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Buchtipps

Adaobi Tricia Nwaubani:

I Do Not Come to You by Chance

Orion Publishing Group,
ISBN-10: 0753826976  /  ISBN-13: 978-0753826973

Deutsche Ausgabe, übersetzt von Karen Nölle:

Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy

Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423248610  /   ISBN-13: 978-342324861

Dies ist ein zeitgenössischer Roman über das Leben eines jungen Mannes. Aus einem westlich geprägten, Grundwert-stabilen, bildungsorientierten und völlig zukunftslosen Bürgertum West-Afrikas wächst er heraus. Und dann stolpert er mitten hinein in die Realität Nigerias. Er landet in dem Teil der Familie, der bedingungslos den drei Grundwerten Geld, Macht und Familie verpflichtet ist.

Lose folgt der Roman der Erzähllinie eines „Bildungsromans“, oft irgendwie durchs Grenzgebiet zwischen Ironie und Tragödie – aber immer sehr nah an der Realität des nigerianischen Alltags. Und der ist in Nigeria seit dem 1999 geprägt von einem atemberaubenden Wirtschaftwachstum, gepaart mit einer stagnierenden demokratisch-politischen Entwicklung.

Es wird im Buch betrogen, bestochen, abgezockt, per Internet und auch in der direkten Begegnung, sowohl im Inland, als auch im Ausland. Die Autorin lässt nur wenige Vorurteile über das korrupte, kriminelle Nigeria aus. Die Machenschaften werden aber weder entschuldigt, noch verteidigt. Die Menschen sind glaubwürdig und real beschrieben. Kleinkariert, verstrickt, kriminell, korrupt, kompliziert und zugleich grosszügig, bombastisch - aber erstaunlicherweise: nie unsympathisch…
Adaobi Nwaubani erzählt mit der „typisch nigerianischen“, oft nur angedeuteten und irgendwie auch liebevollen Ironie, nie breitgewalzt und zerredend.

Mit dem Ende des Buches nähert man sich als Leser unschwer jener emotionalen Mischung aus Sympathie, Faszination und erschütternder Verzweiflung, die Europäer meist empfinden, wenn sie ausführlicher mit dem modernen Nigeria und seinen kreativen Bewohnern zu tun haben. Aber auch in diesem Gefühlsgemisch bleibt man als Leser (und vermutlich auch als Leserin) auf der lachenden Seite des Lebens. Eben gerade da, wo die Menschen Nigerias auch leben…

Tipp: Unbedingt im englischen Original lesen! Das im Roman gesprochene nigerianische Englisch ist unbezahlbar echt – und eigentlich nicht übersetzbar.

Matthias Hiller, Oktober 2011


Stand: 01.12.2011 (ef)