16.07.2006 - rr

CVJM-Weltratstagung in Durban

Morgengebet am Strand, Abendsegen beim Staats-Präsidenten - dazwischen viel Aids und Elend









Die Sonne geht auf. Ein feuerroter Ball schiebt sich langsam und dramatisch aus dem Morgennebel über dem indischen Ozean. Und es ist noch fröstelnd kühl – immerhin ist hier im Süden Winter- als sich mehrer hundert Leute am Strand einfinden. Der Chor steht schon am Strand. Und uns wird schnell warm, als die Loblieder beginnen und sich auch die Sonne aus dem Dunst hebt. Die Morgenandacht wird gestaltet von Mitgliedern der Kommunität Iona in Schottland. Und so stehen wir bald mit nackten Füssen im nassen Sand der Brandung und ahnen etwas von der Grösse Gottes.


Zurück auf dem Trockenen leitet uns Kathy Galloway von der Kommunität Iona in Schottland zu einem tieferen Verständnis Jesu. Seine Hingabe und sein Umgang mit den Menschen bei der Speisung der viertausend macht viele nachdenklich. Und vor der grossartigen Kulisse des Sonnenaufgangs ist dies vielleicht auch genau der richtige Anfang für den Tag.

Denn heute teilt sich die Tagung auf und taucht ein in die Vielfalt Südafrikas. Denn dieses Land kann man nicht vom Hotelzimmer oder Konferenzstuhl aus verstehen.


So verlassen unzählige Busse gefüllt mit CVJM-Leuten Durban. Die Ziele sind so vielfältig, wie das Regenbogenland: Die Versöhnungs-Kommission nach der Apartheid ist Thema, aber auch der Kampf der Schwarzen für Gerechtigkeit. Die Towhnships der schwarzen und manchmal auch indischen Bevölkerung sind bis heute Armenviertel geblieben. Und ein grosses, schweres Thema Südafrikas ist HIV. Das Zululand um Durban ist der Landstrich mit der höchsten HIV-Rate der Welt. Unser Bus rumpelt über die Erdstrasse zu einem Projekt einer lokalen Kirche und des CVJM.


Die "Caretaker"-Frauen erwarten uns schon. Sie sind selbst arm und leben hier. Ihr einziges Arbeitsmittel ist ein Rucksack, darin etwas Essen und Seife. So gehen sie zu Fuss durch die Viertel und versorgen die Menschen, die mit Aids in den Hütten liegen. Denn fast immer werden die Aids –Kranken von ihren Familien abgelehnt. Die Aufklärung über Aids ist hier noch längst nicht gelungen. Erst dieses Jahr geschah es wieder: Als die Nachbarschaft von der HIV-Infektion eines Mädchens erfuhr wurde sie eines Nachts vor ihrer Hütte erschlagen. So gross ist die Angst und die Unwissenheit über HIV und Aids noch immer. Deshalb gehen die Caretaker-Frauen von Haus zu Haus, pflegen die Aids-kranken und klären die Familien auf.


Einige von uns kommen zurück in die Kirche. Wir sitzen mit einer kleinen Familie zusammen. Beide Eltern sind HIV-positiv. Der kleine Sohn mit 16 Monaten wackelt neugierig zwischen den Kirchenbänken umher. Wie durch ein Wunder ist er HIV-negativ. Dann erzählen die beiden:

Aus ihrer Krankengeschichte wird schnell klar: Sie werden wohl beide die Einschulung ihres Kindes nicht erleben. Als sie dann weiter erzählen, dass die Beamten der Regierung ihre Sozialhilfe immer wieder verzögern und kürzen, können einige von uns ihren Schmerz nicht mehr verbergen. Viel mehr als schweigend bei den Eltern sitzen, gelingt uns nicht. Auch unsere Versuche, mit dem Kind zu spielen, wirken wohl eher hilflos. Unser Abschied und der Weg zurück zur Konferenz sind sehr, sehr still.


Doch nach der Rückkehr zum grossen Konferenz-Zelt bleibt nicht viel Zeit. Wir müssen uns umziehen zum Empfang. Denn der südafrikanische YMCA hat den Fotografen Peter Mugabene gewinnen können, zur Vollversammlung eine Ausstellung zu gestalten. Peter Mugabene hat seit 1955 bis heute Südafrika in Bildern festgehalten. Er hat Nelson Mandela über all die Jahre begleitet. Und heute ist der Vorabend seines 88. Geburtstages. So hat Mugabene die Ausstellung für Mandela gestaltet: "Man of Destiny" umfasst mehr als 50 Jahre des Lebens von Nelson Mandela – Und die Ausstellung wird im Rahmen der CVJM-Weltrats-Tagung eröffnet.


Und der Empfang ist eindrücklich. Staatspräsident Thabo Mbeki kann nicht dabei sein, da er noch zur Vorbereitung der WM in Deutschland ist. Aber sein Stellvertreterin Mrs. Phumzile Mlambo-Ngcuka hält eine für alle erstaunliche Rede. Sie kennt nicht nur die Details der YMCA Geschichte und steuert einige Anekdoten aus der CVJM-Gründung in Südafrika bei. Sie fordert die CVJMs der Welt auch heraus, an der Veränderung mitzuwirken. So wie der CVJM zur Überwindung der Apartheid in Südafrika beigetragen hat, müsste er heute an der Veränderung der Welt mitarbeiten.





Kann das den CVJMs der Welt gelingen: An der Veränderung der Welt mitwirken - und gleichzeitig Situationen, wie in den townships Südafrikas aushalten?

Nach den Erfahrungen dieses Tages ist dies wohl ebenso "unmöglich",

wie mit einigen Broten und Fischen 4000 Leute zu verpflegen…


Matthias Hiller ejw/CVJM-Weltdienst


mehr zur Weltratstagung: www.ymca.int



Weltratstagungen finden alle 4 Jahre statt. Sie bringen die "CVJM-Welt" zusammen, um Einheit, Nachfolge und Verständnis innerhalb der CVJM-Mitglieder zu schaffen. Diese Tagungen haben das Ziel, die "Gesundheit" und den Einfluss der Bewegung zu überprüfen, indem sie die vergangen vier Jahre Revue passieren lassen und indem sie die strategische Richtung der weltweiten CVJM für die nächsten vier Jahre festlegen.


Um diese Ziele zu erreichen, steht die diesjährige 16te Weltratstagung (in Durban, Südafrika) unter dem Motto "Ubuntu: gemeinsam nach Leben und Frieden streben", ein Motto, das den afrikanischen Kontext widerspiegelt und das jedem Teilnehmenden erlaubt, ihre oder seine Geschichte mit anderen CVJMern zu teilen.



Das Logo der Weltratstagung...

... versinnbildlicht das Motto "Ubuntu".


"Ubuntu" kommt aus der Sprache der Zulus und bedeutet:

"eine Person ist eine Person durch andere Menschen; meine Menschlichkeit ist untrennbar mit deiner verwoben." (Erzbischof Desmond Tutu, 1994).


 

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Werner Baur

Oberkirchenrat

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