14.06.2010

16. Juni 1976 - Schüleraufstand in Soweto

Die ganze Welt schaut in diesen Tagen nach Südafrika.

 Die Fußball-Weltmeisterschaft erstrahlt im besten Licht und eine ganz Welt jubelt ausgelassen, heiter und erwartungsvoll. Doch der Weg dahin war lang und schmerzvoll.

Wir erinnern an den Schüleraufstand vom 16. Juni 1976. Es ist 34 Jahre her, dass in Soweto, im größten Township und Armenviertel Afrikas Schülerinnen und Schüler auf die Straße gingen, um gegen die Ungerechtigkeit zu protestieren.
Ihr Mut und Opfer hat die damalige Welt erschüttert. Ihr Opfer war nicht vergeblich. Ein Text von der Autorin Christina Brudereck ruft in beeindruckende Weise jenes Ereignis in Erinnerung.

Am 16. Juni 1976 (vor 34 Jahren also)
gingen die Schülerinnen und Schüler in Soweto
dem größten Township und Armenviertel Südafrikas
nicht zur Schule, sie gingen auf die Straße
wo sowieso viel zu viele von ihnen lebten
und begannen zu tanzen
und zu singen und zu rufen
und zu beten und hielten Plakate hoch:
„wir wollen lernen"
und singen und rufen
und beten und schreiben in unserer Muttersprache
und die Geschichte lernen unseres Vaterlandes
nicht aus der Sicht der Unterdrücker, der weißen Besitzer
aus der Sicht der Bewohner, der schwarzen Kinder Afrikas

Am 16. Juni 1976
gingen die Schülerinnen und Schüler in Soweto
dem größten Township und Armenviertel Südafrikas
nicht zur Schule, sie gingen auf die Straße
„Schüleraufstand" nannte man das später
weil sie sich an diesem Tag nicht hinsetzen wollten
auf die viel zu kleinen Stühle
in den viel zu engen Reihen
in den viel zu vollen Klassenräumen
ohne Türen und Fenster
weil sie nicht mehr lesen wollten in Afrikaans
die viel zu kleinen Ausschnitte einer großen Geschichte
„Schüleraufstand" nannte man das später
weil sie an diesem Tag aufstanden am Morgen
und sich nicht wie sonst in die Reihe setzten
sondern vollkommen aus der reihe tanzten

Am 16. Juni 1976
rückte die Polizei an in Soweto mit Tränengas
aber die Schülerinnen und Schüler
hatten schon so viel geweint aus anderen Gründen
dass sie sich nicht verjagen ließen
da kamen sie mit gewaltigen Waffen
stellt euch vor
Polizei und Militär, Panzer und Munition
fühlten sich bedroht von Kindern
die lesen und schreiben lernen wollten

Am 16. Juni 1976
starben in Soweto 566 Kinder

Das aber war nicht etwa das Ende des Schüleraufstandes
sondern das Beispiel machte Schule
und löste endlich nach langem Sitzenbleiben
den Widerstand aus
es waren die Kinder, die lesen und schreiben wollten
und die heute
erwähnt werden in jedem neuen südafrikanischen Geschichtsbuch
zu lesen in 26 afrikanischen Sprachen und in Englisch und Afrikaans


(aus: Christina Brudereck: Mutanfall © 2006 SCM Collection im SCM Verlag GmbH & Co. KG, Witten)

Jesus spricht: „Selig sind, die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden...Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich." (Mth. 5, 6+10). Diese Seligpreisung Jesu ist ein Stück Wirklichkeit geworden.

Franz Röber

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