12.02.2007

Das Miteinander der Religionen braucht Bildung und Begegnung

Junge Christen und Muslime diskutieren das Verhältnis von Demokratie und Religion

20 junge Muslime und Christen, sowie eine Hindu zwischen 18 und 28 Jahren diskutierten vom neunten bis elften Februar 2007 in der Jugendherberge Ludwigsburg über ihre Vorstellungen von Demokratie und Religion. Veranstalter des interreligiösen Wochenendseminars waren die Muslimische Jugend Deutschlands (mjd), die Katholische Junge Gemeinde der Diözese Rottenburg/Stuttgart (kjg), das Amt für Evangelische Kinder- und Jugendarbeit Baden (ejuba), sowie das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (ejw). Das Wochenende wurde im Rahmen des Projekts "Jugend im Wertall" der Landesstiftung Baden-Württemberg durchgeführt.


Themen wie das Wesen von Demokratie und Religion, die Trennung von Staat und Religion, Gewalt und Religion, Religionsfreiheit, christlicher und muslimischer Religionsunterricht, und Fragen zu den einzelnen Religionen standen im Mittelpunkt der Diskussionen. In einer guten Mischung von "Respekt und Respektlosigkeit" entwickelte sich eine offene, kritische und wertschätzende Debatte. Neben allen Unterschieden in der religiösen Praxis und in diversen theologischen Fragen, wie z.B. dem unterschiedlichen Schriftverständnis von Muslimen und Christen oder der unterschiedlichen Rechtfertigungstheologie wurden viele gemeinsame gesellschaftliche Ziele von den religiösen Jugendlichen herausgearbeitet. Zentral war die Vision eines bereichernden und friedlichen Miteinanders von Menschen unterschiedlicher Religion in Deutschland und der ganzen Welt.


Höhepunkt des Seminars war der Besuch im Landtag von Baden-Württemberg. Im Gespräch mit Brigitte Lösch, MdL, Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen, bekam diese viel Bestätigung für ihre Politik in der Kopftuchdebatte. Die Jugendlichen vertraten die Auffassung, dass das Kopftuch als religiöses Symbol zu sehen ist. Sie betonten, dass sie keine religionsfreie Schule und keinen religionsfreien Kindergarten wollen. "Kreuz, Tracht und Kopftuch sind Symbole, die Religionszugehörigkeit verdeutlichen und damit Transparenz schaffen," so eine junge Muslima. Ebenso vertraten die Jugendlichen die Meinung, dass die Zunahme von muslimischen Kopftuchträgerinnen vor allem auf die Zunahme von Religiosität insgesamt zurückzuführen ist und nicht auf mangelnde Integration von Muslimen.


Einer der Referenten des Seminars war Aiman A. Mazyek, der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Er führte aus, dass es keine Rivalität zwischen dem Koran und dem Grundgesetz gäbe. Es sei völlig klar, dass für Muslime die Rechtsordnung des Landes Gültigkeit habe in dem sie leben. Mit dem Islam sei keine Staatsform festgelegt. "Ich kann mir gut eine islamische Demokratie vorstellen, die souverän ist, aber ihre Werte aus dem Islam schöpft", so Mazyek weiter.


Auch Klaus Sturm, der Leiter des ejw, sieht die Religionen als Wertestifter in einer Demokratie. In seinen Ausführungen zitierte er den Satz des ehemaligen Verfassungsrichters Ernst-Wolfgang Böckenförde: "Der Staat lebt von Vorgaben, die er selbst nicht machen kann." Aus Sicht von Sturm ist es wichtig, dass dem Wissen und der Bildung auf dem Sektor der Religionen höchste Priorität zukommt. Nichtwissen und Halbwissen seien die Feinde jeglichen friedlichen Zusammenlebens. Die ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rief der Leiter des ejw zum Dialog mit den anderen Religionen auf: "Wir müssen unsere Augen und Ohren öffnen und zu Begegnungen bereit sein und alle Gelegenheiten dafür nutzen."


 

Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) koordiniert, fördert und gestaltet die evangelische Jugendarbeit in Württemberg. Unser Ziel ist es, junge Menschen zum Glauben an Jesus Christus einzuladen, ihren Glauben im Alltag zu stärken und sie bei ihrem Engagement für Jugendarbeit und Gesellschaft zu unterstützen. Kurz gesagt: begegnen, begleiten und befähigen. Deshalb unterstützen wir Kinder, Konfirmanden, Jugendliche, Familien und (junge) Erwachsene über unsere sinnstiftenden Arbeitsbereiche, Veranstaltungen, Bildungsangebote und Reisen. Zudem bringen wir die einzelnen Jugendwerke vor Ort sowie in den Bezirken voran. Als größter konfessioneller Jugendverband in Baden-Württemberg bieten wir jährlich circa 306.000 jungen Menschen regelmäßige und circa 462.000 einmalige Angebote. Wir arbeiten selbstständig im Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und mit einem großen Netzwerk an Partnern. Mehr über uns erfahren Sie unter www.ejwue.de/ueber-uns/wer-wir-sind/ 

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Rolf Lehmann

Bürgermeister a. D. / Ministerialdirektor i. R.

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