11.09.2015 - Autor: Birgit Althof (Evangelische Landeskirche in Württemberg)

„Jeder Mensch ist ein Gedanke Gottes“

Foto: Profilmetall, Hirrlingen

Wie Daniela Eberspächer-Roth von der Werkbank in den Chefsessel kam

Von der Jungschar auf den Chefsessel eines Familienunternehmens?

Von Rolf Lehmann stammt der Satz: „Wer eine Jungschar leiten kann, kann auch ein Ministerium führen.“ Was etwas flapsig klingt, hat er selbst bewiesen. Als Wirtschaftsbürgermeister von Stuttgart und später als Amtschef des Sozialministeriums. War Rolf Lehmann ein Einzelfall? Wir haben uns umgeschaut und stellen im Laufe des Sommers mehrere erfolgreiche Menschen vor, die ebenfalls von der evangelischen Jugendarbeit geprägt worden sind. Heute Daniela Eberspächer-Roth, Geschäftsführerin von PROFILMETALL in Hirrlingen. Birgit Althof hat mit ihr gesprochen.

Als Kind träumte sie davon, Bäuerin zu werden. Als Jugendliche jobbte sie als Kassiererin und schichtete bei Daimler. Heute steht Daniela Eberspächer-Roth an der Spitze einer Firmengruppe mit 15 Millionen Euro Umsatz, ist das einzige weibliche Gesicht im Präsidium der IHK Reutlingen und engagiert sich für die Wiedereingliederung jugendlicher Straftäter. Humorvoll erzählt die Unternehmerin von ihrem Werdegang – und darüber, was sie in einer Sindelfinger Jungschargruppe für ihren Lebensweg gelernt hat.

Als „sehr prägend“ bezeichnet Daniela Eberspächer-Roth ihre Jungschar-Zeit in Sindelfingen. Mehrere Jahre lang besuchte sie die Gruppe, die von ihrer älteren Schwester geleitet wurde. „Sie vermittelte mir, dass jeder Mensch ein Gedanke Gottes ist. Und ich lernte, mein Leben im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott und den Menschen zu sehen“, erinnert sich die 50-Jährige. Dieser Gedanke habe sie ihr ganzes Leben lang begleitet. Dass sie eines Tages in der Chefetage ihres Familienunternehmens landen würde, war zu Schulzeiten noch nicht abzusehen. „Ich wollte zwar schon immer Unternehmerin werden, aber eigentlich eher Bäuerin“, sagt die gebürtige Stuttgarterin.

Lebensfragen gemeinsam lösen

Sie selbst war sich nach dem Abitur erst einmal unsicher, wohin mit ihren Fähigkeiten. Nach einem Hauswirtschaftlichen Berufskolleg entschied sie sich für ein BWL-Studium an der Dualen Hochschule Stuttgart. Die junge Frau sah ihre Stärken eher im Kreativen. Den Schritt  in die Welt der Buchführung und Wirtschaftsmathematik empfand sie als anspruchsvoll: „Ich musste erst verstehen, dass Zahlen Bilder sind, die Unternehmens-Geschichten erzählen“, sagt Eberspächer-Roth. Religiöse Fragen trieben die knapp 20-Jährige nach wie vor um. Sie organisierte studentische Frühstückstreffen zu christlichen Themen. 1985 gründete sie das Internationale Jugendforum e. V., das seinen Sitz mittlerweile nach Berlin verlegt hat. Zu seinen „Tagen der Begegnung“ lädt der Verein bis zu 200 junge Erwachsene zur Begegnung mit Bundespolitikern ein, die sich dort, so Eberspächer-Roth, „kniffeligen Fragen nach Glauben, Lebensinhalt, Ziel und Sinn ihrer Arbeit“ stellen.

Von der Werkbank in den Chefsessel

Dass es mit dem Studium allein längst nicht getan war, wurde der Betriebswirtin und Steuerfachangestellten klar, als sie 1990 bei Profilmetall einstieg: „Um als Frau und ‚Papiertiger‘ akzeptiert zu werden – zumal in der Metallbranche –  machte ich erst einmal eine zweijährige Metallfacharbeiter-Ausbildung“, erinnert sich Eberspächer-Roth. Was sich später auszahlte: Als Profilmetall Ende der 90er-Jahre nach dem Verlust eines Großkunden ins Schleudern kam, brachte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Manfred Roth die Firma wieder auf Kurs. Heute beschäftigt das in Hirrlingen im Kreis Tübingen und im fränkischen Marktheidenfeld ansässige Unternehmen 100 Mitarbeiter und erwirtschaftet jährlich 15 Millionen Euro Umsatz.

Talente erkennen, Mitarbeiter wertschätzen

Befragt man Daniela Eberspächer-Roth zur Personalpolitik von Profilmetall, scheint wieder die Leitidee von der „Verantwortung vor Gott und den Menschen“ auf: „Auch in schwierigen Situationen versuche ich immer, mein Gegenüber als Mensch wertzuschätzen“, sagt die Unternehmerin und erläutert: Stelle sich heraus, dass ein neuer Mitarbeiter wider Erwarten nicht zu seiner Stelle passe, „dann wird ihm nicht einfach in der Probezeit gekündigt, auch wenn das das Einfachste wäre.“ Stattdessen suche man gemeinsam nach einer neuen Aufgabe innerhalb der Firma. Und falls dennoch eine Kündigung ausgesprochen werden müsse, dann stets im persönlichen Gespräch und verbunden mit dem Versuch, neue Jobperspektiven zu eröffnen, erklärt die Chefin. Ehrenamtlich engagiert sich die 50-Jährige seit über zehn Jahren für das Seehaus Leonberg, eine christlich geprägte Einrichtung. Dort werden junge Straftäter in freien Formen des Strafvollzugs auf ein Leben in der Gesellschaft vorbereitet. Nebenher stellt die Unternehmerin ihre Expertise als Handelsrichterin zur Verfügung – ebenfalls ehrenamtlich. „Ich habe einfach immer die Aufgaben übernommen, die mir vor die Füße gefallen sind“, resümiert Daniela Eberspächer-Roth. Das waren in den letzten Jahren offenbar ziemlich viele. 

Ich bin dabei

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