25.09.2005 - Autor: Edgar Hälbich

Den Trend verpennt

Landesbischof July und Sozialminister Renner appellieren für mehr Kinder in Deutschland





















Stuttgart – Sowohl der Staat wie auch die Kirche haben die Aufgabe, Deutschland wieder zu einem kinderfreundlichen Land zu machen. Diese Ansicht haben der württembergische Landesbischof Frank Otfried July und Baden-Württembergs Sozialminister Andreas Renner gestern auf dem Jugendtag des Evangelischen Jugendwerks in Würt-temberg (ejw) in Stuttgart klar zum Ausdruck gebracht. Die beiden Entscheidungsträger tauschten bei einer Gesprächsrunde zum Thema "Baustelle Zukunft in Kirche und Land" im Stuttgarter Rathaus ihre Meinung zu gesellschaftspolitischen Themen aus.


"Ich fände es schlimm, würde sich die Kirche aus dem sozialen und gesellschaftspolitischen Bereich zurückziehen", sagte Renner und forderte, dass Kirche und Staat den Auftrag, den dramatischen Geburtenrückgang in Deutschland zu bekmpfen, gemein-sam erfüllen müssen. Eine Meinung, der sich July vorbehaltlos anschloss. Der Landesbischof sagte auch, dass das traditionelle Familienbild längst nicht so schlecht sei, wie es lange Zeit in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden sei. "Wir haben viel zu lange das herkömmliche Familienbild abgewertet und nur die anderen Modelle bevorzugt", so July.


Eine Mitschuld dafür, dass heute in der Bundesrepublik so wenig Kinder zur Welt kom-men wie noch nie zuvor, gibt Renner auch der Politik. "Wir haben lange Zeit geglaubt, es schon alles von allein und die Probleme werden sich schon von selbst lösen, des-halb ist die Politik ein Stück weit sicherlich mitverantwortlich für die Situation, in der wir uns jetzt befinden.


Das schlechte Image, das die Jugend in breiten Teilen der Öffentlichkeit hat, ist nach Ansicht des Sozialminister nicht gerechtfertigt. "Die Jugendlichen sind heute stärker engagiert als noch zu meiner Zeit", sagte er. Zudem attestierte Renner den jungen Menschen von heute ein größeres Maß an Ehrgeiz als noch vor einigen Jahrzehnten.


Einen Grund für die Geburtenflaute glaubt der Landespolitiker darin zu sehen, "dass wir heute in unserer Gesellschaft keine positive Einstellung zu Kindern haben". Dafür spricht, dass es heute in achtzig Prozent aller Haushalte in der Landeshauptstadt keine Kinder gibt. Die demografische Verschiebung, davon ist July überzeugt, werde sich mit-telfristig auch auf die Kirchen auswirken. "Wir haben das Problem viel zu lange ignoriert, und ich glaube auch nicht, dass wir den Hebel in absehbarer Zeit werden umlegen kön-nen." Selbst wenn jede Familie ab morgen ein Kind mehr habe, werde das Ergebnis erst in fünfzig bis sechzig Jahren zu sehen sein. "Deshalb", so der Bischof, "muss die Kirche stark für ihre Kinder und Jugendlichen eintreten, sie nicht als Störfaktoren be-trachten."


Dass, wie viele Politiker glauben, die öffentliche Hand auf Grund des Geburtenrück-gangs für die Kinder- und Jugendarbeit künftig weniger Geld wird ausgeben müssen, hält Andreas Renner für eine Fehlkalkulation. "Wir werden im Gegenteil noch mehr Geld ausgeben müssen, weil wir ein ausgeklügeltes System entwickeln müssen." Nur so könne gewährleistet werden, dass Familien über ein entsprechendes Einkommen ver-fügen, um ihre Kinder zu ernähren. Dass Baden-Württemberg und Bayern im Vergleich zu anderen Bundesländern noch relativ gut dastehen, was den Geburtentrend angeht, führt der Minister unter anderem darauf zurück, dass im Süden Deutschlands die kirch-lichen Strukturen noch stärker sind und dass Bayern und Baden-Württemberg wirt-schaftlich erfolgreicher sind als die anderen Bundesländer.


Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Deutschland kinderfreundlicher wird, ist nach Meinung Julys ein respektvoller Umgang der Generationen miteinander. "Jung und Alt müssen miteinander diskutieren, in dieser Hinsicht kann uns das Evangelium noch viel lehren. Die Jüngeren sollten die Älteren respektieren, und die wiederum müssen vermit-telt bekommen, dass sie eine Mitverantwortung für die Jugendlichen und damit für künftige Generationen tragen."


Dass gespart werden muss, darin sind sich der Minister und der Landesbischof einig. "Die Finanzpolitik muss so gestaltet werden, dass wir keine Schulden mehr machen", so Renner. Dies bedeute, dass die Haushalte, aber auch die sozialen Sicherungssysteme konsolidiert werden müssen." "Geld kann und muss in allen Subventionstatbeständen eingespart werden", sagte er in aller Deutlichkeit. July machte ebenso unmissverständ-lich klar, dass auch in der Kirche gespart werden muss, "aber es wäre falsch, an der Nachwuchsarbeit zu sparen, denn die Kinder und Jugendlichen sind unsere Zukunft."


Foto:

Landesbischof Frank July, Moderator und Sozialminister Andreas Renner beim Gespräch im Stuttgarter Rathaus.

Foto: Edgar Hälbich



www.jugendtag-2005.de.


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