06.11.2008 - Autor: rr

Beispiellose Spendenkampagne in Winterbach

Neuer Förderkreis christliche Jugendarbeit finanziert künftigen Diakon

Winterbach - Das hat es in Winterbach noch nicht gegeben: Der evangelische Kirchenbezirk zieht den Jugenddiakon Martin Birkhold ab – und flugs bildet sich ein gemeinnütziger Verein, der die Lücke aus eigenen Kräften schließen will.


Fast 100 Unterstützer kamen am Donnerstagabend ins evangelische Gemeindehaus und gründeten den "Förderkreis christliche Jugendarbeit Winterbach".


Sein Hauptzweck: Geld sammeln für die Anstellung eines hauptamtlichen Diakons – und zwar dauerhaft.


"Wir haben eine neue Seite aufgeschlagen in der Geschichte unserer Kirchengemeinde", sagte Frieder Erhardt, der von den Gründungsmitgliedern einstimmig zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde. "Meine Bitte ist, dass wir den Schwung jetzt ausnutzen und jeder noch andere in seinem Bekanntenkreis anspricht." Einige Interessenten hatten sich schon vorab schriftlich gemeldet, so dass der Verein bereits jetzt 130 Mitglieder hat, von denen jeder mindestens 50 Euro im Jahr bereitstellt.


Eine in Winterbach beispiellose Spendenkampagne ist damit angelaufen. Jedes Jahr sollen mindestens 16 000 Euro zusammenkommen. Die Kirchengemeinde und der CVJM schießen zusätzlich jeweils 4000 Euro dazu. Zusammen reicht das für eine halbe Stelle. "Wir wollen im kommenden Jahr mit 50 Prozent beginnen und dies dauerhaft absichern und durchhalten", sagte Pfarrer Joachim Botzenhardt. Aber vielen im Saal war die Hoffnung ins Gesicht geschrieben: Da geht vielleicht noch mehr, vielleicht sogar eine 100-Prozent-Stelle.


"Was nicht ist, kann ja noch werden", sagte Botzenhardt – und spielte damit auch auf mögliche weitere Projektpartner neben der Kirchengemeinde und dem CVJM an: Es sei eine "offene Frage", ob künftig vielleicht auch die Landeskirchliche Gemeinschaft und die katholische Kirchengemeinde mitmachen.


Einer der Gründungsmitglieder zitierte in diesem Zusammenhang sogar den katholischen Kirchenvater Thomas von Aquin (1225-1274): "Es passiert nichts Böses in der Welt, ohne dass auch etwas Gutes dabei entsteht." Soll heißen: Aus der Not des künftig fehlenden Diakons Birkhold macht Winterbach eine Tugend, einen Neuaufbruch. Nicht weniger, sondern noch mehr Jugendarbeit soll es künftig geben. Neue Ideen sind gefragt.


Schon jetzt betreuen die ehrenamtlichen Mitarbeiter jede Woche rund 350 Kinder und Jugendliche, bei Ferienangeboten und Projekten sogar 500. "Sie leben mit ihnen die christlichen Grundwerte, teilen die Erfahrung des Angenommenseins von Gott", erklärt der CVJM-Vorsitzende Jürgen Berghold. Eine Hauptaufgabe des Diakons sei es, diese ehrenamtlichen Mitarbeiter zu gewinnen, zu begleiten und zu unterstützen. Er oder sie soll die kirchliche Jugendarbeit koordinieren und besondere Projekte wie Freizeiten, Waldheime und Kinderbibelwochen vorbereiten.


Pfarrer Botzenhardt machte dem Förderkreis Mut: "Andere Kirchengemeinden wie Urbach haben das schon gemacht und gute Erfahrungen damit." Aber er warnte auch vor Übermut: "Trotz guter Beteiligung haben wir noch Luft nach oben."

Bernward Loheide


Quelle: Schorndorfer Nachrichten vom 18.10.08

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