Junior-Schülermentoren am Gymnasium
Seit dem Schuljahr 2006/2007 werden am Schlossgymnasium in Kirchheim/Teck Schülerinnen und Schüler zu Junior-Schülermentoren bzw. Jugendbegleitern ausgebildet.
Bisher haben schon einige Schülerinnen und Schüler ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und sich mindestens ein Schulhalbjahr, einige sogar zweieinhalb Schuljahre lang, an der Schule im AG-Bereich eingebracht.
Aufgrund der längeren „Schul-Laufzeit" als an anderen weiterführenden Schulen wurden bei uns bisher Schüler/innen erst ab Klasse 10 zur Ausbildung zugelassen,
wegen der Veränderung durch G8 sollen ab dem Schuljahr 2009/2010 auch Schüler/innen ab Klasse 9 ausgebildet werden.
Unser Ziel ist es, dass diese Schüler/innen weitgehend selbstständig und eigenverantwortlich im Rahmen der offenen Ganztagesbetreuung für jüngere Schüler/innen ergänzende Angebote im außerunterrichtlichen Bereich durchführen. Da ein verantwortlicher Umgang mit Jüngeren, mit Materialien, Sportgeräten, Computern oder auch mit Fachräumen erwartet wird, ist dafür aus unserer Sicht ein gewisses Alter bzw. vor allem eine gewisse Persönlichkeitsreife notwendig.
Begleitung
Als für das Offene Ganztagesangebot der Schule verantwortlicher Lehrer begleite und unterstütze ich die Mentoren v.a. bei der Grundorganisation ihrer AGs. Wir treffen uns immer wieder im Schuljahr, werten die AGs aus und planen auch neue Aktionen und Angebote. Teilweise führen daneben weitere Lehrer eine Art indirekte Aufsicht, wenn z.B. spezielle Fachräume benutzt werden.
Ausbildung
Die von den Schüler/innen mitgebrachten Voraussetzungen sind sehr unterschiedlich: Einzelne haben bereits in der Jugendarbeit von Kirchengemeinden oder Sportvereinen mitgearbeitet, andere waren als Paten für die Fünftklässler im Einsatz, viele sammeln jedoch ihre erste „Jugendarbeitserfahrung" im Rahmen ihrer Ausbildung an der Schule bzw. dann durch die Mitarbeit in verschiedenen Schul-AGs.
Die (Theorie-)Ausbildung wurde im ersten Jahr im Rahmen eines Pilotprojektes der Schülerinnen- und Schülerarbeit im ejw durchgeführt, seit 2007/2006 findet sie in Kooperation mit dem Evangelischen Bezirksjugendwerk in Kirchheim (ejki) statt. Sie erfolgt während des ersten Schulhalbjahres in zwei mehrtägigen Unterrichtsblöcken, für die die Schüler vom Schulunterricht befreit werden.
Die beiden Theoriemodule werden von der Bezirksjugendreferentin durchgeführt, die Verantwortung für die sich anschließende halbjährige Praxisphase (Praxismodul) liegt bei mir als Begleitlehrer.
Eine andere Ausbildungsmöglichkeit wurde an einer benachbarten Realschule praktiziert, wo ein Jugendreferent zusammen mit einer Abiturientin Schüler/innen im Rahmen von TOP SE in wöchentlichen Treffen über mehrere Monate hinweg zu Junior-Schülermentoren ausgebildet hat. Die Praxisphase war hier jedoch deutlich weniger in die Schule integriert und mit auch mit weniger Eigenverantwortung der Schüler/innen verbunden.
Angebote
Die Ideen für die AGs stammen meistens von den Junior-Schülermentoren selbst. Sie werden im Rahmen der „Theorie-Ausbildung" erarbeitet und reichen von einer
Spiel-Sport-Spaß-AG über verschiedene Computer-AGs, Musik-AG (Popsongs), Werkel-AG, Kreativ-AG, Foto-AG bis hin zu einer Latein-AG.
Alle AGs sind offene Angebote, d.h. es besteht keine verbindliche Teilnahmepflicht. Die durchschnittlichen Besucherzahlen der einzelnen AGs reichen von 5 bis zu 30 Teilnehmern (Spiel-Sport-Spaß- und Kreativ-AG). Die anfallenden Kosten, (Ausbildungsbeitrag an das ejki, Materialien, Wettbewerbspreise, Bälle... etc.) werden aus dem Schulbudget für das Offene Ganztagesangebot bestritten, wobei sie bisher sehr moderat ausfallen.
Erfahrungen
Insgesamt sind unsere Erfahrungen mit unseren Junior-Schülermentoren/innen fast nur positiv: Die qualifizierte Ausbildung sowie die Erfahrungen in einem „echten" Lernfeld stärken ihren Selbstwert sowie das Verantwortungsgefühl für Jüngere, die Schule und auch für sich selbst und führen bei vielen zu einer Verhaltensveränderung, da sie sich als Vorbilder für Jüngere und als „offizielle Vertreter" der Schule verstehen.
Verstärkt wird dies noch durch die gemeinsame Verarbeitung und Reflexion von Frustrationserlebnissen, wenn z.B. eine Einladeaktion nicht funktioniert, oder wenn die jüngeren Schüler sich während der AG daneben benehmen und die Junior-Schülermentoren sich in der ungewohnten Situation vorfinden, selbst „für Ruhe und Ordnung" sorgen zu müssen. Bei einzelnen hat die Ausbildung auch zu einem neuen oder einem vertieften Kontakt zur örtlichen christlichen Jugendarbeit geführt.
Die jüngeren Schüler profitieren von den Junior-Schülermentoren durch mehr altersgerechte Angebote. Sie erleben Vorbilder, die ihnen altersmäßig und situativ nahe stehen.
Es kommt zu einer Veränderung der z.T. negativen Wahrnehmung von Schule, da sie zusammen mit den Älteren als positiver Lern- und Lebensort erlebt wird, wo man einfach Spaß hat und kein Notendruck besteht. Dies stärkt auch die Schulgemeinschaft.
Von Seiten der Jugendarbeit kommt es ebenfalls zu einem neuen oder vertieften Kontakt zu Jugendlichen, von denen zumindest an unserer Schule die meisten bisher - wenn überhaupt - nur durch das Konfi-Camp etwas mit christlicher Jugendarbeit zu tun hatten.
Es entsteht dadurch eine größere Chance, auch neue Mitarbeiter für die außerschulische Jugendarbeit zu gewinnen.
Das ejki und seine Mitarbeiter können hier ihre Ausbildungskompetenz sinnvoll und effektiv in einer Bildungspartnerschaft mit der Schule einbringen und bekommen dadurch ein unmittelbares Feedback der Alltagsrelevanz ihrer Arbeit.
Einige kritische Anmerkungen zum Schluss: Jugendliche sind oft spontan und z.T. wenig vorausdenken - das ist für mich als Begleitlehrer manchmal nervig, v.a. weil sie Situationen anders einschätzen als ich, und manches dann „auf den letzten Drücker" läuft.
Dazu kommt, dass ich als Begleitlehrer immer Lehrer bleibe und z.T. meinen Junior-Schülermentoren auch im Unterricht begegne. Für kurzfristige Absprachen ist dies von Vorteil, beim Thema Benotung wird es manchmal für beide Seiten schwierig.
Deshalb halte ich es für sinnvoll, dass die Begleitung der Junior-Schülermentoren nicht nur durch Lehrer erfolgt, sondern auch durch andere Personen, am besten aus der Jugendarbeit. An dieser Stelle ist unser Konzept durchaus noch „verbesserungswürdig".
Markus Ocker:
Anmerkungen und Rückfragen bitte über:



Schülerinnen- und Schülerarbeit im ejw