01.06.2022 - Karl Wagner (VCP Württemberg) - Redaktion: Eberhard Fuhr (EJW)

Ein Platz der Freiheit

Der Schachenstein, ein Lochkalkfindling mit Bronzeplatte. Diese trägt die Inschrift: Das größte Glück findet ihr darin, andere glücklich zu machen. Ein Satz aus dem Abschiedsbrief von Lord Baden Powell, dem Gründer der Pfadfinderinnen und Pfadfinderbewegung. (Foto: VCP Württemberg)

Jubiläumsfest des VCP Württemberg auf dem Schachen

Der Festgottesdienst am 29. Mai 2022 zum 60-Jahr Jubiläum der Schachenhäuser bei Münsingen und der Einweihung der grundlegend barrierefrei neu gestalten Sanitärgebäude des Zeltplatzes wurde mit der Schachenglocke eingeläutet, die vor 60 Jahren bei einem Landeslager der christlichen Pfadfinder gegossen wurde. In der großen Jurtenburg waren über 150 Gäste versammelt, als der Bezirksbläserchor Bad Urach-Münsingen den Gottesdienst musikalisch eröffnete. Der Reutlinger Prälat Markus Schoch, wie so viele Ehrengäste zum ersten Mal auf dem Schachen, hielt die Predigt zu einem Abschnitt aus der Bergpredigt nach Matthäus. Es ging um den Hausbau, passend zum Festanlass. Auch ein typisch schwäbisches Thema. Aber vor allem gilt es, sein (Lebens-)Haus auf guten und sicheren Grund zu stellen, auf die Worte des Evangeliums zu hören und für andere da sein. Prälat Schoch erläuterte dies am Pfadfindergruß: Die Verpflichtung gegenüber sich selbst, gegenüber Gott, und der Gesellschaft ernst zu nehmen. Schwache schützen und sich für Frieden einzusetzen. Prälat Schoch schloss mit Amen und „Gut Pfad“. Für das Pfadfinderlied „Flinke Hände, Flinke Füße“ hatte Peter Mayer extra einen Bläsersatz komponiert, der richtig Stimmung in die Festgemeinde brachte und eine gleichzeitig eine Weltpremiere bedeutete. Das war einfach klasse, und kaum jemand ließ es sich nehmen, Händen und Füße im Rhythmus zu bewegen.

Festakt

Die anschließende Runde der Grußworte moderierte Daniel Bessert, Vorsitzender des Verwaltungsrates des VCP in Württemberg, mit viel Humor. Der Reutlinger Landrat Dr. Ulrich Fiedler, der Münsinger Bürgermeister Mike Münzing, Pfarrer Cornelius Kuttler, der Leiter des EJW und Christina Lauk als Mitglied der ehrenamtlichen Landesleitung gratulierten zum Jubiläum und machten Mut für die Zukunft. Das Pfadfinderzentrum Schachen sei „eine Perle im Biosphärengebiet und einer der schönsten Plätze im Landkreis“ – so die beiden Kommunalpolitiker unisono. Daniel Bessert konnte berichten, dass dank vieler Spender*innen aus dem Verband und zahlreichen Zuschüssen, so von Firmen, von der Stadt Münsingen, der evangelischen Landeskirche und von Aktion Mensch die Baumaßnahme fast finanziert sei. Dafür sprach er allen Unterstützer*innen herzlichen Dank aus.

Der Schachenstein wird eingeweiht

Vier Pfadis hatten es sich nicht nehmen lassen, anlässlich des Jubiläums des Pfadfinderzentrums als Schachenstein einen Lochkalkfindling mit Bronzeplatte zu stiften. Diese trägt die Inschrift: "Das größte Glück findet ihr darin, andere glücklich zu machen". Ein Satz aus dem Abschiedsbrief von Lord Baden Powell, dem Gründer der Pfadfinderinnen und Pfadfinderbewegung, einer weltumspannenden auf Frieden ausgerichteten Jugendarbeit, die in mehr als 200 Ländern 45 Millionen junger Menschen erreicht. Landrat Dr. Fiedler und Bürgermeister Mike Münzing enthüllten den Stein und der Künstler David Verstege erläuterte das Werk. Mit dem Lied Hewenu shalom alejchem und einem Umtrunk wurde dieser Programmteil abgerundet.

Zeitzeug*innen berichten

Am Festnachmittag versammelten sich dann in einer Jurte mehr als 50 Interessierte zu einer Zeitzeug*innenrunde, die von Karl Wagner moderiert wurde. Sechs Pfadfinderinnen und Pfadfinder berichteten aus mehr als sechs Jahrzehnten Schachengeschichte, die sie selbst erlebt und aktiv mitgestaltet hatten sei es als Ehren- oder Hauptamtliche.  Durch einen in Hundersingen ansässigen Pfadfinder kam die Entwicklung in den 50-er Jahren in Gang; erst der Zeltplatz, ab 1962 die Häuser und ab den 70er Jahren mit den Sanitärgebäuden, die koedukative Veranstaltungen erst möglich machten.
Allen Zeitzeug*innen nannten Aspekte, die für sie auf dem Schachen in ihrer aktiven Zeit wichtig waren:

  • Der Schachen soll auch künftig ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche Freiräume haben, um Neues auszuprobieren: Leben in der Natur, Gemeinschaft in einem christlichen Geist erleben und Regeln für das Leben in der Gemeinschaft erproben und entwickeln
  • Der Schachen war und soll bei Zeltlagern und Schulungen ein Platz der Freiheit und des ungezwungenen Beisammenseins sein, auch um gesellschaftlich geprägte Rollenbilder zu hinterfragen und individuelle Fähigkeiten im handwerklichen, musisch-technischen, sportlichen Feld und im Bereich des politischen Lernens zu erwecken und zu fördern

Dass auch manch lustige Geschichten ergänzt wurden, sei nur am Rande erwähnt. Die Ge-sprächsrunde ging pfadfindergemäß mit dem Lied „Nehmt Abschied, Brüder (und Schwestern)“ zu Ende und der Kreis wurde geschlossen, wobei manche Träne verdrückt wurde. Ein beindruckender Nachmittag, an dem man mit Händen greifen konnte, welchen Zauber der Schachen auslösen kann.

Es war ein toller Jubiläums- und Festtag!

Ein abwechslungsreiches Programm, fast kein Regen und gutes Essen und Trinken. Die Verpflegung für alle Gäste wurde von Mitgliedern des Freundes und Förderkreises des VCP in Württemberg e.V. zubereitet und ausgegeben. Linsen mit Spätzle und Maultauschen mit selbstgemachten Kartoffelsalat, nachmittags ein Kaffee- und Kuchenbuffet – es fehlte an nichts. Allen, die hier hinter Kulissen im Einsatz waren, gebührt ein herzliches Dankeschön! Das war großartig!

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