Kilianskirche beherbergt eine schützenswerte Fledermauskolonie
Bietigheim-Bissingen. Bei Führungen in der Kilianskirche steigen besonders die Kinder auf den Turm. Bevor es hoch zu den Glocken geht, muss man dabei an einer unscheinbaren Türe vorbeigehen. Sie führt ins oberste Dachgeschoss des Kirchendachs. Dort unter den alten Holzbalken und den Dachziegeln staut sich die Wärme. In der Ruhe über den Dächern des hektischen Alltags und fernab von allen Störungen herrschen ideale Voraussetzungen, dass sich Fledermäuse aufhalten können. Dabei kommen nur die Weibchen hierher. Unterm Dach der Kilianskirche befindet sich nämlich eine Wochenstube. Das heißt: Hier bringen sie, abgeschieden von den männlichen Tieren, in einer großen Gruppe ihre Jungen zur Welt.
Die Neugier der Kinder steigt und der seltsam süßliche Geruch weckt zusätzliches Interesse: "Dürfen wir die Fledermäuse mal sehen?", lautet die nahe liegende Frage. Das Nein klingt hart, muss aber sein. Die Fledermäuse gehören zu den gefährdeten und absolut schützenswerten Tierarten bei uns. In den vergangenen 20 bis 30 Jahren ist die Häufigkeit der Fledermäuse um 80% zurückgegangen. Deshalb gilt insbesondere für die Wochenstube ein absolutes Besichtigungsverbot.
Doch das allein zu sagen, ist nicht befriedigend. Für die Konfirmanden wurde das jes-Projekt (Jugend engagiert sich) auf den Weg gebracht: "Fledermäuse – unbekannte Lebewesen kennen lernen und Schutz bieten". Mit Unterstützung der Landesstiftung stellten die Konfirmanden in ihrer Freizeit eine Stellwand zusammen. Sie enthält alles, was man über die Fledermäuse wissen muss und bietet ein kleines Trostpflaster für das strikte "Betreten verboten". Dass in diesem Zusammenhang eine präparierte und ausgestopfte Fledermaus gezeigt werden kann, erweist sich als sehr schwer erfüllbar.
Für die Männchen, die nicht unterm Kirchendach ihre Bleibe habe, wurden 12 Fledermauskästen gebastelt. Unter der Federführung des Albvereins wurden die Behausungsmöglichkeiten aufgehängt. Die Stadtgärtnerei Bietigheim-Bissingen begrüßte das Engagement der Jugendlichen und wies zwei Standorte aus als Aufhanggebiete.
Mit Besen und Kutterschaufel und entsprechendem Mundschutz ging es auch in die Wochenstube, um sauber zu machen. In Zusammenarbeit mit dem Fledermausschutz im Landkreis Ludwigsburg kam ein ganzer Sack mit rund 10 kg Fledermauskot zusammen.
Thomas Reusch-Frey
Mehr Infos zu jes-Projekten und Freiwiligendienste
www.ejwue.de/freiwilligendienste
geschrieben am 02.09.2005 um 14:39 Uhr.