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Posaunenarbeit
Am 24.September ist die Komponistin Magdalene Schauß-Flake verstorben.

 

Nachruf von Bernhard Silaschi, Leitender Obmann des EPiD:

Liebe Geschwister im EPiD,

am Donnerstag hat mich die traurige Nachricht erreicht, dass die Komponistin Magdalene Schauss-Flake im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Darüber bin ich persönlich betroffen und traurig. Unser Mitgefühlund unsere Anteilnahme gehören in dieser Zeit der Familie.
Das letzte Jahr von Magdalene Schauss-Flake war bereits von einer schweren Erkrankung gezeichnet. Am Mittwoch dieser Woche ist sie während ein Posaunenchor für sie spielte, in Frieden in Gottes Ewigkeit eingegangen.
Wir sind dankbar für ein reiches und erfülltes Leben, dass der Posaunenchorarbeit in Deutschland und weit darüber hinaus so viele bedeutende Werke hinterlassen hat. Dafür konnten wir sie auf der Posaunenratstagung 2006 in Villigst besonders ehren.

Ich bin dankbar für die persönlichen Begegnungen mit ihr und denke dabei an ein Komponistenporträt in unserer Gemeinde, dass sie mit ihren Kompositionen gestaltet hat. Im letzten Jahr hat sie kurz vor ihrer schweren Erkrankung die Begegnungstagung in Stein bei Nürnberg besucht.
Immer war es ihr besonderer Wunsch den Bläserinnen und Bläsern nahe zu sein. Der Posaunenchorarbeit in Deutschland fühlte sie sich tief verbunden. Ihre Schaffenskraft hat uns in sehr vielfältiger Weise beschenkt. Wir werden ihr im EPiD ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren.
Für den Tag des Abschieds am Montag in Burgsponheim sind unsere Gedanken besonders in der Fürbitte mit ihren Angehörigen
verbunden. Dabei dürfen wir auf die Verheißung des auferstandenen Christus vertrauen, der uns über unsere Endlichkeit hinweg zuruft: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.„ (Joh 14, 19). Mit dem Wort der Jahreslosung darf uns gewiss sein: Sie wird schauen, was sie geglaubt hat.

Im Namen des Vorstandes des Evangelischen Posaunendienstes in Deutschland

Bernhard Silaschi, Leitender Obmann

 

Nachruf von Karl Heinz Saretzki

Trauer und Dank

Am 24. September 2008 ist Magdalene Schauss-Flake, Kirchenmusikerin, Organistin und Komponistin im Alter von 87 Jahren gestorben. Bei den Klängen von „Sollt ich meinem Gott nicht singen" eines Posaunenchores vor ihrem Fenster des Krankenhauses ist eine der ersten und wichtigsten Persönlichkeiten der evangelischen Posaunenchorarbeit gestorben. Es wird wohl keinen Posaunenchor in der gesamtdeutschen Posaunenlandschaft geben, der nicht irgendwann von ihr gehört oder vielmehr etwas von ihr musiziert hat.

Seit 1950 wird jeder Deutsche Evangelische Kirchentag mit dem doppelchörigen „Christ ist erstanden" eröffnet, das auf der Bahnfahrt zwischen Düsseldorf und Essen entstand, als die junge Magdalene Flake sich auf eine Sitzung des DEKT vorbereitete. Auf zwei Seiten Toilettenpapier der Deutschen Bundesbahn notierte sie die neun Takte, die zum markanten „Bläserzeichen für die Kirchentage" wurden.

Am 25. Juli 1921 in Essen geboren, nach einem Kirchenmusikstudium, unter anderem bei Siegfried Reda, wurde sie Kirchenmusikerin in ihrer Heimatstadt. Die Begegnung mit Fritz Bachmann, dem damaligen Reichsobmann des Posaunenwerkes in der Evangelischen Kirche in Deutschland, sollte für die Bläserarbeit segensreich werden. Zusammen mit Hans Weber, Erich Gruber und Kurt Utz war sie maßgeblich kompositorisch an dem Inhalt der ersten Standard-Bläserausgabe nach den Kuhlo-Bänden, dem „Lass dir unser Lob gefallen, Band 1", verantwortlich. Sie wagte viel und schuf für die damalige Zeit mutige Kompositionen. Als Beispiel dafür mögen die beiden Partiten gelten: „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort / Aus tiefer Not". Die Kompositionen basieren auf einer handwerklich sauberen Kontrapunktik, ohne Schnörkel und von allem Überflüssigen entschlackt. Für den musikalischen Laien waren plötzlich weniger Töne zu spielen. Dadurch entstand Durchsichtigkeit, Transparenz, nicht nur visuell, sondern auch akustisch. Die Stimmen liefen nicht mehr nur homophon. Wichtiges wurde von Unwichtigem getrennt. Alle Stimmen wurden selbst- und eigenständig. Die Tuba bekam eine eigene wichtige Funktion, sie wurde - wie bei der Orgel - als ein eigenes Register eingesetzt, manchmal sogar solistisch - für damalige Zeiten ungewohnt und verwirrend.

Für Magdalene Schauss-Flake war Komponieren mehr, als Töne übereinander zu setzen. In ihre Bläservorspiele zu Kirchenliedern flossen Überlegungen und eigene Erfahrungen zu den Texten ein. „Ich betrachte die Bläser als meine Gemeinde, der ich bei textbezogenen Stücken predigen möchte". Die vielen Bläservorspiele geben davon beredte Auskunft. Motive und Melodien, Akkordrückungen und herbe Klänge werden zu Auslegungen von Texten und Inhalten. Man muss sich allerdings damit beschäftigen. „Wer mit viel Liebe an die Vorspiele herangeht, wird etwas von der Liebe erfahren, die ich hinein gegeben habe." So schreibt Magdalene Schauss-Flake einem Chorleiter, der etwas hilflos vor einem neuen Vorspiel stand.

Alle, die Magdalene Schauss-Flake als Referentin bei Seminaren und Landesposaunentagen, auf Tagungen und Sitzungen begegneten, erlebten eine charmante Frau, die mit großer Offenheit und Freundlichkeit ihre Werke vorstellte, aber auch konsequent und eindeutig Stellung nahm zu aktuellen Themen der Bläserarbeit. Niemals stellte sie ihre Person in den Mittelpunkt, sondern immer die Musik. Für alle Posaunenwerke in Deutschland hat sie komponiert: „Ich komponiere nur noch Auftragswerke, ich bin eben eine Gebrauchsmusik-Schreiberin", gestand sie. In vielen Verbandsausgaben (vor allem in den frühen Ausgaben des BCPD) stehen ihre prägnanten Choralpartiten, Sätze, Suiten usw., die bis heute wichtige Meilensteine für evangelische Posaunenchorarbeit sind.

Sie war verheiratet mit Pfarrer Johannes Hermann Schauß. Die Familie lebte in Burgsponheim (Bad Kreuznach). Als ihr Mann 1993 starb, konnte Magdalene Schauss-Flake bei allen Erfolgen und Begebenheiten „nur noch halbe Freude erleben", wie sie in einem persönlichen Brief schreibt. Das Vorspiel zu EG 321 „Nun danket alle Gott" in „101 Bläservorspiele zum EG" ist eine Reaktion auf den Tod ihres Mannes. Es ist „Lob aus der Tiefe", der Versuch, auch den Tod des liebsten Menschen aus der Hand Gottes zu nehmen. So mischen sich in laute und anklagende Klänge immer wieder leise tiefe Melodie-Passagen.

Wir trauern um eine große Persönlichkeit der Posaunenchorarbeit, gleichzeitig danken wir für wertvolle und kostbare Kompositionen. Wir trauern um eine von Gott begnadete Frau, die uns mit ihren Gaben beschenkt hat. Wir danken für wegweisende musikalische Impulse und Bekenntnisse, die auch gegen manchen modernen Trend hoffentlich noch lange Bestand haben werden.

Karl-Heinz Saretzki

 


geschrieben am 21.10.2008 um 15:00 Uhr.
 

Tod von Magdalene Schauß-Flake - Aktuelles (Druckansicht)