24.03.2006

Evangelische Landessynode beschäftigt sich mit dem Islam

Landesbischof July fordert für Abdul Rahman Menschenrecht auf Glaubensfreiheit

Stuttgart. Die Synode der Evangelischen Kirche in Württemberg befasst sich heute, am 24. März, auf ihrer Frühjahrstagung mit dem Islam. Landesbischof Frank Otfried July sprach die Situation des mit der Todesstrafe bedrohten afghanischen Christen Abdul Rahman an. Wiederholt forderte July für Rahman die Anerkennung des Menschenrechts auf Glaubensfreiheit und damit die Einstellung des in Afghanistan laufenden Gerichtsverfahrens. Der Landesbischof bat aber darum, dass sich die Situation Rahmans nicht "wie ein Schatten" über die Diskussionen des Tages legen möge.




Der Kirchenbeauftragte der Landesregierung, Staatssekretär Rudolf Böhmler, machte in seinem Grußwort an die Landessynode die Bedeutung der Kirchen für den Dialog und das Zusammenleben mit Muslimen im Land deutlich. "Aus Sicht der Landesregierung ist der Beitrag der Kirchen hierzu unverzichtbar", sagte Böhmler. Er wünsche sich, "dass es eine Selbstverständlichkeit würde, dass Kirchengemeinden zum Advent oder zur Osterzeit zu sich einladen würden". Böhmler führte weiter aus, dass selbst frühere Gegner der Kirche inzwischen einräumten, "dass ohne christliche Beiträge und ohne religiöse Substanz Integration und Zusammenleben kaum gelingen werden." Er zeigte sich überzeugt, dass "nur das von gegenseitiger Achtung geprägte und vor allem das geduldige Gespräch vieler Menschen auf allen Ebenen" die Situation weiterbringen würden.




Der Religionswissenschaftler Prof. Stefan Schreiner konstatierte sowohl für die islamische Welt als auch für die christlich geprägten Länder eine Wiederkehr der Religion in Politik und Gesellschaft. In seinem Vortrag beschrieb Schreiner das Mit- und Gegeneinander von islamischer und christlicher Tradition durch die Jahrhunderte. Er betonte die Chancen einer säkularen Gesellschaft, weil sie Christen wie Muslime davor bewahre, politische Macht zur Durchsetzung des eigenen Wahrheitsanspruchs einzusetzen. "Unter den Bedingungen der säkularen Gesellschaft stehen die Religionen nicht mehr in einem hierarchischen Verhältnis zueinander. Beide können sich auf Augenhöhe begegnen", sagte Schreiner. Der Religionswissenschaftler machte weiter deutlich, dass Zugeständnisse notwendig seien, wenn der Islam auch theologisch von christlicher Seite aus anerkannt werden soll: Christen müssten sich dann dazu bekennen, dass es eine göttliche Offenbarung auch nach Jesus Christus gegeben habe und dass es auch außerhalb des Christentums einen theologisch legitimen Heilsanspruch gebe. Schreiner forderte ein Gespräch zwischen den Religionen, das sich auch mit der Frage gemeinsamer ethischer Werte beschäftigen müsse. Er fügte hinzu: "Der Blick aufs Gemeinsame darf Unterscheidendes nicht übersehen, ohne es jedoch zu unüberbrückbaren Gegensätzen werden zu lassen."




Der ehemalige Kirchenrat Albrecht Hauser betonte in seinem Vortrag die "gravierenden Unterschiede" zwischen dem christlichen und dem muslimischen Glauben. Sie bestünden nicht nur in Randfragen, sondern im Zentrum. Die große Herausforderung durch den Islam liege für Christen darin, "zu bekennen, warum wir Christen sind und auch angesichts des Islams unbeirrt Christen bleiben wollen". Dabei dürfe in der Begegnung mit Menschen anderen Glaubens die zwischenmenschliche Würde und Achtung nicht verloren gehen, so Hauser. Es sei im Auge zu behalten, dass der Islam "ein ganzheitlicher Lebensentwurf" sei, der in seiner Grundstruktur die Trennung von Staat und Religionsgemeinschaft nicht vorsehe. Hauser forderte von islamischer Seite die Bereitschaft, "die eigene Geschichte und Gegenwart kritisch aufzuarbeiten und offen zu legen, wie man seinen Platz in der Gesellschaft" sehe. Ohne dies könne es längerfristig keinen wirklich fruchtbaren Dialog geben.






Stefan Wittig






Weitere Informationen über die Synode unter: www.elk-wue.de/landeskirche/landessynode/fruehjahrstagung-2006/

Ich bin dabei!

Ich bin dabei!

Werner Baur

Oberkirchenrat

Die evangelische Jugendarbeit in Württemberg eröffnet jungen Menschen vielfältige Räume und Betätigungsfelder, ihre persönlichen Gaben und Talente zu entdecken, zu erproben und zu entfalten.

Jetzt unterstützen!
Spenden

Evangelisches Jugendwerk in Württemberg
Haeberlinstraße 1-3
70563 Stuttgart
Fon 07 11/97 81-0


Montag-Donnerstag:
9:00-12:30 Uhr / 13:15-16:00 Uhr
Freitag:
9:00-12:30 Uhr


Kontaktieren Sie uns gerne auch direkt:

Ansprechpartner

Arbeitsbereiche


Sie finden uns auch auf folgenden Plattformen

Wir unterstützen das EJW

Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) bietet als Landesstelle sinnstiftende Angebote, Veranstaltungen und Dienstleistungen für Jugendwerke in Orten und Bezirken, aber auch für Kinder, Jugendliche, Konfirmanden, junge Erwachsene, Erwachsene und Familien. Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) ist die Zentrale für die evangelische Jugendarbeit in Württemberg und arbeitet selbstständig im Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.


Das Evangelische Jugendwerk Württemberg (EJW) gehört zu: