30.07.2008

Ganz Deutschland ist ein einziger Abenteuerspielplatz

Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (ejw)startet die Sommerferienaktion "German Games"


Die Spiele haben begonnen: die Olympischen Spiele in Peking zwar noch nicht, dafür aber die "Deutschen Spiele" in Stuttgart. Am Start ist deshalb auch nicht die "Jugend der Welt", sondern "nur" Jugend aus Württemberg. Unter der Organisation des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (ejw) sind am Mittwoch 111 junge Männer in zwölf Gruppen aufgebrochen, um von Stuttgart aus per Bahn ganz Deutschland kennenzulernen.



STUTTGART. 10.16 Uhr im Stuttgarter Hauptbahnhof, "Kleine Schalterhalle". Posaunenmusik weist den Weg – zumindest für diejenigen, die wissen, worum es hier geht. "Normale" Passanten, die auf dem Weg zu oder von ihren Zügen sind und eilig vorüberhasten, wundern sich vielleicht über die bunte Ansammlung von Jugendlichen, die da auf den Beginn eines Abenteuers warten. Fast alle Gruppen sind in eigenen "Uniformen" erschienen – eine Gruppe im traditionellen grünen Hemd der evangelischen Jungenschaften, die anderen in speziellen T-Shirts, die sie eigens für die "German Games" bedrucken ließen.


Englisch ist die Sprache der Welt, vor allem aber die Sprache der Jugend. Deshalb haben die Verantwortlichen vom Fachausschuss Jungenarbeit im ejw englische Begriffe gewählt, um die jungen Leute auf Tour durch Deutschland zu schicken. Das Motto der "German Games" lautet demnach: "go (D)". Das erinnert zum einen an das englische Wort für Gott und soll andrerseits sinngemäß so viel heißen wie: "Geh’ durch Deutschland". Das mit dem Gehen ist durchaus wörtlich zu verstehen, denn außer öffentlichen Verkehrsmitteln sind im Reglement nur noch Fußmärsche zur Fortbewegung vorgesehen.


Spielregeln sind notwendig, denn abgesehen von einer Reise durch ganz Deutschland bieten die "German Games" auch ein Spiel in ganz Deutschland. In jedem der 16 Bundesländer gibt es eine ausgewählte Stadt, in der die Teilnehmer zehn Aufgaben bekommen. Diese gilt es vor Ort zu lösen. Ansonsten gibt es noch sieben allgemeine Aufgaben, die darin bestehen, Rätsel zu lösen, etwas zu basteln oder bestimmte gruppendynamische Fotos zu schießen.


Die Lösungen werden im Tourbuch notiert, Fotochips sind am Ende der Spiele ebenfalls abzugeben. In die Punktwertung am Schluss fließt auch noch mit ein, welche Gruppe eine der 16 Städte als erste oder als zweite besucht hat. Für diese herausragende Art der Schnelligkeit und der Beweglichkeit gibt es Sonderpunkte. Dabei geht es interaktiv zu: Unter der Internet-Adresse www.german-games.info können die Teilnehmer jederzeit mitverfolgen, wo sich welche der zwölf Gruppen gerade befindet oder für welchen Ort es noch Extrapunkte geben kann. Somit beeinflussen die Gruppen und ihr jeweiliges Reiseverhalten auch die Reiserouten der anderen Teams. Natürlich hat es auch Vorteile für die Verantwortlichen des ejw und für die Eltern der 13 bis 17 Jahre alten Jungs aus Württemberg, wenn sie die Gruppenbewegungen im Internet nachverfolgen können. Zu diesem Zweck muss sich jedes Team mindestens einmal an jedem Spieltag per E-Mail oder per SMS melden.


Außer 16 Spielstätten in allen deutschen Bundesländern gibt es noch sieben "Sonderbahnhöfe", für deren "Anlaufen" die Teams ebenfalls Punkte gutgeschrieben bekommen: Es sind dies der nördlichste Bahnhof Deutschlands auf Sylt, der südlichste (Oberstdorf), der westlichste (Isenbruch) und der östlichste (Görlitz). Die übrigen drei Sonderbahnhöfe sind der höchstgelegene auf der Zugspitze, der am tiefsten liegende (Neuendorf-Sachsenbande) sowie der Göttinger Bahnhof, der einem der Orte am nächsten liegt, die von sich behaupten, genau in der geographischen Mitte Deutschlands zu liegen.

Natürlich müssen nicht alle Aufgaben innerhalb der zehn vollen Tage bewältigt werden, das lässt sich rein zeitlich auch gar nicht schaffen. Aber es besteht immerhin die Möglichkeit, Deutschland von Süden nach Norden und von Westen nach Osten zu durchfahren und wirklich einmal in jedem Bundesland eine Stippvisite zu machen, um Land und Leute kennenzulernen.


Im Normalfall ist das ja das übliche Sommerferienprogramm von Spitzenpolitikern, speziell in Wahljahren. Die Politik ist übrigens auch an den "German Games" des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg beteiligt: Die Schirmherrschaft hat der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger übernommen. Die Stiftung Kinderland Baden-Württemberg fördert die Veranstaltung finanziell. Ministerialdirektor Thomas Halder vom Ministerium für Arbeit und Soziales wünschte den Teilnehmern bei der Abfahrt im Stuttgarter Hauptbahnhof denn auch im Namen der Landesregierung und der Stiftung Kinderland gute Reise. Dabei betonte er, dass es sich bei den "German Games" für jeden Teilnehmer letztlich um eine "Bildungsreise" handle.


Das ist sicher genauso richtig wie die Bemerkung eines der Verantwortlichen, der die "German Games" als eine "Sommerfreizeit mit Wettbewerbscharakter" bezeichnete. Für die Teilnehmer wiederum geht es um eine Mischung aus beidem: Bei einer kurzen öffentlichen Befragung durch Landesjugendreferent Rainer Oberländer meinte einer der Teilnehmer, er wolle vor allem Berlin und die Nordsee sehen. Ein anderer antwortete auf die Frage, ob er schon wisse, wo seine Gruppe am Abend übernachte, mit einem schlichten: "Nö." Für Jürgen Kehrberger, den fachlichen Leiter des ejw, besteht gerade darin das Abenteuer der "German Games". Außerdem sieht er darin den Inbegriff des Urlaubs: endlich einmal nicht "aus zweiter Hand" leben, von Terminen gehetzt, die man selbst nicht bestimmen kann; dafür aber sich treiben lassen und tun, was einem gefällt. Gleichwohl brauche man auch dafür einen Plan. Das dürften alle Gruppen in den nächsten Tagen feststellen.


Die einen Gruppen hatten schon feste Pläne für den Anfang, die anderen wollten erst einmal abwarten, was das Tourbuch vorgibt, bevor es losging. Die Gruppe mit dem schönen Namen "1. FC Tabellenletzter" aus Neubulach "im schönen Schwarzwald" beispielsweise wusste gegen 10 Uhr noch gar nicht viel, außer dass sie in Mansfeld in Sachsen-Anhalt einen Ansprechpartner hatten, bei dem sie im Lauf der nächsten zehn Tage – wie jede andere Gruppe auch, allerdings in verschiedenen Bundesländern – ein soziales Projekt angehen. Im Fall der Neubulacher handelt es sich um ein Begegnungsprojekt in einem Altenheim.


Die Motivation der Jungenschaftsgruppe aus Neubulach sieht deren Leiter Martin Jäger darin, dass die Jungs Deutschland kennenlernen, Gemeinschaft erleben und Spaß haben wollen. Beim Übernachten sind sie auf alles eingestellt, von der Jugendherberge über Campingplätze bis hin zum "Zelten in der Pampa". Das persönliche Motto der zwölf Jungs aus dem Schwarzwald und ihrer zwei erwachsenen Begleiter lautet: "Lass’ dich überraschen." Nur eines stellten sie von vornherein klar: "Mir sin die, wo gwenna wellat."


Letzteres sind die acht Jungenschaftler der Stuttgarter Markus-Gemeinde mit ihrem Gruppenleiter Christian Brüderle sicherlich auch. Sie gaben im Vorfeld ebenfalls das "Übernachten im Park" als eine ihrer Möglichkeiten an. Ansonsten aber hatten sie für den Anfang schon genauere Pläne: Zuerst sollte es in die Partnerstadt Essen nach Nordrhein-Westfalen gehen, von dort aus dann mit einem Nachtzug weiter nach Emden in Niedersachsen.


Wo auch immer sie sonst noch unterwegs sein werden, das können sie am Samstag, 9. August, und am Sonntag, 10. August, ausführlich berichten, wenn sie wieder zurück in Stuttgart sind. Das Abschlusswochenende wird in der Stuttgarter Jugendherberge gemeinsam gefeiert. Spätestmögliche Rückkehrzeit am 9. August ist um 16.10 Uhr. Diese merkwürdige Uhrzeit ist die Umkehr der Startzeit 10.16 Uhr. Symbolisch stehen diese Zahlen für die zehn vollen Tage Spielzeit und für die 16 Bundesländer, die es in diesen paar Tagen zu bereisen gibt. Die Neubulacher hatten ihren Plan übrigens schnell beieinander: Kurz nach Ende der Auftaktveranstaltung hatten sie, kaum das Tourbuch in der Hand, beschlossen, dass sie im nördlichsten Bundesland beginnen. Die dortige Partnerstadt ist die Landeshauptstadt. Also bestiegen die Schwarzwälder kurzerhand einen Zug in Richtung Kiel. Von dort aus wird es dann sicher nur ein kleiner Abstecher zum nördlichsten Bahnhof Deutschlands sein: In kurzer Zeit von einem Meer zum anderen – von der Ostsee bei Kiel zur Nordsee bei Sylt –, bei den "German Games" ist das völlig normal. Zumindest genauso normal wie der Abschiedsgruß, den Timm Ruckaberle, der Vorsitzende des Fachausschusses Jungenarbeit im ejw, den 111 Jungs mit auf den Weg gab: "Behüte euch Gott!"

Andreas Volz



 

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