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Tagebuch
Orangen und Bonbons vom Nikolaus in Addis Abeba
Eindrücke von Äthiopien und Kenia

Jetzt bin ich schon sechzehn Wochen hier bzw. nur noch acht Wochen in Äthiopien. Ich habe natürlich wieder jede Menge erlebt, wovon ich euch berichten will.
Nach dem letzten Rundbrief haben Esther und ich montags Guave-Marmelade gekocht, da wir irgendwie Lust hatten, was Deutsches zu machen. In dieser Woche haben wir den deutschen Luxus etwas vermisst und damit sind auch Dinge wie Sicherheit und Autos gemeint. Uns wurde in dieser Woche auch knallhart bewusst, wie es ist, nichts zu haben und so sind unsere Wünsche auch schnell verflogen. Denn ein Junge hier, Isaak, kam immer zum Essen und Hausaufgaben machen ins CCA, hatte aber noch keine Erlaubnis hier zu schlafen und schlief deshalb in einem Container. Eines Abends erzählten uns dann die Anderen, dass der Container abgebrannt ist und er deshalb die letzten zwei Nächte vor unserem Tor auf der Straße geschlafen hat. In dieser Zeit war es zu kalt, um im T-Shirt unter der dicken Decke zu schlafen. Die vorläufige Lösung ist nun, dass er bei der Putzfrau übernachten darf und somit ein Dach über dem Kopf hat.
Im Kindergarten haben wir nun ausgemacht, dass nur noch mit der Hand und nicht mehr mit dem Stock geschlagen wird. Ist zwar gegen das übliche System, aber dann fühlen sich Esther und ich wohler tatenlos daneben zu sitzen.
Am Donnerstag bevor wir nach Kenia geflogen sind, haben wir mit allen Kinder „activity“ gespielt und sind danach zu einem Vortrag in der deutschen Gemeinde mit dem Thema „christlich-muslimische Konflikte“ gegangen. Dabei wurde mir bewusst, dass es vor allem auf dem Land sehr viele Auseinandersetzungen gibt. Davor dachte ich, dass hier Muslime und Christen in Harmonie und Freundschaft zusammenleben. Außerdem sind nun fast gleich viele Christen wir Muslime im Land.
Der Flug nach Nairobi war dann etwas besonders, weil wir anstelle von zwei Stunden vier gebraucht haben, da sich der somalische Präsident an Bord befand. Das wurde uns aber erst beim Landen erzählt. Dafür konnten wir uns mit einem Mitarbeiter der UN und AU(African Union) aus Addis unterhalten. Unsere freundliche Gastgeberin, Mary Githiomi, hat mit ihren Kindern dennoch geduldig gewartet und wir sind zu ihr nach Hause. Sie wohnt 20min von Nairobi entfernt in einem Haus mit zwei Ziegen, drei Hühnern, einer Katze und einem Hund. Unser erster Eindruck hat sich bis zum letzten Tag bestätigt. Und zwar dass Kenia um einiges reicher als Äthiopien ist und alles westlicher. So könnte man meinen, wenn man Marys Haus sieht, dass man in England ist. Aufgrund der ganzen Einrichtung. Die Folgen der britischen Kolonie sieht man auch daran, dass sie auf der linken Straßenseite fahren, Tee mit Milch trinken und sehr gut Englisch sprechen. Ich kann’s kaum glauben, aber mein Englisch wurde als „very fine and british“ eingestuft.
Natürlich wollten wir uns auch ein paar Tierchen anschauen und waren somit im „Nairobi Nationalpark“ und im „Amboselli Nationalpark“ am Fuße des Kilimanjaro an der Grenze zu Tansania. Wir hatten wahnsinnig Glück und haben somit viele Tiere, wie Elefanten, Giraffen, Zebras, Löwen, Hyänen und Nilpferde, gesehen.
Mary hat uns, wenn sie arbeiten musste in „Shopping Centern“ abgesetzt und die waren echt der Hammer. Alles super teuer und riesig. Wir haben dann unseren Salat und Fast Food Hunger gestillt. Ansonsten war uns dort alles zu teuer. Sie hat uns dann noch das IAS Office, in dem sie arbeitet, gezeigt und wir haben das Riff Valley von oben bestaunt, was wir aber schon aus Äthiopien kannten.
Am Sonntag waren wir dann mit 2.000 Kenianern in einem Gottesdienst der „Nairobi pentecostal Church“, was eine super Erfahrung war, aber die Lieder waren leider nur teilweise in Englisch. Die Abende haben wir mit Mary und ihren Kindern Faith (11) und Daniel (7) verbracht. Dort hat mich sehr fasziniert, wie sie ihren Glauben leben. Abends gibt es immer eine Andacht und es wir auch schon mal kurz dafür gebetet, dass man eine sechs würfelt oder schnellst möglich um den Stau kommt. Es gibt in Nairobi so alle hundert Meter eine Kirche und es gibt eigentlich niemand, der nicht in die Kirche geht. In Kenia haben wir eine super Woche verbracht, die uns ein ganz anderes Afrikanisches Leben gezeigt hat.
Als wir wieder daheim waren, kamen wir gleich das nächste Event. Denn an dem Wochenende fand der „Great Ethiopian Run“ hier statt. Dabei sind 30 Kinder vom CCA mitgelaufen und wir haben sie angefeuert. Was aber relativ schwierig war, weil jeder der 30.000 (vielleicht auch 70.000) Läufer ein rotes T-Shirt an hatte und wir somit leider die Kids nicht gesehen haben. War aber echt ein mega Ereignis und es waren angeblich auch Weltklasse Läufer dabei.
Die letzten zwei Wochen hatten wir dann wieder den normalen Alltag hier. Was man eben Alltag nennen kann, wenn man zwei Tage kein Wasser im ersten Stock hat und einmal pro Woche Stromausfall und ich seid letzte Nacht wieder einen Floh im Bett habe.
Im Englischunterricht läuft es nach wie vor gut und ich habe das Gefühl, dass sich manche der Frauen echt freuen, dass ich da bin. In der Englischnachhilfe hab ich immer noch sieben SchülerInnen und sie machen motiviert mit, da sie wissen, dass wir danach noch ein kurzes Spiel spielen, wie „Ich packe meinen Koffer…“, Galgenmännchen oder „Wer, was tut, wie, wo“.
Im Kindergarten merkt man Fortschritte, da von elf Kindern zurzeit nur noch drei das englische Alphabet nicht beherrschen. Bei meinen kleinen Flöte-Spielern ist eine neue Motivation entstanden, sodass Yonas gestern das ganze Buch durchspielen wollte.
Vor einer Woche haben wir dann Freunden von Ozdyks (unseren Ansprechpartnern) aus Deutschland das CCA gezeigt und waren mit ihnen bei einem Grillfest bei Ozdyks. Das war sehr schön, aber auch krass so Anfang Dezember. Weihnachten spürt man hier leider nicht so. Nur dass wir auf dem Weihnachtsmarkt der deutschen Gemeinde waren. Dort konnte man deutsche und traditionelle Dinge kaufen und Bratwurst essen. Es hat halt so 25 Grad und das ist für uns im Advent sehr ungewohnt. Ich habe aber trotzdem hier meine Wintererkältung seit vielen Wochen. Am Freitag kam dann Weihnachtstimmung auf, weil alle ihre Schuhe geputzt und für den Nikolaus rausgestellt haben. Der kam dann auch in der Nacht und hat allen Orangen und Bonbons gebracht. Ich wurde dann von Tsion am Freitag gefragt, ob der Nicolas Cage nur kommt, wenn’s dunkel ist. Das war sehr lustig.
Da in drei Wochen eine deutsche Reisegruppe kommt und die Kids hier etwas vorspielen wollen, habe ich ihnen ein Krippenspiel übersetzt und das wollen sie jetzt jeden Tag üben.
Momentan ist hier eine super Stimmung unter den Kinder, sodass wir oft Verstecki (auch im Dunkeln) spielen, den ganzen Tag Mensch-ärgere-dich-nicht spielen oder alle zusammen Madagaskar 2 (gibt’s hier schon auf DVD) schauen und sie das dann nachspielen. Wir verbringen auch sehr viel Zeit mit reden z.B. beim Kartoffeln schneiden und das ist echt schön. Von dieser Stimmung lässt man sich voll anstecken und so sprudeln meine nächtlichen Ideen und ich merke, dass ich nur noch acht Wochen hier bin. Was aber nicht bedeutet, dass ich mich nicht auf zuhause freue. In unsere Freizeit machen wir Marmelade (das 2. Mal „Banane-Ananas“), ich backe Rührkuchen nur mit einer Gabel, also ohne Rührbesen und Waage, und wir sind in der Stadt unterwegs. So waren wir heute im deutschen Biergarten. Ich übe aber auch beim Injera-machen und habe am Freitag im zweiten Haus mit der Mehret ein Injerafladen in Form der Deutschlandkarte gebacken.
Wir haben jetzt noch drei Wochen das alltägliche Leben und dann kommen jede Menge Deutsche zu uns und dann geht alles auf das Ende zu.
Ich wünsche euch eine gesegnete Adventszeit, frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Die liebsten Grüße aus Addis
Euer Ann-Kathrin
geschrieben von Ann-Kathrin Kaltenbach am 07.12.2008 um 15:21 Uhr.






