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Popularmusik
3 Forderungen zur entschlosseneren Förderung der Popularmusik-Qualität
in der Evangelischen Landeskirche Württemberg
3 Forderungen zur Popularmusik-Qualität

„Musik ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken: Sie beeinflusst unser Fühlen und Denken, sie kann Worte und Ideen weitertragen, Stimmungen hervorrufen und verändern. An den Höhe- und Tiefpunkten des Lebens spielt sie oft eine besondere Rolle. ... Überall drücken sich in Musik tiefste Sehnsüchte, Hoffnungen und Ängste aus."1

Die Bedeutung der Musik ist für die heute notwendigen Überlegungen einer missionarisch und kulturell präsenten Kirche kaum zu überschätzen.2

Seit über 25 Jahren, insbesondere seit Mitte der 90er Jahre, engagieren sich Musikerinnen und Musiker ehrenamtlich, freiberuflich und hauptamtlich in der Arbeitsstelle Musisch-kulturelle Bildung und in ihren darüber hinaus reichenden kirchlichen Praxisfeldern für die Förderung von Popularmusik3 in der Evang. Landeskirche Württemberg und für die Entwicklung von Qualität in diesem kirchlichen Kulturbereich.
Seither konnte viel entwickelt werden und einiges wurde erreicht und etabliert.
Dennoch: Die Qualitätsförderung geht weiterhin nur langsam voran und Entschlossenheit der zuständigen und verantwortlichen kirchenmusikalischen Partner würde anders aussehen.

Deshalb hat die Arbeitsstelle Musisch-kulturelle Bildung im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (ejw) mit den dazugehörigen Gremien 3 Forderungen zur entschlosseneren Förderung der Popularmusik-Qualität in der Evang. Landeskirche in Württemberg aufgestellt, die im Vorstand des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg am 9.6.2009 verabschiedet wurden.

Die jeweils zu den Forderungen formulierten Anmerkungen sollen im Sinne von Konkretion und Klärung im Rahmen der Diskussionen weiterbearbeitet werden.

1 „Kirche klingt", EKD-Texte Nr. 99, 2009, S. 7
2  vergleiche: „Kirche klingt", EKD-Texte Nr. 99, 2009
3 „Popularmusik: alle Musik, die sich mit fließenden Grenzen seit 1900 neben Volksmusik und Kunstmusik entwickelt, häufig „aus dem Volk heraus" entsteht und einen hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad aufweist."
aus: Handbuch Popularmusik, Michael Schütz (Hrsg.); Strube Verlag, München 2008

 

3 Forderungen zur Popularmusik-Qualität

Forderung 1
In allen Kirchenbezirken sollen regelmäßig Gottesdienste mit qualifizierter Popularmusik stattfinden.
Anmerkungen

Forderung 2
In allen Kirchenbezirken soll es hauptamtliche Stellenanteile für ausgebildete Popularmusikerinnen/-musiker und zusätzlich Bezirksbeauftragte für Popularmusik geben. 
Anmerkungen

Forderung 3
An der Hochschule für Kirchenmusik in Tübingen soll zusätzlich ein eigener Hauptfachstudiengang Popularmusik mit spezifischen Aufnahmebedingungen eingerichtet werden. Damit wird einer neuen Generation von Musikerinnen und Musikern der Zugang zur evangelischen Kirchenmusik eröffnet.
Anmerkungen

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Forderungen online kommentieren

Forderung 1 Regelmäßiger Gottesdienst

Forderung 2 Hauptamtliche Stellenanteile und Bezirksbeauftragte

Forderung 3 Hauptfachstudiengang Popularmusik

Informationen und Kontaktadressen
www.ejwue.de/mukubi

 

Webcode 150rh02

geschrieben von bk-rr am 25.06.2009 um 16:30 Uhr.
 


1.

Ihre Initiative mit den 3 beschriebenen Forderungen ist schon seit langen überfällig. Man ist versucht zu denken, dass zwar die Zeit weiter voran geschritten ist, die kirchliche Musik in den Gottesdiensten jedoch einen jahrzehntelangen Stillstand erfahren hat. Mit sehr wenigen Ausnahmen. In Jugendgottesdiensten und anderen besonderen Gottesdiensten (wie z.B. den Nachteulen-Gottesdiensten in Ludwigsburg) ist deutlich spür- und sichtbar, dass ein großer Bedarf an Popularmusik im Gottesdienst besteht. Dies drückt sich besonders in den regelmäßig hohen Besucherzahlen und auch an der großen Mobilität der Gottesdienstbesucher hier mehr als deutlich aus. Ich selbst (und auch Teile meiner Familie) nehmen es regelmäßig auf sich, aus der Heilbronner Gegend nach Ludwigsburg zu den Nachteulengottesdiensten zu fahren. Dort trifft man dann - ebenfalls immer regelmäßig - sehr viele Besucher an, die aus allen Landkreisen kommen, welche an den Ludwigsburg Kreis angrenzen. Die Kfz-Kennzeichen machen dies erkennbar!

Ich denke, dass dies auch ein deutliches Zeichen für die Forderung ist, die Popularmusik flächendeckender in die Gottesdienste zu bringen. Dies ist für mein Dafürhalten nur möglich, wenn in der württembergischen Landeskirche auf die obigen 3 Forderungen auch eingegangen wird. Für mich bauen die Inhalte der 3 Forderungen logisch ergänzend aufeinander auf. Eine zeitgemäße und bedarfsorientierte Entwicklung in der Gottesdienstmusik kann nur stattfinden, wenn zusätzlich hauptamtliche PopularmusikerInnen ausgebildet und eingesetzt werden. Ich möchte aber ausdrücklich betonen, dass die "traditionelle" Kirchenmusik mit ihren alten Chorälen nicht ersetzbar ist und dass deren Fortbestand in den Gottesdiensten ebenfalls unverzichtbar ist. Ein kleiner kirchenmusikalischer Lichtblick für mich war die Einführung des neuen Kirchengesangbuches, in das immerhin ein (wenn auch beschränkter) Teil von moderneren Kirchenliedern Einzug gefunden hat. Ebenfalls ist für mich positiv zu beobachten, dass viele Kirchenchöre vermehrt auch aus modernen Liederbüchern singen. Was wiederum zeigt, dass Ihre Initative sehr notwendig und nur zeitgemäß ist.
Bodo Frisch (55) Leingarten

Bodo Frisch am 19.07.2009 um 23:36 Uhr ( E-Mail )

2.

"Qualifizierte Popularmusik" - Da stellen sich mir die Haare auf. Leib-und-Seele-Musiker der Pop-/Rock-/Jazzwelt haben das nicht studiert, sondern sich von frühester Kindheit an erarbeitet. Ich sehe schon kommen, was momentan überall passiert: Erfahrene Praktiker werden hinausgestoßen und was nachkommt sind Leute, die Popularmusik nach erlerntem Regelwerk praktizieren. Tote Musik für ein halbtotes Publikum. Genauso hat man das mit dem Kirchenorgelspiel gemacht. Früher galt der Improvisator etwas; heute der halbtote Reproduzent. Nur weiter so!
A P am 03.08.2009 um 21:59 Uhr ( E-Mail )

3.

Seit 20 Jahren bin ich mit der Musikgruppe Senfkorn in verschiedenen Godi`s unterwegs. Ab und zu hab ich auch an Mukubi Angeboten teilgenommen. Leider wurde ich auch "dort" trotz meiner mangelhaften Notenspielerei "belächelt". Ich bin Bauchmusiker und spiele meist nach Harmonien.

Ich finde, Ihr geht den Weg, den andere mit anderen Themen kirchengeschichtlich schon oft und zwar vergeblich gegangen sind. Es wird sich bei dieser Art Vorgehen Frustration breit machen, wenn dies nicht schon geschehen ist. Bitte geht raus an die Grenzen zu den Menschen, die schon popular-musikalisch unterwegs sind, und schult diese vor Ort, sprecht Ihnen Gutes zu, ermutigt sie. Tut dies ehrenamtlich, das ist günstiger.

Multiplikation geschieht von unten. Veränderungen, besonders im Hin- Blick auf die Kirchengeschichte geschieht von außen nach innen, von unten nach oben. Dort werdet Ihr die Menschen treffen, die Freude an dem haben, was sie tun. Und das ist immer noch die beste Motivation. Das geschieht dann von ganz allein - durch die Freiheit und die Dynamik des Hl. Geistes, daß etwas ins Rock`n Rollen kommt. Soweit mal. LG

Harald Gehring am 04.08.2009 um 21:17 Uhr ( E-Mail )

4.

Als Bezirksposaunenwart Kirchenbezirk Brackenheim, Posaunenchorleiter und Kirchenchorleiter kann ich die Idee nur unterstützen. Unsere Kirchenmusik soll zwar bewährte Literatur pflegen, muss aber auch neue Wege gehen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass selbst über 75 - jährige Sängerinnen und Sänger sehr gerne auch Pop - Lieder singen.

Es ist doch völlig normal - nein sehr wichtig, aktuelle Lieder mit zeitnahen Texten zu singen. Allerdings braucht es dazu geschultes Personal. Ein Umdenken in der Ev. Kirchenmusik ist unerlässlich, wenn nicht noch sehr viele Kirchenchöre vollends aussterben sollen. Organisten und Chorleiter müssen entsprechend geschult werden. Erst dann kann sich was bewegen. Hermann Frank Nordheim

Hermann Frank am 06.08.2009 um 18:00 Uhr ( E-Mail )

5.

Ich finde die drei Forderungen angemessen. Die Umsetzung würde nach meiner Sicht eine große Anzahl kirchenferner Menschen leichter in die Gottesdienste ziehen. Durch Aufnahme des Faches Popularmusik in die Kirchenmusiker-Ausbildung kann ein Mindestmaß an Qualität sicher gestellt werden.

Multiplizieren über Ehrenamtler ist sicher gut (s.a. Beitrag 3), aber die Kirche sollte sich das Einlassen auf den Musikgeschmack einer großen Menschengruppe ruhig auch etwas kosten lassen. Durch Hauptamtliche kann eine gewisse Kontinuität sicher gestellt werden. Ausserdem zeigt man damit auch der Öffentlichkeit "um sich herum" ein klares Bekenntnis.

U. Lörch am 14.08.2009 um 01:22 Uhr ( E-Mail )

6.

"Begabte Popmusikerinnen und -musiker haben mit dem derzeitigen Anforderungsprofil allerdings keine Chance, sich in der Kirche zur Profimusikerin/zum Profimusiker ausbilden zu lassen." (Aus: Forderung 3) Und das ist auch gut so! Wer Popularmusik betreiben will, kann sich gerne an der Mannheimer Popakademie o.ä. bewerben, aber bitte nicht an einer staatlichen oder kirchlichen Musikhochschule. Mit dieser (Popakademie-)Ausbildung stehen einem alle Türen offen - auch in vielen freien evangelischen und charismatischen Gemeinden!

 Ich bin mir nicht sicher, ob die heute praktizierte und oft zu hörende Popularmusik (und deren Befürworter und Freunde) so sehr zur Bewahrung (oder gar Mehrung) des Thesaurus Musicae Sacrae beitragen. Dass der vehement geführte Grabenkampf zwischen klassischer Kirchen- und Popularmusik in dieser Form eigentlich nur im pietistischen Württemberg stattfindet, und eben auch in einem ganz klaren Zusammenhang mit Fragen der praktizierten Frömmigkeit anzusiedeln ist, scheint noch niemandem aufgefallen zu sein.

Menschen suchen im Gottes-Dienst eine ganz bewusste Zäsur zum zunehmend hektischer werdenden und mehr und mehr geistig und körperlich fordernden Alltagsgeschehen - wobei sie dort i.d.R. permanent von einem Klangteppich inhaltsloser Musik begleitet werden, sei es im Supermarkt, im Radio oder irgendeinem Wartesaal. Warum sollte sich die Kirche also nicht als diese Zäsur, nach der so viele Menschen bewusst und unbewusst immer mehr verlagen, profilieren dürfen? Und diese Zäsur korreliert mit qualitativ hochwertiger Musik, mit der man es nicht an sieben Tagen der Woche zu tun hat und die einen herunterholt bzw. in ganz andere Sphären bringt.

Bei einer Lobpreissession oder einem Gospelkonzert habe ich so etwas noch nicht erlebt, sehr wohl aber bei unzähligen Aufführungen großer Werke alter Meister, sei es an der Orgel oder durch einen großen - wenn auch mittlerweile völlig überalterten - Chor. Kirche hatte schon immer einen Bildungsauftrag - auch in kirchenmusikalischer Hinsicht. Wenn man sich die konkreten Vorstellungen der Befürworter einer Einführung eines Popularmusikalsichen Diplomstudiengangs vorstellt, läuft es einem - hinsichtlich dieses Bildungsauftrages - nur eiskalt den Rücken hinunter und man kann nur hoffen, dass man DAS nicht mehr erleben muss. M.E. schießen die Verfasser dieser o.g. Forderungen weit über das Ziel hinaus und wecken ggf. Geister, die sie besser nicht gerufen hätten. Zu guter Letzt zitiere ich noch unseren zuküftigen LKMD Bernhard Reich: "Nachhaltige kirchenmusikalische Arbeit kann sich jedoch nicht der 'Event-Kultur' zuwenden, sie darf sich nicht mit dem Zeitgeist vermählen, sonst wird sie, nach Kierkegaard, bald zur Witwe."

Diplom Kirchenmusiker am 28.09.2009 um 18:02 Uhr ( E-Mail )

7.

Immer wieder wird die Diskussion über die Popularmusik der Begriff der Hochkultur mit einem leichten arroganten Unterton als Abgrenzung gegen die Popkultur als so genannte Massenkultur verwendet. Dieses Schubladendenken polarisiert mehr als das sie hilft. Denn jeder weiß doch inzwischen, dass es in allen Musikstilen, also auch in den populär geprägten Stilen, sowohl hochkulturelle als auch massenkulturelle Prägungen gibt. Im Jazz, aber auch im Hip-Hop, gibt es absolut avantgardistische Musikformen. Genauso tummeln sich in der Klassik inzwischen absolut massentaugliche und entsprechend werbewirksam beworbene und perfekt vermarktete Musikproduktionen, Konzerte und Veranstaltungen.

Daher kann man nicht von einen vermeintlichen Gütesiegel “Hochkultur” reden, wenn man die traditionellen Kirchenmusik von der kirchlichen Popmusik (Sakropop) trennt, die dann ja eine “Tiefkultur” wäre. Im gleichen Zusammenhang muss auch der Begrifft der “Qualität” neu definiert werden. Der gerne von Klassik zur Abwehr von Popmusik im kritischen Kontext genutzt wird. Absolute Qualtiätsmerkmale gibt es nicht. So ist im Blues ( einer der Wurzel der populären Musik) die Verwendung von lediglich drei Akkorden nicht als Mangel anzusehen. Gerade die Schlichtheit der Blues-Harmonik ermöglicht einen neuen Zugang zu anderen musikalischen Feldern, z.B. die Intonation oder der Rhythmus. Um das qualitativ zu erfassen, reicht das analytische Beobachtungswerkzeug der Klassik nicht aus. Es müsste angepasst und erweitert werden. Das Argument der minderen Qualität hätte seine Berechtigung verloren.

Obwohl die Popmusik seine Räume in der Kirche erobert hat, spielt es keine große Rolle in der Kirchenmusik. Vielfach geduldet, manchmal gelobt, aber nicht entsprechend ihrer Bedeutung in der Gesellschaft ausgestattet. Es darf nichts kosten, muss von selbst funktionieren und wird nur punktuell handwerklich qualifiziert ausgestattet. Sie ist damit eine Subkultur. Das hat vielleicht Charme. Aber trotzdem sollte Popularmusik im kirchenmusikalischen Spektrum deutlich besser, nämlich gleichberechtigt behandelt werden. Warum wird bei Orgeln höchster Anspruch auf Qualität gelegt, aber bei den Bands nur das billigste Instrumentarium zugestanden? Warum gibt es keine festen Etats in Landeskirchen für popmusikalische Projekte wie Gospelkirchen, christliche Rockopern usw.?

Johannes Markus Drechsler am 10.10.2009 um 00:08 Uhr ( E-Mail )

8.

Mit Stolz und Freude darf ich hier verkünden, dass ich am Sonntag mein erstes eigenes Konzert geleitet habe. Wir hatten eine volle Kirche, obwohl die Werbung schlecht lief und es genügend Konkurrenzangebote gab. Die Kirche war besser gefüllt und unsere Einnahmen höher, als das bei den Konzerten des traditionellen Kirchenchores der Fall ist. Unser Programm bestand hauptsächlich aus Liedern der ejw-Chormappen. Die Besucher waren im Schnitt über 50 Jahre alt und viele äußerten sich total begeistert. Es gab Lieder auch zum Mitsingen und die nichtdeutschen Texte waren übersetzt auf eine Leinwand projiziert. Endlich Lieder, deren Texte unsere „Sprache“ sprechen, Texte, die direkt ins Herz gehen, Texte und Musik zum Auftanken. Ich gebe hier offen zu, dass in meinem CD-Spieler auch das Weihnachtsoratorium läuft und beim Singen z.B. von Mendelssohn-Bartholdy es auch mir an gewissen Stellen eiskalt den Rücken hinunterläuft, meist aber nur wegen der Melodieführung. Wenn ich sonntagmorgens Lieder im Gottesdienst singen muss, deren Texte ich nur verstehe, wenn ich ein Wörterbuch dabeihabe, ist das ein trauriges Zeichen. Ich würde mich nicht als Feministin bezeichnen, wenn ich jedoch ‚So legt euch denn, ihr Brüder!!!’ singen muss, ärgert mich das. Müssen wir Schwestern im Stehen schlafen? Wenn die Firmen bei uns am Ort lediglich ihre Produkte einmal in Gelb und später dann einmal in Grün anstreichen würden, würde sie bald keiner mehr kaufen. Die Firmen können nur bestehen, wenn sie immer wieder neue, innovative Produkte auf den Markt bringen. Schade, dass die traditionellen Kirchenmusiker so unbeweglich nur an den alten ‚Produkten’ festhalten und es vehement verhindern, dass Neues entstehen kann und auch verwendet wird. Die traditionellen Kirchenmusiker sitzen zu fest in ihren Stühlen und die Evangelische Kirche hat wohl immer noch zu viel Geld, so dass sie sich keine Sorgen machen muss, wie wir die Leute wieder in die Kirche bekommen. Ich wünsche mir einen professionellen Pop-Kirchenmusiker an meiner Seite und endlich ein Einsehen, dass die Orgel nicht das Nonplusultra-Instrument ist. Wo steht eigentlich in der Bibel, dass wir Gott in aller Regel mit Orgeln loben sollen? Um einen Gottesdienst zu finden, der mich musikalisch anspricht und bei dem ich auch durch die Musik auftanken kann, muss ich 80 – 100 km fahren, und das Sonntag für Sonntag – unmöglich! Iris Hettinger aus Ingelfingen, Pop-C-Kirchenmusikerin und Leiterin eines Bezirkspopchores 28.10.09
Iris Hettinger am 28.10.2009 um 10:05 Uhr ( E-Mail )

9.

Die 3 Forderungen unterstütze ich vollauf, wenngleich mir bewusst ist, daß dies die Grabenkämpfe zwischen Klassik und Pop noch verschärfen wird. Während meiner Ausbildung zur C - Pop Musikerin bin ich sehr oft auf solche Fronten gestoßen - was ich ungeheuer schade finde. Auch ich bin der Klassik nicht abgeneigt, und schätze viele der alten Kirchenlieder. Das gehört für mich unbedingt zum Kulturschatz der Kirche, und ich singe auch diese gerne mit. Dennoch können wir uns nicht vor der Tatsache verschließen, daß wir damit keine Kirchen mehr füllen. Und warum auch ? Die Zeit ist schon immer voran geschritten, und schon immer und in allen Bereichen fällt es oftmals schwer dies zu akzeptieren. Ich muss nicht alles toll finden, um es zu befürworten. Manchmal genügt einfach die Erkenntnis,daß es gut funktioniert. Das stünde so manchem "Diplom Kirchenmusiker" der ähnlich denkt, wie jener im Beitrag 6 gut zu Gesicht. Wenn ich schon höre "...Bewahrung (oder gar Mehrung) des Thesaurus Musicae Sacrae", dann gehe ich mal davon aus, daß der Schreiber dies als das Nonplusultra ansieht. Dies gilt es offensichtlich mit allen Mitteln zu bewahren. Neues ist von minderer Qualität, und damit unwürdig in der Kirchenmusik eine gleichwertige Stellung einzunehmen. Sicher ist ein gutes klassisches Konzert auch gut besucht - keine Frage. Jedoch sind es qualitativ hochwertige Kirchen - Popkonzerte ebenfalls. Daß mancherorts allerdings auch Pop zu hören ist, der mal lieber noch etwas geübt hätte muss hier nicht unterschlagen werden. Daran zieht sich so mancher argumentativ hoch, der eher ins "klassiche Lager" tendiert. Dazu kann ich nur sagen, daß ich schon in so manchem Gottesdienst saß, wo der Organist besser nochmal länger geübt hätte, oder einem die Blechbläser eine (nicht unbedingt wohlige) Gänsehaut über den Rücken jagen, und ich Töne kennenlerne von denen ich gar nicht wusste daß es sie gibt ;-) Wie im Beitrag 3 schon erwähnt sind Popmusiker oft genug "Bauchmusiker" oder Autodidakte, weil es in diesem Bereich an Qualifikationsmöglichekeiten mangelt. Wer ehrenamtlich arbeitet, macht das in der Regel nebenher. Das kann dann eben nicht immer professionell sein oder qualitativ vom Feinsten. Genau da liegt das Problem. Daß dennoch auch oft genug sehr gute Qualität zu hören ist, ist dem hohen Engagement solcher Leute zu verdanken, die einfach aus Leidenschaft dran bleiben. Meine Erfahrung ist, daß es nicht nur die ganz Jungen sind, die sich an der Popularmusik in den Gottesdiensten erfreuen, sondern das sogenannte Mittelalter, daß oft genug schon Kirchenerfahren ist, und auch die alten Lieder kennt. Aber die Jungendlichen, die können damit gar nix mehr anfangen (außer wenn sie aus christlich geprägten Elternhäusern kommen). Die Konfirmanden mit denen ich zu tun habe sagen mir zum Teil ganz unverholen, daß ihnen die Musik in den sonntäglichen Pflichtgottesdiensten nicht gefällt. Diejenigen, die vorher kirchenfern waren, und durch Jugendgruppen oder Konfirmationsunterricht mit der Kirche in Kontakt kommen, die erreichen wir nicht mit der klassischen Kirchenmusik. Also, was wollen wir ? Alte Zöpfe ewig weiterflechten, obwohl die Haare schon ausgehen, oder mal ein neues Outfit wagen ? Ein Kirchenmusiker sagte mir einmal er finde es blöd, wenn man sich in der Kirche so anbiedern müsse mit zeitgenössischer Musik. Die wahre Lehre sei eben doch die Klassik...... Was soll man dazu noch sagen ? Es ist nicht damit getan mal während eines Gottesdienstes eins der sogenannten neuen Lieder aus den 60ern zu singen, womöglich mit einer völlig unpassenden Orgelbegleitung. In unseren Gemeinden sollten Keyboarder und Bandmusiker genauso vorhanden, gefördert und vor alem bezahlt werden, wie Organisten auch. Singteams oder Chorleiter die mit den Kirchgängern Popsongs einüben sollten öfter einbezogen werden. Das alles scheitert auch an den Finanzen. Von solchen Leuten erwartet man immer daß sie es ehrenamtlich tun. Die Kirche hat halt kein Geld... Erstaunlich, daß es aber immer wieder geht hochqualifizierte Klassik - Konzerte zu bezahlen, die über Eintritt oder Spenden finanziert werden. Wenn man nur wollte könnte man so auch die Popularmusik fördern. Tatsache ist, daß ich um gute Qualität zu liefern sehr viel Zeit investieren muss. Vorbereitung einer kreativen Chorprobe ist da nicht alles. Gute Musiker finden und aufbauen, Musikrecherche, Gottesdienste musikalisch vorbereiten etc.pp. Diese "Arbeitszeit" ist dann doch wieder "Ehrenamt" - ohne dieses es wiederum keine gute Qualität geben würde. Ich halte daher einen Berufs - Popularmusiker in jedem Kirchenbezirk für zwingend notwendig. Dies wäre die Stelle, die hier Unterstützung, Knowhow und damit Qualität garantiert.
Manuela Neuffer am 02.11.2009 um 00:49 Uhr ( E-Mail )

10.

Warum nicht die Initiative "3 Forderungen" mit einer Unterschriftensammlung - online oder schriftlich - ergänzen? Ich glaube, es muss irgendwie deutlich werden, ob und wie viele Menschen in unserer Kirche sich mit diesem Anliegen wirklich identifizieren. Vielleicht würde so eine Aktion die Sache auch noch schwerer ignorabel machen?
Jörg Hapke am 02.11.2009 um 18:50 Uhr ( E-Mail )

11.

Ich möchte mich hiermit für diese 3 Forderungen einsetzen und sie unterstützen. Gerade in der heutigen Zeit gibt es viele Menschen, die über die Musik einen Zugang zu Gott bekommen. Ich halte es für überaus wichtig, dass unsere Kirche die Popularmusik in einem weit größeren Maß fördert als bisher.

Michael Schlierf, Pianist, Komponist Arrangeur u.a. für Lothar Kosse, Christoph Zehendner, Beate Ling, TV Gottesdienste "Stunde des Höchsten" u.a.

Michael Schlierf am 09.11.2009 um 10:55 Uhr ( E-Mail | Homepage )

12.

Kirche und Glauben, die Christen an sich, waren in der Vergangenheit immer dann stark, wenn sie sich Herausforderungen gestellt, sich auf Neues eingelassen und die Fesseln überkommener Traditionen abgeworfen haben - dies alles jedoch ohne das Wesentliche, ihre Berufung, aus den Augen zu verlieren. Wie die Bibel uns zeigt, widersetzte sich bereits Jesus immer wieder den Erwartungen seines Umfeldes, auch denen der gesetzestreuen Pharisäer und seiner Jünger, brach mit alten Regeln und öffnete den Menschen so die Augen für eine neue - göttliche - Dimension, sei es bei der Vertreibung der Händler aus dem Tempel ("Ihr macht aus meinem Hause eine Räuberhöhle!"), bei seinem Gespräch mit der Ehebrecherin am Brunnen ("Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!") oder bei der Heilung Kranker am Sabbat. Nicht Gesetzlichkeit und starre Regeln sollten im Vordergrund stehen, sondern Gott, der Vater, und seine Liebe zu den Menschen. Derselbe Ansatz veranlasste später Paulus, das Evangelium Nichtjuden zu verkünden und die frohe Botschaft bis nach Rom zu bringen. In der neuen Zeit ist es vor allem die Kirche im Untergrund, der es trotz aller Einschränkung und Verfolgung, bei allem damit verbundenen Wandel in Äußerlichem immer wieder gelingt, ihren Glauben zu bewahren. Die Formen - auch die eines Gottesdienstes (!) - mögen sich ändern; der Glaube aber bleibt. Worum also geht es in dieser aktuellen Diskussion - oder besser gesagt: Worum sollte es gehen? Letztlich doch wohl nur um die einzig entscheidende Frage, welche Form, insbesondere welcher Musikstil - klassische Musik odere Popularmusik - für einen Gottesdienst "geeignet" ist, geeignet im Sinne von - Gott zu loben und anzubeten, - die Gottesdienstbesucher anzusprechen, sie in ihrem Glauben zu stärken und zu festigen bzw. ihnen Ansätze zu geben, über Sinn- und Glaubensfragen erstmals oder neu nachzudenken, sowie - die Kirche zu öffnen für ihr fern stehende Menschen, Brücke zu sein, Interesse zu wecken. Ich bin nun kein Theologe, glaube mich aber in der Bibel doch soweit auszukennen, dass dort für Gottesdienste kein besonderer Musikstil vorgegeben oder auch nur als vorzugswürdig bezeichnet wird, die vorgenannten Ziele zu erreichen. So ist insbesondere die Aussage, Lob und Anbetung lasse sich im Gottesdienst nur mit klassischer Musik verwirklichen, nicht belegt und unzutreffend - nicht ohne Grund hat sich gerade im Bereich der Lob- und Anbetungsmusik in den letzten Jahren eine eigene Musikrichtung entwickelt. Dass Musik Menschen berühren und für biblische Aussagen öffnen kann, ist unbestritten, trifft aber auf Popularmusik ebenso zu wie auf klassische Musik; der/die eine lässt sich eben von Mendelssohn-Bartholdy ansprechen, den ich im übrigen sehr schätze, der/die andere eher durch eine Ballade von Hillsong oder Michael W. Smith oder durch die bildhafte Liedsprache von Christoph Zehendner. Wer ist hier derjenige, dem es zusteht, den Stein in das andere Lager zu werfen? Und dass schließlich Popularmusik mindestens ebenso wie klassische Musik geeignet ist, die Kirche für ihr fern stehende Menschen zu öffnen, dürfte unbestritten sein und klang in den vorstehenden Beiträgen bereits an. Warum also soll es in einer Evangelischen Kirche, die sich so gern als "bunter Blumenstrauß" verschiedenster Glaubensprägungen versteht, im Gottesdienst keinen Raum geben für Popularmusik? Wohlgemerkt nicht anstelle von klassischer Musik, sondern daneben. Hier werden sich Wege finden lassen, dass beide Seiten musikalisch "zu ihrem Recht kommen". Wer im Gottesdienst die Popularmusik ausklammern will, beschränkt die Evangelische Kirche in ihren Möglichkeiten, macht sie ärmer und ein Stück mehr weltfremd. Dies kann nicht ernsthaft gewollt sein. Deshalb unterstütze ich die 3 Forderungen zur Popularmusik-Qualität uneingeschränkt. Ein Letztes noch: Worum sollte es meiner Meinung nach in der aktuellen Diskussion nicht gehen? - Um Angst vor dem Verlust an Macht und Bedeutung (der vorangegangene Kommentar eiens namentlich nicht benannten Diplom-Kirchenmusikers scheint mir in diese Richtung zu gehen); - um ein gegenseitiges Bewerten, Abwerten, Beurteilen und Verurteilen der beiden Lager ("wir sind alle Glieder an einem Leib."); - um ein Abqualifizieren aktueller Gottesdienstbeiträge aus dem Bereich der Popularmusik gegenüber solchen aus dem Bereich der klassischen Musik; denn die aktuellen Forderungen dienen ja gerade dazu, die Qualität der Popularmusik in Gottesdiensten anzuheben, um in diesem Punkt mit guter klassischer Musik Schritt halten zu können. In diesem Sinne wünsche ich mir ein gutes Miteinander von klassischer und Popularmusik in den Gottesdiensten. Bernd Stumpp Rechtsanwalt und Notar, Stuttgart
Bernd Stumpp am 09.11.2009 um 21:21 Uhr ( E-Mail | Homepage )

13.

Ich unterstütze die 3 Forderungen voll und ganz. Die Kirche muss und darf Christinnen und Christen von heute unbedingt die Möglichkeit bieten, ihren Glauben auch musikalisch auf eine Weise auszudrücken, die ihnen entspricht. Ich erlebe Woche für Woche, wie sich Menschen von gut gemachter zeitgemässer Kirchenmusik ansprechen lassen und dankbar sind für die Begegnung mit Gott und anderen Menschen, die dadurch ermöglicht werden.

In der evang.-ref. Kirche des Kantons St.Gallen/Schweiz arbeiten wir mit unserer Arbeitsstelle populäre Musik und der Evangelischen Kirchenmusikschule seit 6 Jahren an diesen Themen. Wir bieten Aus- und Weiterbildung für populäre Kirchenmusiker in den Bereichen Chorleitung, Gesang, Klavier, Gitarre, Bandarbeit etc. vom eintägigen Workshop bis hin zur professionellen Ausbildung auf den Niveaus C und B. Die qualifizierten Musikerinnen und Musiker, die unsere Ausbildungen verlassen, sind in den Gemeinden im Kanton heiss begehrt. Die Kirche ist im Umbruch zu mehr Vielfalt, und wir tun als Musikerinnen und Musiker gut daran, diese erfreuliche Entwicklung qualifiziert und mit Herz mitzugestalten.

Andreas Hausammann am 10.11.2009 um 11:45 Uhr ( E-Mail | Homepage )

14.

Dass Gottesdienste für Jugendlichen bei denen neue Lieder gesungen werden, häufig gut besucht sind, ist ja schön. Aber: Diskotheken sind noch viel besser besucht und zwar wöchentlich, während neue Gottesdienste nur gelegentlich stattfinden. RTL2 hat bestimmt auch mehr Zuschauer als der Sender "Arte", und ich dachte immer, die Kirchen sind so etwas wie Arte, aber seit geraumer Zeit werden die immer mehr zu RTL2. Soll man sich an der Mehrheit orientieren oder soll man die Menschen versuchen zu ändern und zu bilden?

Der Diplomkirchenmusiker aus Beitrag 6 hat möglicherweise Recht, wenn er einen Zusammenhang zwischen erwünschter Kirchenmusik und Frömmigkeit sieht. Ich selber fühle mich von vielen Texten der neuen Lieder (z.B. dieses neue kleine blaube Liederbüchlein, das in einigen Gemeinden ausliegt) peinlich berührt und lehne diese Lieder nicht wegen der Musik, sondern wegen den meiner Meinung nach dümmlichen und oberflächlichen Texten ab. Irgendwann mache ich es so, wie viele meiner Bekannten: Ich trete aus der Kirche aus. Das wird dann der Fall sein, wenn das intellektuelle Niveau der Texte und das künstlerische Niveau der Musik so sehr gesunken ist, dass es einem Gottesdienst unwürdig ist.

In einem Gottesdienst in der Stiftskirche in Stuttgart bleibt das Niveau hoffentlich noch lange gewahrt aber in vielen Jugendgottesdiensten ist es schon weit gefallen. Sich zu einem Gott zu bekennen ist für einen aufgeklärten Menschen in unserer heutigen Zeit immer auch eine gewisse Überwindung und wenn ich zukünftig um mich als Christ darzustellen nicht nur gegen meinen Verstand sondern auch noch gegen meinen Sinn für musikalischen und sprachliche Ästhetik rebellieren muss, wirds eher schwierig. Und das geht ganz vielen so und wird dazu führen, dass irgendwann nur noch eine bestimmte Art von Christen in den Kirchen sitzen. Aber bitte, nur weiter...

Max Mustermann am 11.11.2009 um 20:42 Uhr ( E-Mail )

15.

Sehr geehrter Herr Mustermann! Ich muss Ihnen in Ihrer Aussage, dass irgendwann nur noch eine bestimmte Art von Christen in den Kirchen sitzen wird, uneingeschränkt zustimmen. Sie haben vollkommen Recht, sich mit der Welt zu wandeln und auf ihre Bedürfnisse und Erkenntnisse einzugehen, war für die Kirche schon immer fatal. (Wir beide glauben als Brüder im Geiste doch hoffentlich nicht daran, dass die Erde tatsächlich eine Kugel wäre und sich auch noch drehe). Lassen Sie uns gemeinsam zu den guten alten Tugenden zurückkehren und zu den Klängen gregorianischer Gesänge die Ungläubigen, die unsere Kirche von innen heraus zerstören wollen, daran hindern, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen (ein Paar Daumenschrauben haben Sie doch bestimmt noch im Keller). Ich würde mich gerne noch weiter mit Ihren genialen Ansichten auseinandersetzen, jedoch fehlt mir zu solch später Stunde der Scharfsinn, um mich mit Thesen von solch hohem intellektuellem Niveau wie dem ihren auseinanderzusetzen. Jedoch bitte ich Sie umfassend gebildeten Kenner der christlichen Musikszene darum, bei Ihrem nächsten Beitrag zu zeigen, dass Sie der deutschen Sprache auch in Zeichensetzung und Grammatik mächtig sind, da es mir sonst peinlich wäre, Ihren Blogbeitrag lesen zu müssen.
RTL2 Zuschauer am 23.11.2009 um 22:42 Uhr ( E-Mail )

16.

Nach einem Pfarrkonvent zum Thema "Kirchenmusik" haben die Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenbezirks Esslingen 2009 eine kleine Resolution zur "Förderung der Popularmusik in der Kirche" verabschiedet. Darin sprechen wir uns mit großer Mehrheit für das aus, was ich im im letzten "unter uns" lese. Uns ging es dabei nicht darum, die "alte" Musik mit einem Bann zu belegen. Es ist sowieso eine deutsche Marotte, zwischen E-(ernster) und U-(Unterhaltungs-) Musik zu unterscheiden. Zudem sind viele der herkömmlich ausgebildeten Kirchenmusiker in der Lage und willens, Popularmusik in ihre Arbeit aufzunehmen. Popularmusik ist außerdem nicht mit bestimmten Frömmigkeitsstilen oder kirchlichen Milieus "verheiratet", auch wenn das wohl manchmal so zu sein scheint.
Mit bestem Gruß Frank Widmann

Frank Widmann am 29.12.2009 um 10:14 Uhr ( E-Mail )

17.

Es geht eigentlich nur um dieses Eine: Unzählige Menschen weltweit haben Freude an Musikrichtungen, die wir mit "Popularmusik" etikettieren können. Sie lieben diese Musik, sie leben in ihr, sie hören sie gerne im Konzert oder auf Tonträger, sie musizieren zusammen mit anderen in dieser Musik, sie singen, sie spielen, die freuen sich und trauern in und mit dieser Musik, sie erinnern sich durch dieses Musik an vergangene Lebenssituationen, sie entwerfen Visionen, sie sind kreativ, komponieren, texten, arrangieren, sie kommunizieren mit dieser Musik, sie denken und handeln einen guten Teil ihrer Lebenszeit in dieser Musik, sie investieren viel Zeit und Energie in Unterrichte und Proben, sie engagieren sich hauptberuflich oder ehrenamtlich im Bereich dieser Musik, sie drücken sich durch diese Musik persönlich aus, sie sprechen in dieser Musik, sie sind Künstler in dieser Musik. Das ist nichts anderes, als das Leben selbst. Um das geht es.

Ich möchte dieses mit fördern. Ich möchte mit dazu beitragen, dass Menschen für ihr Leben den Raum bekommen, der ihnen und anderen gut tut. Ich setze mich daher ein für einen eigenständigen Studiengang "Kirchliche Popularmusik". Dieser Studiengang wäre eine moderne musikalische Ausbildung für eine Kirche der Zukunft.
Die Kirche würde nicht nur dem hohen Potenzial an popularmusikalischen Leidenschaften, die die oben genannte Wechselseitigkeit zum menschlichen Leben repräsentieren, mehr Raum eröffnen, sondern sie gewönne auch ein hohes Potenzial an popularmusikalischem Expertentum, das eine substanzielle Tragfähigkeit besitzt, die für Liturgie und Gemeindeentwicklung von größter Bedeutung ist.

Dass eine Ausbildung in "Kirchlicher Popularmusik" auch in kirchlicher Trägerschaft geschehen muss, hat zahlreiche Gründe:
1. Kirchenhistorische, theologische, kirchenkulturelle, liturgische, gemeindekulturelle usw., also generell kirchliche Kenntnisse sind für die Identitätsbildung des Kirchenmusikers unabdingbar.
2. Die Wechselseitigkeit in der thematischen Durchdringung mit anderen kirchlichen Fächern während des Studiums ist wesentlich.
3. Der Austausch mit den Dozenten und anderen Studierenden, sowie ein gottesdienstliches Leben an einer kirchlichen Hochschule während des Studiums ermöglicht wichtige Erfahrungen hinsichtlich der geistlichen Persönlichkeitsentwicklung.
4. Der besondere Anspruch der Verkündigung erfordert es, sich im Studium umfangreich mit allen Aspekten der eigenen musikalischen Glaubensaussage zu beschäftigen (Liedtexte, Kontext von Veranstaltungen usw.).
Ich freue mich auf eine spannende Zukunft und grüße herzlich,

Michael Schütz
Dozent für Popuarmusik an der Hochschule für Kirchenmusik Tübingen und freiberuflicher Musiker

Michael Schütz am 07.01.2010 um 18:42 Uhr ( E-Mail | Homepage )

18.

Vielen Dank für die "3 Forderungen zur Popularmusik-Qualität". Es spricht mir aus dem Herzen und ist längst überfällig. Ein sehr weiser Schritt! Und ich hoffe und wünsche mir, dass wir weiterhin Weise und reflektiert die Diskussion führen. Erst Recht in der heutigen Zeit sind neue (sinnvolle) Wege notwendig, wenn die evangelische Kirche nicht noch stärker schrumpfen möchte.

Und wie heißt doch ein bekanntes Zitat: "Wenn wir jeden Tag das Gleiche tun, werden wir auch morgen bekommen was, wir heute bekommen haben." Wir werden weiter schrumpfen, weiter Mitglieder verlieren. Über die vielen Tausend wunderschönen Orgelkonzerte müssen wir an dieser Stelle meines Erachtens nicht diskutieren, die gab es und gibt es weiterhin. Genauso wie die vielen schönen Pop-Konzerte durch die bereits viele Menschen zum Glauben gefunden haben. Und über die Qualität der einen oder anderen Musikrichtung ist auch müssig zu diskutieren, auch hier gibt es auf beiden Seiten positive wie negative Beispiele. Lasst uns gemeinsam das erkennen, bewegen und verändern, was zu verändern ist. Jetzt!

Ich möchte Euch alle Grüßen mit der Jahreslosung von 2007:
Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? - Jesaja 43,19a
Andreas Nau

Andreas Nau am 18.01.2010 um 18:55 Uhr ( E-Mail )

19.

Ich finde es sehr gut dass es diesen Blog gibt und hoffe dass sich viele hier verewigen, denn eigentlich ist es ja weithin bekannt mittlerweile, dass die meisten Jugendlichen aber vermehrt auch Erwachsene und nicht nur wie man vielleicht glauben möchte bis mitte 20 sondern weit darüber hinaus, sich pupular musikalische Anteile im Gottesdienst wünschen. Meiner Meinung ist es in vielen Gemeinden eine Machtfrage wenn es darum geht diese Stilrichtung nicht hereinzulassen. Es geht die Angst mit um dass der Kantor womöglich seine Stellung verlieren könnte wenn die "neue" Musik zu sehr an Wichtigkeit gewinnt. Oder dass die wichtigen klassischen Stücke der kirchlichen Liederbücher verloren gehen. Das ist meiner Meinung nach schlicht kurzsichitg gedacht, denn wem soll ein Kantor spielen wenn die postmoderne, die nach Abwechslung schreit weiterhin ihre Opfer sucht und die Anzahl derer die den normalen Gottesdienst besuchen weiter schrumpft? Und geht es nicht im Gottesdienst darum, die Gemeinde zu versammeln? Sie besteht aber nicht nur aus denen die klassische Musik lieben sondern aus vielen Individuen die ganz unterschiedlich geprägt sind. Alle anderen Stile ausser der klassischen Musik aus dem Gottesdienst fern zu halten gleicht der Aussage dass solche die diese nicht so gerne haben eben im landeskirchlichen Gottesdienst nichts zu suchen haben, oder sie sollten sich gefälligst anpassen. Aber ist nicht Jesus auf die Menschen zugegangen, hat er uns das nicht sogar befohlen auch zu tun? Wie können wir dann die Dreistigkeit besitzen und es beinahe zur "Lehre" werden lassen welche Musik gespielt werden soll? Z.B. das allte Vorurteil keine Schlagzeug im Gottesdienst, Pauken, Tamurin, Zimbeln, alles sind Percussive Instrumente. Es sind daher keine biblischen Bedenken sondern rein menschliche. Lasst uns den Gottedienst füllen mit Unterschieden, wiso sollte nicht popular Musik nicht gut neben den klassischen und geistlich und inhaltlich 100% gleichwertigen Chorälen mit, wenn man das weiterhin möchte Orgelbegleitung stehen? Zeigt nicht auch die sinkende Anzahl der klassischen Kirchenmusikalischen Stellen diese Wende an? Alle Alters und Interessengruppen müssen sich in einem Gottedeisnt zu Hause fühlen können, dazu müssen aber auch alle ihren Anteil an Kompromiss eingehen und von sich wegsehen, dem Nächsten zuliebe und so könnten große Schritte getan werden,... gemeinsam. Natürlich hängt es längst nicht nur an der Musik dass junge Leute sich eher gegen den Gottesdienst entscheiden oder in freien Gemeinden landen, das ist aber hier nicht das Thema. Deshalb schließe ich mich dem an dass 2. Gottesdienste zu 1. Gottesdienst werden sollten, wenn auch mit Änderungen versteht sich.
Fabian Emele am 30.01.2010 um 09:54 Uhr ( E-Mail )

20.

Auch wenn es viele immer noch nicht wahr haben wollen: Unsere Kirche erreicht viele Menschen nicht mehr. Und das liegt auch daran, dass die äußeren Formen unserer Gottesdienste oft nicht mehr zum Lebensgefühl vieler Menschen passen. So reden und singen wir doch meistens am überwiegenden Teil der Leute vorbei. Wir spielen die Musik einer ganz kleinen Minderheit. Orgelmusik wird zu Hause gerade mal von 0,2 % der Bevölkerung gehört. Fast alle unserer Gottesdienste sind auf einen kleinen Teil unserer Kirchenmitglieder ausgerichtet.

Im Ergebnis haben wir eine Kirche, die oft den Kontakt zu den anderen verloren hat. Und die Menschen haben längst mit den Füßen abgestimmt, was sie vom Festhalten an diesen äußeren Formen halten. Wir nennen uns „Kirche der Reformation“ – das heißt Kirche der Umgestaltung und Neustrukturierung -, doch es hat den Anschein, dass wir nichts mehr fürchten, als dass in unserer Kirche tatsächlich Veränderungen geschehen. Wenn es uns nicht um Besitzstandwahrung geht, sondern um den ernsthaften Willen, Menschen wieder neu mit der frohen Botschaft zu erreichen, sind die 3 Forderungen längst überfällig und eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Martin Luther hat es uns doch vorgemacht, indem er vieles an das Lebensgefühl der damaligen Menschen angepasst hat. So schaffte er im Gottesdienst das altehrwürdige Latein ab, er warf die gregorianischen Gesänge aus dem Gottesdienst und schrieb eigene, deutsche Lieder. Oft waren das die Kneipenlieder und „Gassenhauer“, also die „Top ten“ der damaligen Zeit, die Luther mit christlichen Texten versah.

Dass dieses Konzept auch heute noch aufgeht, erfahren wir in Unterheimbach immer wieder aufs Neue in unseren „Sternstunden“- Abendgottesdiensten. Mit bekannten Popsongs von Rod Steward, Supertramp, Neil Diamond, Abba, Billy Joel und vielen anderen Größen der Popmusik gelingt es „kirchendistanzierte“ Menschen in relativ kurzer Zeit zum Mitsingen zu bewegen. Wir haben das große Glück, dass unser Pfarrer die Songs mit anspruchsvollen christlichen deutschen Texten versieht und wir kompetente Musiker gefunden haben. So gibt es inzwischen ein Fundus von über 60 Liedern und weit mehr begeisterte Sänger und Sängerinnen, von denen manche inzwischen auch die „normalen“ Gottesdienste besuchen. Kostproben geben wir gerne weiter.

Wilfrid Lederer am 06.02.2010 um 17:44 Uhr ( E-Mail )

21.

Hiermit bringe ich zum Ausdruck, das ich die drei, längst überfälligen, Forderungen, zur Förderung der Popularmusik, sehr unterstütze. Es ist auch im Bereich der Kirchenmusik nicht anders als in so vielen Lebensbereichen. Bereits in allen Lebensbereichen ist es spürbar, dass alles darauf ausgerichtet ist moderner, offener, orientierter und zielstrebiger zu werden. Wie viele Analysen es wohl, in was weiss ich wie vielen Lebensbereichen gibt, um ,,Kundenorientierter" zu sein oder zu werden. Ich weiss es nicht. Natürlich sind Christen keine Kunden in der Kirche. Aber wir, diese Christen, leben in dieser Welt, in der sich ständig und immer etwas verändert. Mir als Christ liegt es auch auf dem Herzen, dieses Christsein zu leben und es auch, besonders an junge Menschen, die vielleicht von Haus aus nicht im Glauben erzogen worden sind, weiter zu geben. Dabei spielt die Musik eine erhebliche Rolle.

Es mutet für junge Menschen, ohne Kirchenerfahrung, gelinde ausgedrückt, befremdlich an, wenn sie nur Kontakt mit der klassischen Kirchenmusik bekommen. Natürlich ist die Musik nur ein Bruchteil davon, Menschen zum Glauben hin oder auf ihrem Glaubensweg zu begleiten. Aber eben ein wichtiger Bruchteil. Ich habe meine Erfahrungen in der Kirchenmusik, als Sängerin in einem Lob- und Preisgottesdienstchor gemacht. Interessant ist dabei, dass die Menschen, die zu den Lob- und Preisgottesdiensten gekommen sind oft auch die waren, die zu den normalen Gottesdiensten gekommen sind, weil sie eben bereits in ihrem Glauben gefestigt waren und der sonntägliche Kirchgang zu ihrem Leben gehörte. Diese Menschen waren aber alle, ohne Ausnahme, bereits ehrenamtlich für die Kirche, in den verschiedesten Bereichen tätig. Dies würde meine oben angeführte These ja wiederlegen, aber dem ist nicht so. Denn alle jungen Menschen die wir neu versucht haben ,,in die Kirche zu bringen" sind ausschließlich zu diesen Lob- und Preisgottesdiensten wieder gekommen. In den ,,normalen" Gottesdiensten hat man sie nicht gesehen und auch nicht bringen können. Diese Erfahrung habe ich gemacht.

Traurig daran ist, dass wir nicht häufiger die Möglichkeit hatten, diese Menschen anzu,,singen". Denn wie bereit erwähnt, waren bzw. sind diese Menschen, genau wie ich es war, noch in anderen Bereichen der Kirchengemeinde tätig. Also ausgelastet. Aber dies bestätigt, das es wichtig ist, mit welcher Musik man die Menschen anspricht. Es fängt schon im Kindergottesdienst an. Dort versucht man ja bereits die kleinsten der Kleinen mit alters- und sinn gerechten Liedern zu animieren und dies funktioniert sogar. Ich spreche aus jahrelanger Erfahrung in diesem Bereich. Warum ist es so schwer zu verstehen, dass aus den kleinsten der Kleinen auch einmal erwachsenen Menschen werden, die mit Sicherheit immer noch den Anspruch haben Zeit- und Sinngemäßes zu hören. Allerdings sind diese Menschen anspruchsvoller und kritischer geworden. Natürlich auch kompromissbereit. Jeder kann in gewissem Masse die klassische Kirchenmusik schätzen, diese kann auch tragen und ist manchmal sehr passend. Es gibt wahre Schätze in dieser Musik, dass heißt aber nicht, dass die Kirche in diesem Bereich nicht sehr inovativ sein sollte.

Man kann im Bereich Kirchenarbeit wirklich vieles im Ehrenamt bewältigen, aber die Musik ist ein so wichtiger und tragender Bestandteil der Kirchenarbeit, dass es enorm wichtig ist ihr diesen Stellenwert auch zu geben. Gleichermaßen auch den Menschen, die sich für diesen tragenden Bereich einsetzten. Sowohl ausbildungstechnisch, als auch finanziell sollte eine langfristige und zukunftsorientierte Ausübung ihrer Arbeit, in der Popularmusik, möglich werden. Es ist wichtig, diese auch anzuerkennen und zu unterstützen - damit sie ZUKUNFT hat. Man muss diesen Menschen ein stabiles Fundament geben, damit auch die Popularmusik zukünftig, ihren berechtigten Platz in der Kirche finden und erhalten kann. NOCH eine kleine Bemerkung in anderer Sache. Beim lesen der Einträge in diesem Forum, ist mir aufgefallen, dass doch tatsächlich ein Mailschreiber eines anderen Eintrag ziemlich kritsch bewertet hat und dies nicht nur inhaltlich, sondern auch gramatikalisch. Ich finde es sehr traurig, das in solch einem Forum, in dem Christen sich Zeit nehmen, um sich für eine wichtige Sache einzusetzten, mit so etwas rechnen müssen. Ich hoffe, dass ich keine Gramatikfehler habe. Nicht jedem ist es gegeben sich gut ausdrücken zu können. Aber auch diese Menschen haben doch ein Anrecht darauf ihre Meinung zu schreiben. Dies ist mir ein grosses Anliegen. Ihnen allen eine gesegnete Zeit.
Pia S. Mayer

Pia Susanne MAYER am 10.02.2010 um 10:29 Uhr ( E-Mail )

22.

Wir waren am letzten Samstag Abend beim LAKI-PopChor in Ludwigsburg. Das Konzert hat mir sehr gut gefallen. Es war geprägt von einem absoluten Könner als Dirigenten mit eindeutigen Einsätzen und für die Musizierenden konsequenten und klaren Zeichen. Vielleicht habe ich (Jahrgang 1946) hier nicht ganz die fachlich korrekten Begriffe gewählt, doch ich fand das einfach gut. Besonders angesprochen hat mich auch der Schlagzeuger sowie der Chor. Diese spezielle Benennung soll keine Zurücksetzung der übrigen Mitwirkenden sein.

Mit dem Programm erhielten wir auch den Flyer mit den drei Forderungen. Sorry, ich bekomme die drei Sachen (die Künstler alle zusammen, das Programm, die Forderungen i.V. mit der Popularmusik) einfach nicht zusammen. Das Konzert war hohe Kunst, handwerklich ausgezeichnet gemacht, einfach profihaft. Soll das unter populärer Musik laufen? Zumindest ich selbst wurde mir der Distanz meiner eigenen Fähigkeiten zum Können der Aufführenden so richtig bewusst. Hier liegt wohl die Wurzel dafür, dass ich Schwierigkeiten mit dem Begriff Popularmusik bekam. Zugegeben, es kamen auch einfache, einprägsame Lieder, die mich an Taize erinnert haben, und die für mich für "populäre" Lieder stehen. Der große Teil schien mir jedoch nicht leicht zu verinnerlichen zu sein. Dann fiel mir der relativ hohe Anteil englischsprachiger Lieder auf. Wenn Popularmusik auf breite Bevölkerungsschichten abzielt, werden dann diese breiten Schichten damit erreicht? Nun, im Radio zB. hört man auch viele englisch sprachige Lieder, doch die werden in der Regel nicht mitgesungen. Es ist lobenswert, wenn Sie sich speziell die junge Generation als Zielgruppe definieren. Und es waren ja auch wirklich einige jüngere Leute in der Friedenskirche in LB. Ihrem Forderungskatalog habe ich die Message entnommen, dass für die "Popularmusik" ein Stück des Kirchenmusikkuchens abgespalten werden soll. Man spürt förmlich, dass es anscheinend nicht möglich ist, in bestehenden Kirchenmusikstrukturen die von Ihnen für förderungswert erachtete Popularmusik adäquat unterzubringen. Deshalb soll jetzt anscheinend ein neuer Zweig mit entspr. Ausbildungsmöglichkeiten und Strukturen geschaffen werden. Ich möchte Ihnen zurufen, zweigleisig zu fahren und (als Plan B) neben Ihren Forderungen 2 und 3 auch in die bestehende Kirchenmusikausbildung hineinzudrücken, denn ev. Kirchenmusik besteht für mich aus mehr als Werken von Bach und zB. Liedern von Paul Gerhardt. Ihre Kunst wird sein, den Beweis dafür anzutreten, zumindest Indizien dafür zu liefern, dass die Zahl der Kirchgänger erhöht wird, bzw. Mitgliedschaft der Ev. Kirche mit Ihrer Musik stärker wird. Dabei wünsche ich allen Ihren Mitstreitern viel Erfolg.
Mit freundlichen Grüßen
Georg Müller

Georg Müller am 10.02.2010 um 16:17 Uhr ( E-Mail )

23.

Ich möchte davor warnen, die Bedeutung der Popularmusik für die Kirche einzig mit der Aussicht auf eine höhere Zahl der Kirchgänger oder Kirchenmitglieder zu begründen. Dass ihre Zahl steigt, wenn Popularmusik mehr Raum einnimmt - was übrigens auch nach meiner Einschätzung so sein wird -, ist nichts anderes, als ein angenehmer Nebeneffekt. Das kann man erwähnen, es darf aber nicht das Ziel sein. Mir geht es vor allem um die Menschen. Die Menschen vor Ort müssen mehr Raum bekommen, ihre Sprache zu sprechen, ihre Musik zu leben, zu musizieren, zu hören, egal, ob sie Kirchenmitglieder sind, es werden oder nicht. Für die Menschen vor Ort lohnt es sich, zu streiten - nicht für eine Erhöhung der Mitgliederzahlen. Ein integre kirchenmusikalische Arbeit muss substanziell begründet sein, nicht finanziell (Stellenpläne) oder quantitativ (Zahl der Gottesdienstbesucher). Warum? Wir haben es im Grunde mit der Bedeutung der Kirche an sich zu tun. Das übergeordnete Thema ist nämlich: Was bedeutet Kirche für unsere Gesellschaft im Jahre 2010, 2020, 2050? Was ist kirchliches Profil? Ich versuche eine Teilantwort: Gemeinschaft, Diakonie und Seelsorge, Liturgie, Glaubensentwicklung. Was diesen dient, dient Kirche, und hier kann Popularmusik mithelfen. Substanziell. Michael Schütz, Dozent für Popularmusik an der Hochschule für Kirchenmusik Tübingen
Michael Schütz am 15.02.2010 um 21:17 Uhr ( E-Mail | Homepage )

24.

Ich möchte es kurz machen, ich unterstütze die drei Forderungen von ganzem Herzen. Nicht weil ich ein schönes Orgelstück nicht auch zu schätzen wüsste, sondern weil für mich der Anteil modernerer Musik in der Kirche noch deutlich zu gering ist. Musik in der Kirche soll eine Atmosphäre schaffen die einladend ist und die dazu beiträgt dass die Menschen sich wohl fühlen und offen werden für das Evangelium. Nach meiner Erfahrung in langjähriger Band- und Gemeindearbeit erreichen wir das mit gut gemachter Popularmusik in der Kirche bei Menschen aller Generationen. Umso mehr muss Popularmusik in der Kirche ordentlich gefördert werden.

Die Umsetzung der drei Forderungen ist für mich ein wichtige Schritt in die richtige Richtung hin zu einer einladenden, offenen Kirche die den Menschen „aufs Maul schaut“ und sie da abholt wo sie (musikalisch) stehen. Um auf einen (leider anonym gebliebenen) Vorredner Bezug zu nehmen: Ich würde mich sehr freuen wenn all die RTL2 Seher (ich selber schaue RTL2 und Arte...) und die Diskogänger und die vorabendlichen Kneipenbesucher und wer sonst noch alles am Sonntagmorgen bei uns im Gottesdienst sitzen und sich wohlfühlen würden, und nach dem Gottesdienst geborgen und voll vom Wort Gottes, und vielleicht auch ein bisschen beschwingt von der Musik nach Hause gehen würden. Nur eine Utopie? Sicher. Aber eine für die es sich lohnt zu arbeiten.

Gerhard Pfau am 01.03.2010 um 21:27 Uhr ( E-Mail )

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