04.06.2013 - Autor: 

„Jugendliche haben Sehnsucht nach Sinn und Spiritualität“

links: Frère Andreas Krautsieder; rechts: Frère Alois Löser. Foto: Peter Steinle

Prior der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, Frère Alois, in Tübingen

Eltern seien heute oft unsicher, wie sie Glaubensthemen mit ihren Kindern besprechen sollten. Dabei hätten Kinder und Jugendliche eine tiefe Sehnsucht nach Lebenssinn und Spiritualität, sagte Frère Alois Löser, der Prior der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, am Montag, 3. Juni in Tübingen vor Journalisten. Auf Einladung der Religionspädagogen Professor Dr. Albert Biesinger und Professor Dr. Friedrich Schweitzer war er für einen Vortrag an der Universität und ein anschließendes „Gebet um das Kreuz“ in der Stiftskirche nach Tübingen gekommen.

Der Glaube werde heute nicht mehr einfach aus Tradition übernommen, sondern müsse jeweils neu begründet werden, erklärte der 59-jährige Prior: „In Taizé brechen die Fragen nach Gott, nach dem Evangelium, nach der Kirche auf“, berichtete er. Wichtig seien dabei Stille, Gemeinschaft und emotionales Erleben. Dazu trügen entscheidend auch die Taizé-Gesänge bei, ergänzte Professor Schweitzer. Die Gemeinschaft von Taizé könne und wolle aber keine dauerhafte geistliche Heimat für die Jugendlichen bieten, betonte Frère Alois, vielmehr brauche es auch die lokale Gemeinschaft oder die Gemeinde am Wohnort.

Professor Biesinger war mit Tübinger Lehramtsstudenten in den Pfingstferien eine Woche in Taizé, um dort zu studieren, was Jugendliche an der Gemeinschaft so fasziniert: „In Taizé wird eine Saite in den Jugendlichen zum Schwingen gebracht, die in anderen kirchlichen Zusammenhängen nicht immer angesprochen wird.“ Frère Andreas Krautsieder, der seinen Prior nach Tübingen begleitet und hier auch Lehrbeauftragter an der Universität ist, hat festgestellt: „Die Jugendlichen brauchen Beziehungen zu anderen, sie brauchen Zeit und Stille für sich und sie suchen die Gemeinschaft mit Gott. Nach diesen drei Punkten sehnen sie sich auch noch, wenn sie in ihre Gemeinden zurückkommen.“ Frère Andreas zeigte sich überzeugt: „Jugendliche brauchen ihre Kirche als Ort der Gemeinschaft, wo erfahrbar ist, dass Gott in der Mitte ist, wo man Fragen stellen darf und Sinn finden kann.“

Die ökumenische Gemeinschaft von Taizé wurde 1949 von Frère Roger Schutz im burgundischen Taizé gegründet. Nach seiner Ermordung im August 2005 trat Frère Alois Löser seine Nachfolge an. Frère Alois ist in Nördlingen geboren und in Stuttgart aufgewachsen. 1974 trat er der Gemeinschaft bei, zu der heute rund hundert Brüder gehören. Rund 100.000 Besucher, davon 80 Prozent Jugendliche und junge Erwachsene, kommen jährlich nach Taizé, in der Regel jeweils für eine Woche.

Prälatur Reutlingen,
Pressepfarrer Peter Steinle

 

Kommentar:

Die Aula der Uni Tübingen war bei dem Vortrag von Frère Alois Löser, der von der Uni Tübingen in Kooperation mit dem BDKJ und dem EJW veranstaltet wurde, voll besetzt. Die Technik spielte nicht so ganz mit. So mussten die zahlreichen Besucher auf der Seitentribüne auf das Audi-Max ausweichen und konnten dem 30-minütigen eindrucksvollen und schlichten Vortrag nur akustisch folgen. Frère Alois sagte auf Nachfragen, dass die Kommunität keine Spenden annehme, sondern von ihrer Arbeit leben würden. Ein großer Teil der Finanzierung sei der Verkauf von Töpferwaren. Die großen internationalen Jugendtreffen finanzieren sich selbst, wobei die Teilnahmebeiträge gestaffelt sind.

Besucher jeglichen Alters strömten anschließend zum "Gebet um das Kreuz" in die Tübinger Stiftskirche, die zum Beginn bis auf den letzten Platz besetzt war. Stimmungsvoll, nur mit Kerzen und warmem Licht im Altarraum beleuchtet, sangen und beteten sie über zweieinhalb Stunden in verschiedenen Sprachen die einfachen und eingängigen Lieder von Taizé .

Die einfache, schlichte Form, die glaubwürdige Art, das Christsein über Konfessionsgrenzen hinweg zu leben und die Gemeinschaft des gemeinsamen Singens und Betens kommt an. Sie trifft auf eine Sehnsucht nach innerem Frieden und Ruhe. Die Gemeinschaft von Taizé will keine dauerhafte geistliche Heimat bieten, betonte Frère Alois. Vielleicht war dieser besondere Tag in Tübingen ein wertvoller Impuls, die christliche Gemeinden am jeweiligen Ort zu beleben und die Gottesdienste neu als geistliche Gemeinschaftserlebnis zu entdecken. Auch das Finanzierungsmodell der ökumenischen Gemeinschaft ist beeindruckend.

Eberhard Fuhr
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