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"Schläger und Hetzer unter religiöser Maske" - so und ähnlich lauteten vor fünfzig Jahren Schlagzeilen in Tageszeitungen der DDR.
Die Medienkampagne war Teil einer groß angelegten Aktion des DDR-Regimes gegen junge Christinnen und Christen, Junge Gemeinden, Studentengemeinden und Kirchen in den Jahren 1952 und 1953, die sich unter anderem gegen die selbst organisierte Kinder- und Jugendarbeit außerhalb der "Freien Deutschen Jugend" (FDJ) richtete.
Was damals geschah, kann man sich heute kaum noch vorstellen: Schülerinnen und Schüler wurden aus der erweiterten Oberschule ausgeschlossen und Studierende wurden exmatrikuliert, weil sie auch weiterhin die Junge Gemeinde oder die Studentengemeinde besuchen wollten. Es kam zu Hausdurchsuchungen, Enteignungen, "Zuführungen" und monatelangen Inhaftierungen. Junge Christinnen und Christen waren heftigsten Zerreißproben ausgesetzt. Nicht alle konnten standhalten; einige sahen sich gezwungen in den Westen zu fliehen. Viele junge Menschen machten in dieser Zeit prägende Glaubenserfahrungen.
Die gewalttätigen antikirchlichen Maßnahmen kamen nach einem Staat-Kirche-Gespräch am 10. Juni 1953 vorübergehend zum Stillstand; Willkürmaßnahmen wurden zurückgenommen. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung, vor allem mit der wirtschaftlichen Situation, führte jedoch wenige Tage später zu Unruhen, die schließlich durch den Einsatz des sowjetischen Militärs am 17. Juni 1953 blutig beendet wurden.
Es lohnt sich, heute an diese Vorgänge zu erinnern, denn damals wurden Weichen gestellt. Spätestens seit den Ereignissen von 1952/1953 war allen DDR-Bürgerinnen und Bürgern klar, dass Christ zu sein und sich dazu zu bekennen Konsequenzen hatte und sich negativ auf die Berufswahl und die berufliche Entwicklung auswirken konnte.
Die Machtfrage stand nicht zur Disposition. Wer sie dennoch stellte, musste mit härtesten Folgen rechnen. Dieser Umstand macht das Verhalten derjenigen Verantwortungsträgerinnen und -träger in der Kirche verständlich, die oppositionellen Meinungsäußerungen innerhalb der Kirche nur zögerlich Raum gaben. Auf der anderen Seite hatte es bis 1952/53 im Osten nie eine so klare Position der evangelischen Kirchen zu "ihrer" Jugendarbeit gegeben.
Damals wie heute ist selbst organisierte kirchliche Kinder- und Jugendarbeit in ihrer Vielfalt und mit ihren Freiräumen nicht eine zusätzliche Leistung, sondern eine genuine Aufgabe und unverzichtbare Lebensäußerung der Kirche selbst.
Der Vorstand der aej begrüßt die intensive aktuelle Auseinandersetzung in der Breite der Evangelischen Jugend mit der historischen Bedeutung der Ereignisse um den 17. Juni 1953 für die Gegenwart.
Hannover, 17. Juni 2003
Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend
in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (aej)
geschrieben am 17.06.2003 um 15:39 Uhr.