12.11.2015 - Autor: Martin Weber (Presse-Mitteilung der aej)

Jugend und Kirche – nicht mehr als eine Handreichung

Jugenddelegierter bei EKD-Synode nicht gewählt

Große Enttäuschung bei der 2. Tagung der 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Bremen. Der engagierte Jugenddelegierte Ingo Dachwitz wurde auch im 8. Wahlgang zum Rat der EKD nicht gewählt. Die Synodalen wollten der jungen Generation keinen Platz im Rat einräumen und setzten bei der Wahl auf eine konventionelle Zusammensetzung des Leitungsorgans. Ingo Dachwitz zeigte Größe und zog seine Kandidatur zurück. Die Synode der EKD hat es im Blick auf die Jugend erneut verpasst, ein ernsthaftes Zeichen zu setzen. Ingo Dachwitz steht als Fachmann für Medien und politische Kommunikation für eine zeitgemäße Verkündigung des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft. Darauf hat die Synode mit ihrer Wahl verzichtet.

Bernd Wildermuth, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej), kritisiert diese Entscheidung gegen die Einbindung junger Perspektiven in kirchliches Leitungshandeln: „Junge Menschen sind heute auf der Suche nach ihrem Platz in der Kirche und bieten eine wichtige Verbindung in die moderne Gesellschaft. Ohne sie geht der Kontakt zur Lebenswirklichkeit einer ganzen Generation verloren. Gerade Ingo Dachwitz mit seiner ausgewiesenen Kompetenz im Feld der Digitalisierung von Lebens- und Kommunikationsprozessen hätte darüber weitaus mehr als seine Jugend einbringen können.“ Die EKD habe sich mit der Wahl des neuen Rates gegen neue Perspektiven entschieden, so Wildermuth in einer ersten Reaktion.

Noch 2010 hat der Rat der EKD in seiner Handreichung "Kirche und Jugend" formuliert, wie wichtig die junge Generation für die Kirche sei: "Aus dem Verhältnis der Kirche zur heranwachsenden Generation können und sollen sich Perspektiven für die Gegenwart wie die Zukunft jedes einzelnen Jugendlichen ergeben. Am Verhältnis der Kirche zur heranwachsenden Generation entscheiden sich in einer Gesellschaft, in der eine christliche Sozialisation keine Selbstverständlichkeit mehr darstellt, aber auch die Gegenwart wie die Zukunft der Kirche."

Diese Einsicht fehlte den Mitgliedern von EKD-Synode und Kirchenkonferenz. Sie wählten zwei Jahre vor dem Reformationsjubiläum einen Rat der EKD, der für die Konzentration auf kirchliche Binnenperspektive steht.

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