12.12.2008

Gewalt bei Jugendlichen verhindern

Soziale Netzwerke und interreligiöse Kompetenz helfen dabei

Stuttgart. Gut funktionierende Netzwerke zwischen Schulen, Polizei und sozialen Einrichtungen können Jugendlichen in Krisensituationen schnell helfen - und beugen damit Gewalt vor. Das ist das Fazit der soeben zu Ende gegangenen mehrtägigen Tagung "Junge Menschen im Konflikt" im Pädagogisch-Theologischen Zentrum (PTZ) im Haus Birkach in Stuttgart. 50 Teilnehmer aus Schule, Polizei und Kirche setzten sich mit der Identitätsentwicklung junger Menschen auseinander. Ein weiteres Ergebnis der Tagung: Wer Jugendliche mit Migrationshintergrund betreut, sollte sich in ihrer Kultur und in ihrer Religion auskennen.

"Identität wird entscheidend durch ethnische, ethische, religiöse und ökonomische Einflüsse geformt", hieß es während der Veranstaltung. Ob die Identitätsentwicklung bei Jugendlichen erfolgreich verläuft, hänge nicht zuletzt davon ab, wie junge Menschen dabei begleitet werden: durch einzelne Personen oder Hilfsangebote, die miteinander vernetzt sind. In den Workshops der Veranstaltung wurde daher versucht, entsprechende Netzwerke zu entwickeln, die dann greifen, wenn Familien und Schulen nicht mehr weiter kommen. Vor allem bei gefährdeten Jugendlichen komme der Kooperation unterschiedlichster Institutionen große Bedeutung zu, hieß es.


Besonderes Augenmerk galt Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die aufgrund ihrer schlechteren Lebensbedingungen vermehrt als Tatverdächtige in der Polizeikriminalstatistik auftauchen. Um ihnen und ihren Familien adäquate Hilfsangebote machen zu können, aber auch um Konflikte frühzeitig zu vermeiden, sollten die damit betrauten Personen und Institutionen mehr über den ethnischen Hintergrund, über Religion und Tradition der Jugendlichen wissen. Interkulturelle und interkulturelle Kompetenzen - so ein Ergebnis der Tagung - werden im Einwanderungsland Deutschland immer wichtiger, auch um den Dialog zwischen den Kulturen zu fördern. Dazu beitragen könnte als ein möglicher Ansatz der Religionsunterricht für muslimische Kinder an deutschen Schulen, der den unterschiedlichen Ausprägungen des Islams Rechnung trägt.


Mit der Tagung setzte das Haus Birkach eine interdisziplinäre Tagungsreihe zum Themenkomplex Gewaltprävention und Religion fort, die 2005 begonnen wurde. Zu den Veranstaltern gehörten neben dem ptz die Projektstelle Dekade zur Überwindung von Gewalt, das Dezernat Kirche und Bildung des Evangelischer Oberkirchenrats, die Evangelische Akademie Bad Boll, das Kontaktbüro Gewaltprävention im Kultusministerium, das Landeskriminalamt Baden-Württemberg sowie die Alevitische Gemeinde Stuttgart e.V.


Christian Tsalos

Pressepfarrer

der Evangelischen Landeskirche in Württemberg


 

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Thai An Vu

Informatikerin & Ehrenamtliche im EJW-Weltdienst

"Zuerst habe ich gedacht, ich bin ja schon selber Migrantin und in Migrantengemeinden aktiv. Doch in Begegnungen mit Menschen aus anderen Kulturen und in anderen Ländern habe ich einen neuen Schatz entdeckt. Es macht Spaß Erfahrungen zu teilen."

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