24.02.2010 um 14:25 Uhr ( E-Mail )

3.

Bahn brechen für eine zukunftsfähige Kirche
Ein Austausch über diese 10 Thesen ist sehr sinnvoll und nötig. Im Bezirk Kirchheim bei uns gibt es eine solche Jugendgemeinde mit segensreichem Wirken. Trotzdem wird immer wieder von seiten der Ortsgemeinden kritisch gefragt, wie und wann die Ortsgemeinde davon profitiere. Wichtig ist, dass sich jeder Mensch in der zu ihm passenden Christengemeinde angenommen fühlt und so Gottes Heilsplan erfährt. Wir sollten langen Atem zeigen, also Ausdauer an den Tag legen mit diesem Projekt "Jugendgemeinden". Es sollte keine vorschnelle Evaluation (Bewertung) erfolgen. Die genannten 10 Thesen kann ich voll unterschreiben. Sie zu erfüllen bricht Bahn für eine zukunftsfähige Kirche. Übrigens profitiert die Kirchengemeinde am meisten und am schnellsten von der Jugendgemeinde, die konstruktiv mit ihr zusammenarbeitet, sie trägt und für sie betet.

Helmut Feuchter am 25.02.2010 um 15:27 Uhr ( E-Mail | Homepage )

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