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Jürgen Kehrberger
Gedanken über eine Grundhaltung unseres Lebens
Zu wenig

Nicht immer sichtbar, nicht ständig spürbar. In unser Leben ist die Grundhaltung eingewoben: Was ist, ist zu wenig. Hemmnis und positive Kraft zugleich. Wäre es uns nicht zu wenig gewesen, immer nur zu Fuß zu gehen, hätten wir keine Verkehrsmittel. Wenn dagegen die zur Verfügung stehenden Rohstoffe nicht zu wenig wären, müssten viele Kriege nicht geführt werden.

In der Bibel erfahren wir, dass es dem Menschen zu wenig ist, was Gott ihm zur Verfügung stellt. Kain ist es zu wenig, dass sein Opfer nicht anerkannt wird. David empfindet, dass ihm ohne die schöne Bathseba, der Frau seines Feldhauptmanns, etwas fehlt.

Tagtäglich empfinde ich ein zu wenig. Zu wenig Zeit für die Vorbereitung eines Seminars. Zu wenig Zeit für das Buch, das ich schon immer lesen wollte. Zu wenig Zeit für Sport. Zu wenig.

Bestimmt uns auch im Jugendwerk dieses zu wenig stärker, als wir wahr haben wollen? Menschen, die wir erreichen, zu wenig. Mittel, die wir zur Verfügung haben, zu wenig. Innovationen, zu wenig. Milieus, die wir erreichen, zu wenig. Was wir tun, es ist zu wenig. Ist unser Bemühen um eine missionarische Jugendarbeit durchzogen von Hektik, Aktionismus? Auswirkungen einer Grundhaltung des zu wenig?

Wir sind in der Gefahr, auf Defizite fixiert zu sein. Das führt in die Sorge, zu immer neuen Anstrengungen und am Ende zur Überforderung.

Das Evangelium entlastet. Der Mangel wird nicht ausgeblendet. Das Evangelium lädt uns ein, der Treue Gottes und seinen Möglichkeiten zu trauen, wie bei der Speisung der Fünftausend (Matthäus 14). Die Jünger bringen klar zum Ausdruck: Was wir haben, ist zu wenig. Die Antwort Jesu lautet: „Gebt ihr ihnen zu essen." Am Ende stellen sie fest:
Es reicht und es bleibt übrig. Nicht menschliche Leistung, sondern göttliches Geschenk macht, dass es reicht. Die Möglichkeiten Gottes entlasten, schließen aber unser Mitwirken ein. Menschen in den Blick nehmen, die wirklich zu wenig haben. Zu wenig Zuwendung. Zu wenig Bildung. Zu wenige Möglichkeiten, ihre Gaben zu entfalten, den Glauben zu entdecken. In der Treue Gottes haben wir unseren Grund, nicht im vielschichtigen „zu wenig".

Jürgen Kehrberger, Fachlicher Leiter des ejw im UnterUns 6/2008 Seite 11

geschrieben von sb am 19.12.2008 um 11:30 Uhr.
 


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