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Gottfried Heinzmann
Viele haben es schon mitbekommen. Josef von Nazareth sendet Kurznachrichten und erzählt die Weihnachtsgeschichte aus seiner Sicht.
Josef twittert - Impulse

Impulse für eine Andacht in der Vorweihnachtszeit. Dazu die Twittertexte ausdrucken und im Raum verteilen

„Joseph twittert" hat ein erstaunliches Medienecho ausgelöst. Damit wir einen Eindruck davon bekommen, was das für einer ist, dieser Josef von Nazareth, lade ich euch ein, in der Andacht dem Josef auf die Spur zu kommen und herauszufinden, was das für einer ist und wie er so denkt.
„Sehr tiefgehend sind Josefs Gedanken bisher nicht", meinte die Redakteurin Maike Freund auf evangelisch.de. Ich finde die Texte durchaus anregend, um über die Person von Josef nachzudenken.
Josef steht eigentlich immer am Rand. Wenn man sich überlegt, wie man eine Krippe aufbaut, kommt Josef eben neben die Maria. Aber eigentlich spielt er keine große Rolle.
Ich erinnere mich an die Taufe meines Patenkindes. Als Pate war ich gemeinsam mit Eltern, Geschwistern, anderen Paten usw. vorne am Taufstein versammelt. Als die Taufe vorbei war, greift sich der Pfarrer die Taufkerze, zündet sie an, sagt einige schöne liturgische Worte - hält dann inne, schaut die Tauffamilie an und sagt zum Vater gewandt: „Die kriegst du. Du sollst auch nicht herumstehen wie der Josef an der Krippe."
„Du sollst auch nicht herumstehen wie der Josef an der Krippe" - wenn man eine weihnachtliche Krippenszene vor Augen hat, stimmt das haargenau. Alle sind in Bewegung. Alle haben etwas zu tun. Die Hirten. Die Könige. Maria usw. - und der Josef?


Wenn man aber die Weihnachtsgeschichte anschaut, zeigt sich ein anderer Josef. Zwei Gedanken dazu: Josef lebt und handelt praktisch und Josef lebt und glaubt achtsam

Josef lebt und handelt praktisch
Dieser Charakterzug von Josef kommt in den Twitter-Kurznachrichten gut zum Ausdruck. Ich habe einige dieser Nachrichten verteilt und bitte diejenigen, die eine solche Nachricht haben, die dann vorzulesen, wenn ich die entsprechende Nummer nenne.
1) „Uiuiui schon so viele Follower! Deshalb noch mal der Hinweis: Haben Sie Zimmermannsarbeiten in und um Nazareth? Dann bin ich Ihr Ansprechpartner!"
Einige Tage später:
2) "Noch einmal der Hinweis: Wenn sie Zimmermannsarbeiten in und um Nazareth haben: Joseph, der Zimmermann - weil Bretter mir die Welt bedeuten."
Dann hat er einen Auftrag:
3) Matthias will neue Möbel. "Wenn man schon mal den Zimmermann im Haus hat." Holz hat er auch schon. Na dann werd ich ihm mal was Schönes zimmern.
Als das Ganze fertig ist, postet Josef:
4) „So fertig. Stühle, Tisch, Regale und Schränke. Alles aus Eiche. Nenne es „Individuell Kombinierbare Eigenheim Ausstattung" - kurz: I.K.E.A."
Josef - ein praktisch denkender und auf Werbung bedachter Handwerksmeister. Er weiß, dass er arbeiten muss, um zu überleben und dass er Aufträge braucht, um für sich, seine Frau und die kleine Familie zu sorgen.
Zur kleinen Familie gehört auch der Esel. Beim Twitter-Joseph heißt der Esel „Vespa".
Beim Packen überlegt er sich:
5) So, ich glaube ich hab alles zusammen. Bin mal gespannt ob meine gute alte Vespa das alles packt bis Bethlehem.
Später, als sie auf dem Weg sind:
6) Wir kommen langsamer voran als erwartet. Vespa ist eben auch nicht mehr die Jüngste.
Und vor kurzem kam der Kommentar:
7) Wollte gerade wieder starten. Aber meine Vespa knattert so komisch. Wahrscheinlich Erkältung vom Regen. Müssen wohl noch einen Tag bleiben.
Josef lebt und handelt praktisch und sorgt sich um die kleine Familie.
Apropo kleine Familie. Hier muss Josef seine Rolle auch erst finden. Und das ist gar nicht so einfach.
8) Maria kam gerade rein und meinte: "Joseph wir müssen reden." Vielleicht erfahr ich jetzt endlich was los ist. Halte euch auf dem Laufenden.
Nach dem Gespräch äußert sich Josef so:
9) Ihr werdet es nicht glauben - Maria ist schwanger!!! Das muss ich erst mal sacken lassen. Ich hab ja mit allem gerechnet. Aber damit nicht.
Danach überlegt er sich, wie das denn so kommen konnte:
10) Natürlich hab ich bemerkt, dass Maria etwas fülliger um die Hüften geworden ist. Aber ihr das zu sagen fand ich schon ein schmales Brett.
11) Sie meint, sie weiß es seit einem viertel Jahr. Da war sie im 6.Monat. Sie wusste nicht, wie sie es mir sagen soll. Was mach ich denn jetzt?
An dieser Stelle der Geschichte zeigt sich, dass Josef nicht nur ein praktischer Mensch ist, sondern auch „fromm". So übersetzt es Martin Luther.
Andere Übersetzer schreiben „gewissenhaft und gottesfürchtig". Oder „Josef hält sich an Gottes Gebote."
Josef kennt also die Gebote. Er will sie nicht öffentlich beschuldigen, sie einem Gerichtsverfahren mit möglicher Steinigung aussetzen.
12) Natürlich weiß ich, dass Maria gesteinigt wird, wenn ich sie verlasse. Und das will ich ja auch nicht.
13) Ich weiß es ist Gesetz und mein Recht. Aber sollte man darauf nicht verzichten um andere zu schützen? Vor allem für die Frau, die man liebt?
Für ihn bedeutet das, dass er Maria verlassen muss. Er will sich unauffällig von der Frau trennen, mit der er sein ganzes Leben verbringen wollte.

An dieser Stelle nun kommt eine ganz andere Dimension in das Leben von Josef. Im Traum erscheint ihm ein Bote Gottes, ein Engel.
Wenn ich mir das so vorstelle, bei diesem praktischen Menschen Josef, bei diesem Handwerker, der es gewohnt war, anzupacken und praktisch zu arbeiten, dann ist das ganz schön herausfordernd. Und das ist nicht das einzige Mal in der Weihnachtsgeschichte. Josef wir insgesamt viermal von einem Boten Gottes angesprochen.

Wenn ich die Weihnachtsgeschichte höre, dann klingt das irgendwie alles so selbstverständlich. Dem Josef begegnet ein Engel und er tut das, was ihm der Engel sagt. Fertig. Doch bei einem praktisch denkenden und vernünftig handelnden Menschen kann das gar nicht so selbstverständlich und einfach gewesen sein.

Eigentlich spricht alles dagegen. Oder gab es das bisher schon einmal in dieser Welt? Was Josef erlebt, ist völlig einzigartig und unerklärbar.
Was mich bei diesem Josef erstaunt, ist seine innere Wachheit und Achtsamkeit. Er ist nicht nur der Praktiker, sondern nimmt solche geistlichen Hinweise von Gott ernst. Er achtet auf das, was Gott ihm sagt. Er ist in all dem Trubel und den äußeren Notwendigkeiten achtsam und wachsam.

An dieser Stelle möchte ich die Weihnachtsgeschichte verlassen und zu uns kommen. Das, was wir über Josef aus der Weihnachtsgeschichte erfahren, gilt in ähnlicher Weise auch für uns.
Auch in unserem Alltag ist es notwendig, dass wir ganz praktisch anpacken. Im persönlichen und im beruflichen Bereich. Es gibt vieles zu tun und wir sind auch gedanklich ständig mit dem beschäftigt, was noch erledigt werden muss.
Die Frage, die ich von Josef mitnehme, lautet:
Wie sieht es mit meiner Wachsamkeit und Achtsamkeit aus?
• Bin ich wachsam und achtsam im Blick auf andere Menschen?
• Bin ich wachsam und achtsam für das, was Gott von mir will?

Das Leben von Josef wurde verändert, weil er hineingenommen wurde in die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen. In dieser großen Dimension möchte ich mein Tun und Lassen in diesem zurückliegenden Jahr verstehen. Durch Jesus Christus sind wir hineingenommen in diese große Geschichte Gottes mit den Menschen. Damit diese Dimension unser Leben und unsere Arbeit auch weiterhin bestimmt, gilt es wachsam und achtsam zu leben. Gottes Reich ist da. Jetzt schon. Mitten unter uns. In Jesus. Vielleicht kann uns Josef zu dieser Wachsamkeit und Achtsamkeit anregen. Egal ob auf Twitter oder bei Luther.
AMEN

Gottfried Heinzmann

geschrieben von rr am 19.12.2011 um 18:46 Uhr.
 


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