12.10.2016 - Autor: 

Glaube und Zweifel gehören zusammen

Anika Rehorn bei YOUNIFY 2016, Foto: Manuel Ross

1000 junge Leute bei YOUNIFY 2016 im Theaterhaus in Stuttgart

STUTTGART. Bei der zweiten Jugendkonferenz YOUNIFY des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW) am vergangenen Samstag hat die Theologin Anika Rehorn, zur Zeit Vikarin im EKD-Zentrum für Mission in der Region in Dortmund, mehr Ehrlichkeit in Predigten und in Kirchengemeinden angemahnt. Zweifeln sei erlaubt und manche Zweifel wären auch Glaubensaussagen. „Gott kann man nicht besitzen und nicht begreifen“ sagte sie in ihrem Vortrag vor knapp 1000 jungen Teilnehmern und Mitarbeitern im fast vollbesetzten großen Saal des Stuttgarter Theaterhaus. Glaube sei eine Entscheidung, an etwas festzuhalten, eine Entscheidung, an Gott festzuhalten. Zweifel sei demnach etwas, was diese Entscheidung in Frage stellt. „Glaube bekommt durch Zweifel die Chance, an Tiefe zu gewinnen.“ Glaube sei aber auch immer ein Geheimnis, greifbar und doch nicht greifbar. „Gott ist immer größer als mein Denken. Glaube und Zweifel sind keine Gegensätze, denn nur so wird sich das Bild zusammensetzen, nur so kann aus der Ahnung irgendwann einmal Gewissheit werden.“


„Wir hoffen immer noch“


Zuvor berichteten Christoph und Marion Koch, die Eltern von Samuel Koch, welche Schwierigkeiten sie mit dem Begriff „Hoffnung“ hatten. Der Schauspieler selber, der seit einem schweren Unfall am 4. Dezember 2010 bei „Wetten dass …“ vom Hals abwärts querschnittsgelähmt ist, war kurzfristig verhindert, da er am Theater in Darmstadt eine zusätzliche Probe vor der „Faust“-Premiere hatte. Seine Eltern erzählten in einem Interview, dass sie immer wieder auf ein Wunder für ihren Sohn gehofft hätten. Dies sei aber bisher nicht geschehen. „Wenn Gott ein Wunder tun will, kann er dies tun – oder auch nicht. Wir hoffen immer noch darauf, möchten uns dabei aber dabei nicht verrückt machen“. Samuel Koch selber sagte in einer Videobotschaft zu YOUNIFY, dass er darauf hofft, wieder laufen zu können, aber die Vernunft verbiete ihm das. „Spätestens im Himmel werde ich dies wieder tun können – da bin ich mir sicher.“ Er wolle sich nicht zufrieden geben, aber zufrieden sein. Christoph Koch erzählte, dass er in den letzten fünf Jahren mehr von seinem ältesten Sohn gelernt habe, als dieser von ihm. „Samuel hat eine Reife erlangt, die uns überholt hat.“ Das persönliche Gottesbild des Vaters von vier Kindern sei zwischenzeitlich ein anderes geworden. Er, seine Frau und anderen Geschwister hätten in den letzten Jahren immer wieder mit Gott gehadert, aber auch immer wieder zum Glauben zurückgefunden. Christoph Koch kündigte eine Stiftungsgründung an, bei der es um die Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen geht, die Ähnliches erlitten haben wie die ganze Familie Koch.


Glaube wie Jesus


Auch für Karsten Hüttmann, gibt es den „Glauben nur im Paket mit Zweifeln. Sie sind zwei Seiten einer Medaille“, betonte er in der dritten „Session“ bei YOUNIFY 2016. Der Glaube berühre Kopf, Herz, Hände und Füße. „Glaube im Sinne der Bibel ist Glaube an Jesus, den menschgewordenen Gott“ so Hüttmann. „Glaube ist Glaube wie Jesus. Wenn er nicht zur Tat wird, ist er nicht existent“. Für den Leiter des Referats Missionarisch- Programmatische Arbeit beim CVJM-Gesamtverband müsse diese bewusste Entscheidung immer wieder getroffen werden. „Glauben heißt, Jesus nachfolgen und von ihm lernen“, so der Vorsitzende des Christival. Am Ende dieser Session feierten die jungen Christen gemeinsam Abendmahl in dem großen Theatersaal. 


Christen sollen für Liebe bekannt sein


„Am Ende des Lebens wird kein Glaubenskurs abgefragt, und auch nicht danach gefragt, ob Du an die Jungfrauengeburt glaubst“ sagte Shane Claiborne. „Am Ende sind die Beweise unseres Glaubens die Werke der Liebe“, so der Gründer der christliche Kommune „The Simple Way“ in Philadelphia (USA). Dort hat er sich zusammen mit seinen Mitstreitern nur zur Aufgabe gemacht, die radikale Liebe Jesu in ihrem Umfeld Wirklichkeit werden lassen. „Wenn wir wissen wollen, wie Liebe aussieht, müssen wir auf Jesus sehen. Er fordert uns dabei heraus, auch über Grenzen zu gehen“ so der politische Aktivist und Autor einiger Bücher, der sich selbst in einem Leprakrankenhaus in Kalkutta und als Friedensaktivist im Irak engagiert hat. „Die Welt sucht nach Menschen, die echt sind“. Die beste Predigt sei das eigene Leben, das an Jesus erinnert. „Ich möchte dafür beten, dass die Menschen bei Christen nicht daran denken, wogegen diese sind und wo sie richtend und scheinheilig sind, sondern daran, dass sie an die Liebe Jesu Christi denken“, sagte er im Blick auf die aktuellen Debatten um Flüchtlinge und Homosexualität zum Ende der Veranstaltung.


Zwischen den einzelnen „Sessions“ gab es die Möglichkeit bei „Meet the Speaker“ mit den Referentinnen und Referenten ins Gespräch und im „Gebetraum im Glashaus“ zur Ruhe zu kommen, sowie sich auf dem „Marktplatz“ beispielsweise über die Kampagne „Kirche macht was“ und den Freiwilligendienst des EJW“ zu informieren. YOUNIFY 2016 ging mit einer „Aftershow“ im Foyer des Theaterhauses mit Musik von Kilian zu Ende. Die Stimmen der Besucher, die den Heimweg antraten waren vielfältig. „Der Tag hat mir sehr gut gefallen, er hatte die richtige Mischung aus Nachdenken über das eigene Leben und Spaß haben. Ein toller Impuls!“ erzählte ein junger Ehrenamtlicher am Ausgang. Es sei schön, einen Tag lang komplett in seinem Leben abzutauchen, ergänzte ein anderer Teilnehmer. Auf die Frage, was sie von der Veranstaltung mitnimmt, antwortete eine dritte Besucherin „den Ansporn weiter mit Gott zu leben“.

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Rolf Lehmann

Bürgermeister a. D. / Ministerialdirektor i. R.

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