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Tagebuch
Terror und Schwierigkeiten des Alltags in Jos
Edward Anzaku, YMCA Nigeria: „Nigeria kann Hilfe brauchen!“
Nigeria kommt nicht aus den Schlagzeilen. Der islamische Terror von „Boko Haram“ schlägt in immer kürzeren Abständen zu. Wegen extremer Preiserhöhungen für Benzin und andere Güter lähmte ein Generalstreik letzte Woche das Land. Edward Anzaku, der Koordinator der YMCAs in Nord-Nigeria lebt und arbeitet er in Jos. Er berichtet vom Terror und den Schwierigkeiten des Alltags in Jos, er sieht aber auch Zeichen dafür, dass Nigeria die Krise bewältigen kann.
„Der Terror von Boko Haram wütet im Norden Nigerias nun schon seit eineinhalb Jahren.“ schreibt Edward Anzaku, „Wir Christen sind das häufigste Ziel der Anschläge. Jetzt am Wochenende gab es in Kano wieder etliche Explosionen. Es gab unzählige Opfer bei der Polizei, es herrscht Panik in der Stadt, eine Ausgangssperre wurde verhängt.“
Edward Anzaku hat Soziologie studiert: „Die Terrorbewegung hat zwei Wurzeln,“, erklärt er, „die eine ist die Religion. Die andere Wurzel ist aber die politische Situation hier im Norden. Weil diese sich bisher nicht ändert, wird es sehr schwer mit Boko Haram fertig zu werden. Die Terrorbewegung gewinnt eher noch an Unterstützung, weil die im Norden hier fast nichts vom Wirtschaftwachstum des Landes haben!“
Zum Jahresanfang hat nun die nigerianische Regierung den bisher mit staatlicher Hilfe auf 65 Naira (ca. € 0,25) tiefgehaltenen Benzinpreis völlig dem Markt überlassen. Dies hat das ganze öffentliche Leben in Nigeria lahmgelegt. Viele Leute konnten nicht mehr zur Arbeit, Schule oder auf die Märkte kommen, weil es kein bezahlbares Benzin mehr an den Tankstellen gab. Und sehr viele beteiligten sich an dem direkt ausgerufenen Generalstreik. Anzaku erläutert: „Ich schätze, die Hälfte der Menschen hier sind grundsätzlich gegen die Benzinpreissubvention. Denn wir wollen nicht, dass die Regierung Geld, das sie für die Bildung und Zukunft unserer Kinder braucht, in Benzineinkäufe steckt. Aber seit letzter Woche kostete nun eine Tankfüllung für viele Menschen fast einen Monatslohn, das geht so eben auch nicht!“ Zum Wochenende entspannte sich dann die Lage, weil die Regierung sich mit den Streikenden darauf einigte, den Benzinpreis vorläufig auf Nair 97 festzulegen, also noch zu subventionieren, aber deutlich geringer.
Edward Anzaku sagt aber auch sehr deutlich: „Nigeria ist ein demokratisches Land mit einer demokratischen Regierung“. Deshalb sieht er die Verantwortung auch zuerst bei den Menschen im Land. „Die Benzinpreiskrise wurde mit Verhandlungen und einem Kompromiss gelöst. Das macht Hoffnung, dass auch die noch größeren Probleme gelöst werden können.“ Wirtschaft und Politik in Nigeria müssen mit dem Norden anders umgehen lernen. Sonst wird Boko Haram nicht bekämpft werden können. Anzaku ist aber überzeugt, dass genau dies langfristig gelingen kann. Und er ruft uns auf, Nigeria dabei zu unterstützen. „Entwicklung gibt den Menschen Hoffnung, unterstützt uns, den dabei den Menschen mehr konkrete Zeichen der Entwicklung zu geben, damit Hoffnung wächst.“ Aber es ist auch wichtig, dass Nigeria politisch unterstützt wird, denn islamischer Terror ist über viele Länder vernetzt und kann nur gemeinsam bekämpft werden. Deshalb fordert Anzaku auch uns als Partner dazu auf, unsere Regierung zur entschlossenen Hilfe für alle demokratischen Länder gegen jeden fundamentalistischen Terror aufzurufen. Anzaku schreibt: „Wunder sind immer auch unerwartete Veränderungen, und genau dafür können wir als Christen gemeinsam beten!“
Weitere Informationen:
Projekte in Nigeria
Spendenkonto:
EKK
BLZ 520 604 10
Konto-Nr.400 405 485
Projekt-Nr.NGR100
geschrieben von Matthias Hiller am 23.01.2012 um 08:30 Uhr.




