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Aus der Landeskirche
Familie wird bejaht, aber zunehmend weniger gelebt"
Schwerpunktthema Landessynode:  "Zukunftsmodell Familie"
Schwerpunkttag der Landessynode zum Thema "Zukunftsmodell Familie"

Stuttgart. Familie habe dann eine Zukunft, wenn sich weder Kirche noch Gesellschaft den Schattenseiten von Familie verschließen, erklärte Brunhilde Raiser, Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, beim heutigen Schwerpunkttag "Zukunftsmodell Familie" der württembergischen Landessynode in Stuttgart.



Dass Familie "mehrheitlich bejaht, aber zunehmend weniger gelebt" werde, habe auch mit Kostengründen zu tun, so Raiser. Nach wie vor seien Kinder ein Armutsrisiko. Es gelte für eine finanzielle Entlastung und Förderung, eine zielgerechte Infrastruktur, und flexible Zeitregelungen zu sorgen und für eine frühere Lösung junger Menschen aus dem Elternhaus zu sorgen. Familienpolitik brauche einen eigenen Stellenwert und dürfe nicht nur als Teil der Frauenpolitik verstanden werden, forderte Raiser. Ansonsten betrachte man kinderlose Frauen als defizitär, was sowohl dem Grundgesetz als auch dem christlichen Menschenbild widerspräche. Christinnen und Christen sollten Familie dort sehen, wo verantwortlich und beständig durch eine oder mehrere Bezugspersonen für Kinder gesorgt werde. Dazu zählten Ein-Eltern-Familien, Patch-Work-Familien, Adoptiv- und Stieffamilien wie auch die Familien gleichgeschlechtlicher Eltern. Die Kirche solle das "Diktat der Arbeitswelt" als nachrangig betrachten und die Interessen von Familie und Arbeitswelt im Sinne einer "work-life-balance" gleichwertig miteinander abgleichen.

Die Auswirkungen der alternden Gesellschaft seien bereits heute spürbar. Darauf wies Erich Stutzer, Leiter der Familienpolitischen Forschungsstelle des Statistischen Landesamtes, hin. So gebe es seit dem Jahr 2000 in Baden-Württemberg erstmals mehr Über-60-Jährige als Unter-20-Jährige. Seit dem Jahr 2002 sei erstmals ein deutlicher Rückgang der Kindergartenkinder zu verzeichnen, seit 2004 gebe es mehr Erwerbspersonen im Alter von mehr als 40 Jahren als unter 40 Jahren im Land. Stutzer plädierte eine Öffnung von Bildungschancen, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine bessere Finanzausstattung von Familien und den Ausbau der Familienbildung.

Preis für familienfreundliche Gemeinden
Landesbischof Gerhard Maier zeichnete im Rahmen des Schwerpunkttages der Landessynode erstmals drei Kirchengemeinden für ihre Familienfreundlichkeit aus. Es waren die Evangelische Kirchengemeinde Aalen, die Evangelische Matthäusgemeinde Hessental sowie die Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Gaisburg. Die Gemeinden teilen sich den mit 3000 Euro dotierten Preis.

Klaus Rieth

weitere Informationen zur Landessynode

geschrieben am 11.07.2005 um 16:36 Uhr.
 
 

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