24.09.2019 - Redaktion: Eberhard Fuhr (ef) - Pressesprecher des EJW

Historisches und aktuelle Einblicke in die Jugendarbeit

Alle Fotos: Julian Meinhardt (EJW)

Hansjörg Kopp (Generalsekretär CVJM Deutschland)

Jürgen Kehrberger (Vorsitzender EJW-Förderverein)

links: Werner Baur; rechts: Andreas Lämmle

links: Dr. Wolfgang Ilg; rechts: Frederik Seeger

von links nach rechts: Benjamin Steinhoff, Johannes Seule, Melanie Grötzinger, Sebastian Harras

links: Hannah Schelzel; rechts: Andreas Lämmle

Jugendwerk erinnert an den Beginn der Evangelischen Jugendarbeit und an die Einweihung „Bernhäuser Forst“. Einsetzung von vier neuen Mitarbeitenden.

Beim EJW-Fest am vergangenen Sonntag (22.09.2019) im Tagungszentrum „Bernhäuser Forst“ hat das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) drei Jubiläen in den Mittelpunkt gerückt. In einem Festvortrag erinnerte Hansjörg Kopp, Generalsekretär des CVJM Deutschland, an die Hintergründe für die YMCA-Gründung vor 175 Jahren in London. George Williams habe die soziale Not junger Männer gesehen und ihnen Halt durch Gemeinschaft, Bibelstunden und warmes Essen gegeben. „Auch heute müssen wir uns einmischen, so dass sich Rahmenbedingungen ändern“, sagte er am Vormittag. Dabei sei die Beziehungsarbeit sehr wichtig, denn auch Gott wolle eine Beziehung zu den Menschen. „Wenn wir relevant im Leben sein wollen, sind Beziehungen zu den Menschen unverzichtbar“, betonte er. Auch beim Klimaschutz müsse sich die evangelische Jugendarbeit neu einmischen, da dies ein Jugendthema sei und sich der CVJM seit 175 Jahren immer mit gesellschaftlichen Fragen beschäftige habe. Dabei komme es nicht auf die Methode, sondern auf die innere Haltung und auf die Leidenschaft an. „Raus aus der Komfortzone, hin zu den Menschen“, so seine Empfehlung. (ef)

Vor 150 Jahren wurde der Süddeutsche Evangelische Jünglingsbund gegründet

Im Rahmen der „Geschich(en)werkstatt“ zeigte Hermann Hörtling, ehemaliger Fachlicher Leiter des EJW, auf, wie es zur Gründung des Süddeutschen Evangelischen Jünglingsbundes vor 150 Jahren kam und wie sich dieser erste Jugendverband bis 1925 weiterentwickelt hat. „Die evangelische Jugendarbeit hatte von Anfang an eine religiöse Seite und eine gesellschaftliche Seite“, betonte Hörtling. So sei auch immer wieder darüber diskutiert worden, ob ein Dachverband überhaupt notwendig sei und wie dieser ausgerichtet sein müsse. Den einen sei der „Bund“ zu „weltförmig, zu weit und zu unkirchlich gewesen“ und den anderen „zu pietistisch und zu eng.“ Er berichtete, dass Bücher, Liederbücher, Posaunenliteratur und eine eigene Zeitschrift von Anfang an herausgegeben wurden, dass es seit 1870 hauptamtliche Mitarbeiter gab und schon 1893 mit dem „Bundesinstruktionskurs“ der Vorläufer der heutigen „Leitungsakademie“ durchgeführt wurde. (ef)

Rückblick wird zur Zukunftshoffnung

Zur Geschicht(en)swerkstatt „50 Jahre Bernhäuser Forst“ hatten viele den Weg gefunden, die auf verschiedene Weise Teil dieser Geschichte waren: ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie die langjährige Hausleiterin Gisela Schwarz-Bletgen, die früheren Studienleiter Peter Neumann, Dietlind Schaale und Manfred Bletgen, Angehörige des Architekten des Tagungshauses sowie zahlreiche Menschen, für die der „Bernhäuser Forst“ mit seinen vielfältigen Angeboten ein besonderer Ort geworden war. Umrahmt von Liedern aus der jeweiligen Epoche und unterstützt von Jungen Posaunen aus aus Schönaich, führte Alma Ulmer, derzeitige Studienleiterin im „Forst“, durch ein Programm, bei dem in kurzen Beiträgen an verschiedene Zeitabschnitte in der Geschichte des Bernhäuser Forstes erinnert wurde. Wichtig war den Mitwirkenden, dass es nicht bei der Rückschau bleibt, sondern bei allen Veränderungen im Lauf der Zeit die Geschichte weitergeht: „Wir wollen nicht rückwärtsgewandt leben, sondern Zukunftshoffnung aus den Erfahrungen der Vergangenheit schöpfen“, sagte Manfred Bletgen, Studienleiter von 1995 bis 2005. Andreas Lämmle, Vorsitzender des EJW-Vorstands, hob die besondere Bedeutung des Bernhäuser Forstes als Ort der Bildungsarbeit hervor. „Die Bildungsarbeit öffnet neue Horizonte. Hier begegnen sich Kirche und Gesellschaft. Und wir dürfen nicht kürzen an der Zurüstung und Ausbildung junger Menschen. Wir brauchen starke Hauptamtliche, wir brauchen starke Ehrenamtliche, wir brauchen einen starken Bernhäuser Forst“. (Autorin: Gisela Schweiker)

Zwischen Manager und Beziehungsknüpfer

Wolfgang Ilg, Professor an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, und Frederik Seeger, lange Zeit in Thüringen als Jugendreferent tätig, heute Bezirksjugendreferent im EJW Freudenstadt, gingen in ihrer Geschicht(en)werkstatt der Frage nach: „Jugendarbeiter: Beziehungsknüpfer oder Manager?" Ilg präsentierte zu Beginn die Prognosen für die Entwicklung der Mitglieder in den beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland. Fachleute der Uni Freiburg gehen in der „Projektion 2060“ davon aus, dass sich in den Jahren, bis die Jugendreferenten, die heute ihre Laufbahn beginnen, in den Ruhestand gehen werden, die Mitgliedschaften in der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland von rund 60 Prozent der Bevölkerung auf ungefähr 25 Prozent zurückgehen werden. Vor diesem Hintergrund der dadurch schwindenden Ressourcen wird es für die Jugendarbeit laut Ilg in den kommenden Jahrzehnten vermehrt um den Spagat zwischen Management und Verwaltung auf der einen Seite und dem Schwerpunkt der beziehungsorientierten Jugendarbeit auf der anderen Seite gehen. Dabei ist es für ihn wichtig, den technologischen Fortschritt und die Digitalisierung zu nutzen, um die Waagschale der Beziehungsarbeit zu füllen und für Entlastung auf der Seite des Managements zu sorgen. Ein Praxisbeispiel der Schaffung eines Orts für Beziehungsarbeit stellte Frederik Seeger vor. Durch ein großes Vertrauen von Seiten der Gemeinde und viel Freiraum in der architektonischen Gestaltung der Kirche hatte er die Möglichkeit im thüringischen Mühlhausen eine Jugendkirche aufzubauen. Neue Wege ging er dort durch die Entwicklung von einfach anwendbaren Modulen der Jugendarbeit. Einmal etabliert, gewann er Zeit für die Beziehungsarbeit vor Ort. Diese gelingende Arbeit an der Basis brachte ihn zu dem Schluss: „Ohne starke Ortsgruppen braucht es keine Bezirksjugendwerke“. (Autor: Julian Meinhardt)

Goldene EJW-Nadel für Werner Baur

Im Rahmen des EJW-Festes mit rund 400 Gästen erhielt Werner Baur, engagiertes CVJM Mitglied und bis 1. Juni 2018 Oberkirchenrat in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, für sein langjähriges herausragendes Engagement für die Jugendarbeit die Goldene EJW-Nadel. Andreas Lämmle, Vorsitzender des EJW, bezeichnete ihn als eine „Reformkraft der Evangelischen Jugendarbeit.“ (ef)

Freiwillige erzählen

Im Jahr 2011 ist das EJW als Träger für Freiwilligendienste (FSJ und BFD) gestartet. Seitdem haben 790 junge Menschen (Stand September 2019) einen Freiwilligendienst beim EJW gemacht. Etwa 100 von ihnen sind im Rahmen des EJW-Fests zu einem Ehemaligentreffen gekommen. Neben viel Zeit zum Reden, Austauschen und Essen gab es für fünf Freiwillige die Möglichkeit, tieferen Einblick in ihren Freiwilligendienst zu geben. Larissa, Johanna, Rebecca, Hannah und Philipp haben ihr FSJ oder ihren BFD in Kirchengemeinden, CVJM, Bezirksjugendwerk oder der EJW-Landesstelle gemacht und konnten im Rahmen der Geschicht(en)werkstatt mit Klaus Stoll, Landesreferent für Freiwilligendienst im EJW, ins Gespräch kommen und über die Höhepunkte, Schwierigkeiten und den Gewinn ihres Freiwilligendienstes berichten. Für alle gemeinsam war eines klar: der Freiwilligendienst im EJW lohnt sich. Im aktuellen Jahrgang sind derzeit 112 Freiwillige im Dienst, rund 20 Stellen sind noch offen. Informationen zu den Stellen und zum Freiwilligendienst allgemein finden sich unter ejw-freiwilligendienst.de. (Autorin: Franzi Töpler)

Einsetzung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Beim abschließenden Gottesdienst wurden Sebastian Harras (Posaunenarbeit), Johannes Seule (Pfarrer zur Dienstaushilfe) und Benjamin Steinhoff (musikplus) in ihre neuen Ämter eingesetzt. Zudem erfolgte im Gottesdienst die Einsetzung von Melanie Grötzinger als Geschäftsführerin des Tagungszentrums Bernhäuser Forst. Mit diesem Schritt wurde offiziell die operative Verantwortung für den Bernhäuser Forst vom EJW an den von der Evangelische Landeskirche zum 1. Januar 2019 gegründeten Gesamtbetrieb der Evangelischen Tagungsstätten in Württemberg übergeben. Hannah Schelzel, die bei der Delegiertenversammlung im Mai 2019 nicht mehr für den Vorstand kandidierte, erhielt die Silberne EJW-Nadel für ihre langjährige ehrenamtliche Mitarbeit in der Evangelischen Jugendarbeit. Das Opfer für die Friedensarbeit des YMCA im Südsudan ergab den Betrag von 2.138,26 Euro. (ef)

Fördervereine möchten in Häuser der Jugendarbeit investieren

Zum Beginn des EJW-Festes berichtete Jürgen Kehrberger bei der diesjährigen Mitgliederversammlung des EJW-Fördervereins von einer erfolgreichen Stabübergabe. Bei der Mitgliederversammlung im September 2018 wurde er als Nachfolger von Hermann Hörtling zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der EJW-Förderverein, der das EJW jährlich mit über 100.000 Euro unterstützt und zu dem auch buch + musik gehört, wird im nächsten Jahr zusammen mit dem „Förderverein für Schülerarbeit im EJW“ das Haus Senfkorn in Metzingen sanieren. Für den möglichen Ausbau des Freizeitheim Kapf gebe es aktualisierte Planungen, über die voraussichtlich im nächsten Frühjahr entschieden werden soll. Friedemann Berner, Geschäftsführer des EJW, stellte auch die Beta-Version der Plattform „Jugendarbeit.online“ vor, die u. a. mit finanzieller Unterstützung des EJW-Fördervereins derzeit im EJW für vier große Jugendverbände entwickelt wird. Aktuell sind dort rund 750 Artikel verfügbar. Bis zum Start am 1. Januar 2020 soll dieses Angebot, das die bisherigen Printversionen vieler Arbeitshilfen ersetzt, rund 2.000 Bausteine für die Mitarbeitenden in der kirchlichen Jugendarbeit enthalten. (ef)






Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) koordiniert, fördert und gestaltet die evangelische Jugendarbeit in Württemberg. Unser Ziel ist es, junge Menschen zum Glauben an Jesus Christus einzuladen, ihren Glauben im Alltag zu stärken und sie bei ihrem Engagement für Jugendarbeit und Gesellschaft zu unterstützen. Kurz gesagt: begegnen, begleiten und befähigen. Deshalb unterstützen wir Kinder, Konfirmanden, Jugendliche, Familien und (junge) Erwachsene über unsere sinnstiftenden Arbeitsbereiche, Veranstaltungen, Bildungsangebote und Reisen. Zudem bringen wir die einzelnen Jugendwerke vor Ort sowie in den Bezirken voran. Als größter konfessioneller Jugendverband in Baden-Württemberg bieten wir jährlich circa 306.000 jungen Menschen regelmäßige und circa 462.000 einmalige Angebote. Wir arbeiten selbstständig im Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und mit einem großen Netzwerk an Partnern. Mehr über uns erfahren Sie unter www.ejwue.de/ueber-uns/wer-wir-sind/ 

Ich bin dabei!

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Benjamin Hiller

Lehramtsreferendar

"Mit meiner Mitarbeit auf Freizeiten möchte ich den Kindern zeigen, dass ein Leben als Christ nicht so einseitig und ‚langweilig‘ ist, wie es das Image oft widerspiegelt. Außerdem möchte ich den Kindern die geistliche Seite des Christ-Seins vorleben und mit ihnen teilen."

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