11.05.2020 - Redaktion: Eberhard Fuhr (Pressesprecher des EJW)

Finger weg von den Sommerferien

Jugendliche brauchen Freiräume

Landesjugendring Baden-Württemberg:
Bedürfnisse junger Menschen bei Diskussion um Gestaltung der Sommerferien berücksichtigen


Die Gestaltung der Sommerferien ist hart umkämpft. Die Tourismusbranche bangt um ihr Geschäft, sollten die Sommerferien nicht wie geplant als Urlaubszeit dienen. Elternverbände fordern Sommerschulkurse, nicht zuletzt, weil viele Eltern nicht Budget oder Zeit für einen Urlaub hätten. Es wird abgewogen zwischen wirtschaftlichen Interessen und der Bildungskarriere junger Menschen. Bei den Jugendverbänden führt die derzeitige Diskussion zu Kopfschütteln.

Der stark eingeschränkte Kontakt zu Gleichaltrigen, die massiven Einschränkungen der Freizeitgestaltung und seit Wochen keine Freiräume abseits des Elternhauses - diese Aspekte werden nach Ansicht des Landesjugendrings in der öffentlichen Debatte viel zu wenig beachtet: "Es wird aktuell vor allem nach Bedürfnissen der Wirtschaft und von Eltern als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gefragt. Kinder und Jugendliche tauchen in der Diskussion nur auf, wenn es um Schulabschlüsse geht. Nach ihren Interessen, Sorgen und Nöten in der aktuellen Situation wird nicht gefragt. Stattdessen sollen Jugendliche funktionieren und ihre Abschlüsse machen, als sei 2020 ein Jahr wie jedes andere. Aber Kinder sind mehr als ein Betreuungsproblem. Und für Jugendliche besteht das Leben nicht allein aus ihrem Schulabschluss", kritisiert Reiner Baur, Vorsitzender des Landesjugendrings Baden-Württemberg.

Kinder und Jugendliche brauchen Freiräume ohne Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, um sich mit Gleichaltrigen zu treffen - da ist sich die Fachwelt einig. Diese Freiräume bieten Jugendverbände mit ihren Freizeitangeboten in Gruppenstunden und Ferienfreizeiten. Die Angebote der Jugendverbände sind wertvolle Treffpunkte für Kinder und Jugendliche. Bei den zahlreichen Aktivitäten erproben Kinder und Jugendliche Neues und übernehmen Verantwortung. Doch diese Angebote stehen in der aktuellen Diskussion um Lockerungen der Corona-bedingten Einschränkungen viel zu weit im Hintergrund.

"Wir brauchen jetzt sehr schnell verlässliche Aussagen, in welche Richtung wir in den nächsten Wochen und vor allem in der Sommerzeit planen können", fordert Baur. In den Jugendverbänden sei völlig klar, dass dieses Jahr alle Planungen unter dem Vorbehalt des Infektionsgeschehens stehen. "Wir gehen davon aus, dass dieses Jahr nichts stattfinden kann, wie ursprünglich geplant. Deswegen stehen die Ehren- und Hauptamtlichen in den Jugendverbänden bereit, um für Kinder und Jugendliche unter den aktuellen Bedingungen funktionierende Angebote zu entwickeln, zu improvisieren und kreativ neu zu erfinden. Das sind wir unseren Teilnehmer*innen aber auch deren Eltern schuldig. Aber komplett ins Blaue hinein zu planen ist kaum möglich und für alle Beteiligten frustrierend", führt Baur aus.

Notwendig seien planbare Rahmenbedingungen für Zeltlager, Stadtranderholungen und Waldheime. Die Vorbereitung dazu muss jetzt erfolgen. Dazu gehört vor allem die Schulung der ehrenamtlichen Betreuer*innen. Dabei lassen sich Gruppenpädagogik und anderes nicht nur digital vermitteln. Deshalb müssen Lehrgänge in Präsenzveranstaltungen wieder ermöglicht werden können. Ein weiteres Problem: das Vorgehen von Hochschulen und Universitäten, die ihre Semester und Prüfungszeiten in die Sommerferien hineinschieben. Für die Ehrenamtlichen sei hier Flexibilität bei Prüfungsterminen unabdingbar, damit sie ihrem Engagement nachgehen können.

Baur: "Unser Appell an die Landesregierung ist klar: machen Sie zeitnah Freizeiten in den Sommerferien möglich! Und: Finger weg von den Sommerferien. Jugendliche brauchen jetzt eine Ferienperspektive und die Jugendverbände eine Planungsgrundlage. Wir stehen für Gespräche bereit, um unter den außergewöhnlichen Bedingungen der aktuellen Pandemie tragfähige Lösungen zu erarbeiten, die mit dem Infektionsschutz vereinbar sind."

Medien-Information vom 08.05.2020
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