21.03.2009 - rr

Hoffnung in der Trauer: "Gott kommt uns entgegen"

Bischöfe July und Fürst sprechen Angehörigen Trost und Mut zu

Stuttgart / Rottenburg /Winnenden.
In einer ökumenischen Trauerfeier und einem anschließenden Staatsakt in der katholischen Kirche St. Karl Borromäus in Winnenden haben am Samstag Angehörige der Opfer des Amoklaufs von Winnenden und Wendlingen von den Toten Abschied genommen.

Die Trauerfeier, die von Bischof Gebhard Fürst und Landesbischof Frank Otfried July im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Günther Oettinger gestaltet wurde, wurde ebenso wie der Staatsakt auf öffentlichen Plätzen sowie in Kirchen und Gemeinderäumen im Rems-Murr-Kreis und in Stuttgart übertragen. Mehrere zehntausend Menschen haben die Übertragung verfolgt.

July: "Der Tod hat nicht die letzte Macht"
Der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July drückte in seiner Predigt seine Anteilnahme mit den Angehörigen der Opfer aus. "Der Riss der vergangenen Tage bleibt, die Trauer, der Schmerz. Viele schlimme Bilder stehen vor dem inneren Auge", sagte July. "Die Todesbilder dieser Welt, die wir so oft sehen müssen und die sich jetzt unter uns ereignet haben, haben nicht die letzte Macht", betonte der Bischof. Der Bibelvers "Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen" spreche direkt in die Sprach- und Trostlosigkeit dieser Welt. Das öffentliche Trauern zeige den Angehörigen, den Menschen in Winnenden, Wendlingen und den benachbarten Orten "Ihr seid nicht allein". "Es waren und sind Tage, in denen wir nur Bruchstücke einsammeln und vor Gott hinhalten können", so der Bischof. "Da stehen die flackernden Kerzen, die Namen und Bilder derer, deren Lebenslauf jäh zu Ende ging - abgebrochen wurde. Wir bringen diese Leben vor Gott." July sagte weiter: "Wir schweigen auch den Täter, Tim K. nicht tot." Abgeschieden von den Opfern werde auch dieses Bruchstück eines Lebens vor Gott gestellt. Die Bruchstücke, alles Ausgesprochene und Unausgesprochene, alle Trauer, alle Rachegedanken, all das gelte es, vor Gott auszusprechen.

July rief auch dazu auf, darauf zu achten, welchen Bildern Kinder und Jugendliche ausgesetzt seien. "Wir haben in dieser Gesellschaft miteinander Verantwortung, welche Bilder öffentlich werden und prägen, welchen Bildern unsere Kinder und Jugendlichen begegnen und welchen Erfahrungen. Wir haben miteinander die Verantwortung, welche Verhaltensweisen unter uns Platz ergreifen. Kehrt um, wo falsche Bilder und falsche Verhaltensweisen unter uns sind." July gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen und Lehrern, Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern eines Tages wieder über Bilder des Lebens und der Hoffnung sprechen können.

Fürst: "In der Liebe Gottes geborgen"
Seine Anteilnahme mit den Angehörigen der Opfer brachte auch Bischof Gebhard Fürst in seiner Predigt zum Ausdruck. Es sei jetzt noch nicht die Zeit, fertige Antworten zu geben oder gar Rezepte für künftiges Verhalten zu formulieren. "Jetzt ist die Zeit, Trauer, Schreien und Klagen zuzulassen und all dem Raum zu geben", sagte Bischof Fürst. Jetzt sei aber auch Zeit, einander Zeichen der Verbundenheit und Nähe zu geben. Den Notfallseelsorgern, Sanitätern, Psychologen, Polizeibeamten und vielen anderen Helfern danke er dafür, dass sie solche konkrete Zeichen der Nähe gegeben hätten, betonte der Bischof. Gott antworte aber auch auf diese Klagen und verspreche, eine neue Zeit heraufzuführen. "Die Zukunft bei Gott ist nicht die Verlängerung des Leidens, nicht die ewige Fortsetzung aller Fragen und die unendliche Kette unserer Ausweglosigkeiten", so Bischof Fürst.

Direkt an die Trauernden gewandt sagte er: "Besonders Sie, die Sie so leiden unter dem Schmerz des Verlustes, können hoffen: Ihre Kinder, Ihre Kolleginnen, Ihre Angehörigen sind jetzt schon in den offenen Armen Gottes aufgenommen, sie sind gehalten von seiner Liebe und sind bei ihm schon jetzt geborgen." Für viele sei es schwer, jetzt diesen Trost anzunehmen, betonte Bischof Fürst. Es handle sich aber nicht um eine billige Vertröstung. "Der Ernst der Gegenwart und die schrecklichen Taten werden nicht ausgeblendet und verdrängt." Gott wisse um die Tränen, die Trauer und die Anklage der Menschen, er sehe den Schmerz, das Leid und die Not. Er habe es aber überwunden, weil er den Tod selbst getragen und in neues Leben gewandelt habe. "Gott weiß selbst um unseren Tod - er trägt ihn mit uns", so der Bischof; "Gott kommt uns entgegen auf den schweren Wegen dieser Tage."

Christian Tsalos

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