
Als die osteuropäischen Staaten nach 1989 die Freiheit aus ihren bisherigen Systemen gewannen, orientierten sie sich unverzüglich nach Westen. Sie fühlten sich durchweg der westlichen europäischen Kultur zugehörig und schafften innerhalb von ca. 15 - 20 Jahren die Aufnahmekriterien für die Europäische Gemeinschaft. Teufel würdigte dies und bezeichnete die Kosten, die in der Europäischen Union dafür aufgebracht wurden, als Zukunftsinvestitionen. Insbesondere für die Deutschen ist Europa in erster Linie eine Friedensgemeinschaft. Durch Städtepartnerschaften, Jugendaustausch und gemeinsame Entwicklung müsse diese gestärkt und ständig vertieft werden. Dies sieht Teufel auch für die Zukunft als vorrangig, denn „in jeder Generation brauche es Friedensstifter, die von der Idee einer gemeinsamen friedlichen Zukunft erfüllt seien".
Er schilderte die Entstehung des Lissabonner Vertrags (Entwurf einer Europäischen Verfassung), den er maßgeblich mit gestaltete, und erläuterte sein Bemühen, die Ergebnisse zu mehr Demokratie transparent und bürgernah zu formulieren. Besonders durch das Prinzip der Subsidiarität, - d. h. die Zuständigkeit grundsätzlich unten anzusiedeln und die nächst höhere Instanz nur dann in Anspruch zu nehmen, wenn unten die Kräfte nicht ausreichten - soll Europa in eine bessere Verfassung gebracht werden. Europa müsse von den Gemeinden her aufgebaut werden und in den Gemeinden sollte die Entwicklung von den Bürgern her formuliert werden. Die Gemeinde komme vor dem Landkreis, der Landkreis vor dem Land, das Land vor dem Bund und Europa solle sich auf die übrig bleibenden Aufgaben konzentrieren. Es sei wichtig, geradezu notwendig, dass Europa Teil unserer Identität werde.
Teufel erinnerte an ein Wort von Theodor Heuß: „Europa ist auf drei Hügeln erbaut: der Akropolis, dem Kapitol und Golgatha." (D.h. der griechischen Kultur und Geschichte, dem römischen Recht und der jüdisch-christlichen Lehre). Aus deutscher Sicht hätte es nahe gelegen, den Gottesbezug in der Präambel der Europäischen Verfassung ähnlich unserem Grundgesetz unter zu bringen. Dies sei trotz intensiver deutscher Bemühungen bei den anderen Ländern nicht durchsetzbar gewesen. Trotzdem sei der Verfassungsvertrag nicht wertneutral. Die Bedeutung der christlichen Tradition und des christlichen Glaubens in Europa sei letztlich nicht durch die Verfassung zu regeln, sondern nur durch aktiv gelebten Glauben der Christen in Europa.
Teufel wertet die Bemühungen um ein europäisches Zusammenleben positiv und wert, auch finanziell akzeptiert zu werden. Schließlich wäre die Alternative nur die Fortsetzung der früheren militärischen Auseinandersetzungen, unter denen die Menschen unendlich gelitten hätten.
Zwei Stunden lang stellte sich Erwin Teufel einer umfassenden Diskussion europäischer und deutscher politischer Fragen, die er aus seinem umfangreichen philosophisch-theologischen und geschichtlichen Fundus und seiner reichen politischen Erfahrung beantwortete.
Zusammen mit seiner Frau und der Freizeitleitung besichtigte er auch das Bergheim und würdigte die Jugendarbeit des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg.
Dieter Eitel