23.07.2013 - Autor: Eberhard Fuhr

Anpacken und Hände falten

Marcus Witzke als Geschäftsführer des ejw verabschiedet

Für Jürgen Kehrberger, den Fachlichen Leiter des ejw, war es nach vielen Grußworten am Ende der gestrigen Verabschiedung von Marcus Witzke klar. „Das Jugendwerk hat Marcus Witzke viel zu verdanken. Aber auf andere Weise gilt auch: Marcus Witzke hat dem Jugendwerk viel zu verdanken. Als junger Mensch wurde er von einem Mitarbeiter angesprochen. Er hat dann einmal einen Grundkurs gemacht. Er  wurde in der Jugendarbeit von Gott gesucht und gefunden und wurde auch dadurch zum Geschäftsführer des ejw.“ Gottfried Heinzmann, der Leiter des ejw, bezeichnete Marcus Witzke als guten Teamplayer, der gerne Grenzen auslotet, Neues anpackt und für den das Beten wichtig sei. „Nicht nur anpacken, sondern Hände falten, nicht nur reden, sondern auch vor Gott still werden. Nicht nur nach vorne streben, sondern auch nach oben sehen.“

An den Bedürfnissen der Jugendlichen orientieren

Zuvor ging Rolf Lehmann, Ministerialdirektor a. D. und ehemaliger Vorsitzender des ejw der Frage nach, wie sich Jugendarbeit der Zukunft organisiert. „Wer die Zukunft gestalten will, muss wissen, wo er herkommt, seine Wurzeln kennen. Und wer an die Wurzeln denkt, muss im Wortsinn radikal sein.“ In seinem Impulsvortrag zeigte er auf, wie sich die evangelische Jugendarbeit in den letzten fünfzig Jahren entwickelt hat. „In dieser Zeit entstanden Freizeiten, Lager und Häuser weil es für Jugendliche gar keine andere Möglichkeit gab, Ferien zu machen.“ Neben der Orientierung an der Bibel sei es auch wichtig gewesen, sich an den Bedürfnissen der Jugendlichen zu orientieren. „Die Not junger Männer, die in die Großstadt kamen, wurde ernst genommen. Wohnheime und Begegnungsstätten entstanden, davon eines der modernsten Europas in der Stuttgarter Furtbachstraße, vor über 100 Jahren.“  Auch das Freiwillige Soziale Jahr sei in der Evangelischen Jugend entstanden. Er bedaure nicht, dass es viele von den Einrichtungen heute nicht mehr gebe. Aber für die Zukunft der Jugendarbeit stellte Lehmann die Frage: „Wo ist Neues, Not-wendendes heute?“ Dabei gehe es um die Not derer, die nicht zu den Angeboten der evangelischen Jugendarbeit kommen würden. „Ob es an uns liegt, dass junge Menschen sich überall zunehmend engagieren, während wir nach ihnen suchen?“

Mehr Vertrauen statt Strukturen gefragt

Kritisch ging Lehmann auf die kirchlichen Strukturen ein. „Im kirchlichen Bereich ist es üblich, zeitbedingt entstandene Strukturen mit ewig-biblischen Wahrheiten zu verwechseln und sich für ihre Erhaltung glaubensstark zu verkämpfen.“ Dies würde zu Erstarrung führen. „Demokratische Strukturen sind genauso wenig biblisch wie alle anderen Beteiligungsformen. Sie sind zeitbedingte und deshalb zeitlich begrenzte Notbehelfe auf dem Weg ins Reich Gottes. Nur einer ist ewig.“ Er stellte fest, „je institutionskritischer besonders die Menschen wurden,  umso institutioneller und verkirchlichter wurden die Werke".  So stellte er die Frage ob nicht heute oder in Zukunft die Zeit sei, in der statt organisatorischer Strukturen wieder mehr Vertrauen aufgebaut werden müsse, und wie ein solches Vertrauen auch mit Gottvertrauen im Zusammenhang stehen würde.

Jugendarbeit – frei und beweglich

Bei der Frage nach den Strukturen regte Lehman an, darüber nachzudenken, wie das ejw wieder ein wirklich freies Werk werden könne, etwa in Form einer kirchlichen Stiftung. „Frei und beweglich. Zurück zu den Wurzeln". Eine zukunftsorientierte Kirche müsste daran selbst das größte Interesse haben.“ Gottes Wille sei es nicht, Strukturen, Formen, Gremien und Häuser zu erhalten. „Gott will mit uns in die Welt hinein. In dieser Welt zu leben und zu wirken als ob es schon ein Stück Reich Gottes wäre – weil Gott diese Welt liebt – das ist erhellendes und wärmendes Licht. Und weil Jesus Christus das Licht dieser Welt ist, dürfen seine Schwestern und Brüder auch ein wenig Licht sein“ so Lehmann.

Zitate aus den Grußworten an Marcus Witzke

„Danke für deinen sorgfältigen Umgang mit den uns anvertrauten Finanzen. Danke für alle Ideen, wie wir mit weniger Geld mehr erreichen können. Danke für vorausschauendes Handeln, das uns oft vor unangenehmen Überraschungen bewahrt hat.“

"Du hast gezeigt, wie sich unternehmerisches Denken im ejw positiv für die Landeskirche auswirkt."

(Andreas Lämmle, Vorsitzender des ejw)

„Für den Neuaufbau einer Stiftung ist Marcus Witzke bestens vorbereitet. Was du im ejw-Förderverein und der ejw-Stiftung als Geschäftsführer in deiner "Lehr- und Gesellenzeit" gelernt hast, kann nun zum Meisterstück werden.“

(Hermann Hörtling, Vorsitzender ejw-Förderverein e.V.)

„Marcus Witzke war für das ejw und die Landeskirche als Geschäftsführer des ejw nicht nur ein Glücksgriff. Du warst ein Geschenk, ein Gottesgeschenk.“

„Danke sage ich im Namen der Landeskirche. Danke ganz persönlich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, die gute Weggemeinschaft, die kurzen, klärenden Telefonate, danke für allen Einsatz, übrigens auch für das Tagungsstättenmanagement mit all seinen Herausforderungen.“

(Oberkirchenrat Werner Baur, Evangelische Landeskirche in Württemberg)

 „Lösen, nicht problematisieren, das ist dein Ding.“

„Unbürokratisch, kreative Regelauslegung auch kirchlicher Gesetze. Wenn es darum ging, Stellen zu schaffen, den Spielraum zu erweitern – das war Dein Ding.“

„Wenn es um Menschen ging, hast du immer ein großes Herz gehabt.“

(Bernd Wildermuth, Landesjugendpfarrer)

„Du hast vieles gemacht und du hast vieles einfach gemacht.“

„Wir danken dir auch für den Raum der Stille, den du ermöglicht hast und der im Jugendwerk zu etwas ganz Besonderem geworden ist.“

„Du hast das ejw am Herzen getragen und auch persönlich erlebt, dass leiten immer auch mit leiden verbunden  ist“.

(Rainer Rudolph)

Schlusswort Marcus Witzke

Bei seinem Schlusswort benutzte Marcus Witzke in Anlehnung vom vierfachen Ackerfeld das Bild von vier Bäumen. Dabei bezeichnete er seine Tätigkeit als „Baumwart“, nicht als Besitzer der Bäume:

  • Spalierbaum
  • großer alter Baum, der keine Früchte mehr trägt
  • frisch gepflanzter junger Baum
  • großer Baum, der voll im Saft steht und Ertrag bringt

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Eberhard Fuhr
ejw-Landesreferent für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising

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