07.05.2013 - Autor: Eberhard Fuhr (EJW)

Konfirmandenzeit ist wichtigste Brücke zur Jugendarbeit

Evangelische Jugendstudie „Brücken und Barrieren“ veröffentlicht

Motivationstypologie zum Jugendarbeitsengagement
Copyright: buch+musik Buchhandlung und Verlag des ejw

„Jugendliche haben meist überaus positive Erinnerungen an die eigene Konfirmandenzeit, vor allem dann, wenn sie sich vom Schulunterricht so stark wie möglich unterscheidet“. Zu diesem Ergebnis kommt die vom SINUS-Institut durchgeführte qualitative Jugendstudie „Brücken und Barrieren“, die im Auftrag  des Evangelischen Kinder- und Jugendwerks Baden, dem Landesjugendpfarramt in Württemberg und  dem Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) gemeinsam mit ihren Landeskirchen erstellt und heute veröffentlicht wurde. Die Konfirmandenzeit sei deshalb die wichtigste Brücke zur Jugendarbeit. Viele Äußerungen in der Studie weisen jedoch darauf hin, dass die Jugendlichen seit ihrer Konfirmation wenig Kontakt zu ihrer Kirche und der Evangelischen Jugendarbeit hatten. Ob und wie im Anschluss an die Konfirmandenzeit der Übergang in die Jugendarbeit gelingen kann, hängt von Angebot und den Anbietern, aber auch von der Motivation und den Interessenslagen der Jugendlichen ab. Letzterem geht die Studie ausführlich nach. Sie zeigt auf, dass sich die Einstellungs- und Verhaltensmuster Jugendlicher in Bezug auf die Evangelische Jugendarbeit zum Teil recht deutlich voneinander unterscheiden. „Es muss davon ausgegangen werden, dass die Evangelische Jugendarbeit momentan das Engagementpotential recht leichtfertig verschenkt, da viele, die nicht in der Jugendarbeit engagiert sind, davon berichten, nie ernsthaft gefragt worden zu sein“, so die Autoren der Studie.

Suche nach Gemeinschaft, Fun und Action

Die Suche nach „Gemeinschaft, Fun und Action“ sind für alle Jugendlichen zentrale Motive im Zugang zur Jugendarbeit. Dies bedeute, dass nie nur das konkrete Programmangebot die Türen öffnet, sondern eben Beziehungen zu den eigenen Freunden und zu Mitarbeitenden die entscheidende Brücke bauen. Freiräume zum „Abhängen mit anderen“ haben einen hohen Stellen-wert in den Augen der Jugendlichen. Die Ergebnisse der Studie zeigen auch, dass die Erfahrungen mit dem traditionellen Gottesdienst die größte Barriere für ein Engagement in der Evangelischen Kirche sind. Die Predigt wird von fast allen Jugendlichen kritisiert, manchmal auch heftig, aber durchaus konstruktiv.
Sie sei „zu umfangreich, nicht abwechslungsreich genug, schwer verständlich, alltags- und jugendfern.“ Auch die traditionelle Uhrzeit des Gottesdienstes spielt eine Rolle wie „altes Liedgut, klassische Kirchenmusik und Orgelei“, sowie die Atmosphäre im Gottesdienst. Sie wünschen sich stattdessen Interaktion und Themen, die ganz konkret den Alltag von Jugendlichen und ihre Interessen betreffen oder aktuelle Geschehnisse aufgreifen.

Fünf unterschiedliche „Motivationstypen“

Das Sinus-Institut entwickelte auf Basis der geführten Interviews fünf sogenannte „Motivationstypen“. Es zeigte sich, dass die identifizierten Typen klare lebensweltliche Schwerpunkte aufweisen. Gegenüber den „Religiös-Motivierten“ und den „Gemeinwohl-Motivierten“ scheint für die „Spaß-Motivierten“, die Benefit-Motivierten“ und die „Distanzierten“ die Mitarbeit in der evangelischen Kirche weniger attraktiv. „Um Jugendliche anderer Typen für ein Engagement zu gewinnen, müsste in der Evangelischen Jugendarbeit zuerst über eine Wertung des Begriffs „Engagement“ nachgedacht werden. Warum bedeutet nicht auch reine Teilnahme an einem Angebot Evangelischer Jugendarbeit „Engagement“. Das würde den Jugendlichen besonders gerecht, die zuvorderst Spaß- und Gemeinschaftserfahrungen in Evangelischer Jugendarbeit suchen“, empfehlen die Autoren des Buches den Verantwortlichen in der Kirche. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die evangelische Jugendarbeit neben vielfältigen Angeboten zur Mitarbeit auch solche zur reinen Teilnahme bereithalten müsse, wenn sie lebenswelt- und typensensibel agieren will. Im Bereich der Arbeit mit Kindern gebe es viele dieser Angebote, für Jugendliche hingegen recht wenige.

Erwerb sozialer Kompetenzen motiviert Jugendliche

Die Möglichkeit des Erwerbs fachlicher und sozialer Kompetenzen motiviere Jugendliche zu einer Teilnahme. Daher müsse kirchliche Jugendarbeit auch Angebote entwerfen, die „einen persönlichen Benefit und eine entsprechende Zertifizierung bieten“. Ebenso sind vor dem Hintergrund knapper Zeitbudgets der Jugendlichen und deren vielfältigen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung verstärkt projektorientierte Maßnahmen zu schaffen.

Die Mitarbeitenden und Verantwortlichen sind dabei die zentrale Ressource, denn letztlich komme es auf die Beziehung an. Daher sei es eine zentrale Aufgabe,  Miarbeitenden wertzuschätzen, ihre Persönlichkeit, fachliche sowie interkulturelle Kompetenzen zu fördern.

Konfirmandenarbeit als Kernaufgabe der Jugendarbeit?

Der Rat der Evangelischen Kirchen in Deutschland stellte in den im März veröffentlichten „zwölf Thesen zur Konfirmandenarbeit“ fest: „In der Kooperation zwischen Konfirmandenarbeit und Jugendarbeit liegen noch zu wenig genutzte Chancen. Vielfach bleibt es bei punktuellen Kontakten ohne nachhaltige Auswirkung. Künftige Reformmaßnahmen sollten diese Zusammenarbeit gezielt stärken und weiter unterstützen. Das EJW weist in der „Denkwerkstatt Zukunft zum Thema „Konfirmanden- und Jugendarbeit“ darauf  hin, dass in der Konfirmationsordnung der Landeskirche die rechtliche Verantwortung des Konfirmandenunterrichts bei den Pfarrern und dem Kirchengemeinderat liege. Aber auch dort werde die Jugendarbeit ausdrücklich erwähnt. So heißt es im §11, Absatz 1, „Der Kontakt zwischen Konfirmanden und der evangelischen Jugendarbeit in der Gemeinde sollte nach Möglichkeit schon während des Konfirmandenjahres aufgenommen werden. Dazu ist es erforderlich, dass während des Konfirmandenjahres Konfirmandenarbeit und evangelische Jugendarbeit kontinuierlich verbunden sind.“

Dass dies schon gelingt, zeigen Beispiele wie „Konfi-Camps und „Konfi-Gottesdienste“, Konfi-Samstage nur für Jungs und Konfi-Kreativ-Tage, aber auch die Konfi-Uni und das sogenannte „TRAINEE-Programm“, die alle im zweiten Teil der Studie beschrieben werden. Genau hier setzen die Einsichten von „Brücken und Barrieren“ an „Die Studie gibt der Jugend- und Konfirmandenarbeit ein Handwerkszeug, mit dessen Hilfe die Praxis evangelischer Kinder- und Jugendarbeit, von Freizeit- bis zu Gottesdienstangeboten, neu formatiert werden kann“, heißt es im Vorwort.

Eberhard Fuhr, Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising
Evangelisches Jugendwerk in Württemberg (ejw)


Hintergrund:


Für die Studie wurden vom Sinus-Institut 72 Einzelexplorationen mit Jugendlichen (36 m / 36 w) durchgeführt, deren Konfirmation zum Zeitpunkt des Interviews ein bis zwei Jahre zurücklag. Befragt wurden Jugendliche an
24 Orten in Baden-Württemberg. Jeweils ein Drittel aus Hauptschule/ Werkrealschule, Realschule und Gymnasium. In der Stichprobe sind 10 Jugendliche mit Migrationshintergrund vertreten. Wie groß jedoch der Anteil der jeweiligen Typen innerhalb aller Konfirmierten in Baden-Württemberg ist, lässt sich durch die Anlage der Untersuchung nicht bestimmen.

Das Hauptanliegen der Untersuchung besteht darin, „Brücken und Barrieren“ in die Evangelische Jugendarbeit aufzuzeigen. Die Ergebnisse lassen sich wie eine Brille verstehen, mit der auf dieJugendlichen nach der Konfirmation geschaut werden kann. Gefertigt wurde diese Brille von Wissenschaftlern, die weder aus dem unmittelbaren kirchlichen Umfeld kommen, noch innerhalb Baden-Württembergs ihre Heimat haben.

Die ungefilterten Äußerungen der Jugendlichen zeigen, wie groß die Herausforderungen sind, vor denen Evangelische Konfirmanden- und Jugendarbeit steht.

Die Studie „Brücken und Barrieren – Jugendliche auf dem Weg in die Evangelische Jugendarbeit“ ist zu beziehen bei buch + musik, Buchhandlung und Verlag des EJW und bei jeder Buchhandlung.

1. Auflage 2013, 348 Seiten, 19,90 EUR
buch+musik, ejw-service gmbh

buch+musik
ISBN 978-3-86687-088-0

Neukirchner Aussaat
ISBN 978-37615-6075-4

Der Clip zu SINUS-Studie „Brücken und Barrieren“:
http://vimeo.com/63830970

Download:
Presse-Information und Pressefotos "Brücken und Barrieren"

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Ingo Rust

Finanzbürgermeister Stadt Esslingen

"Evangelische Jugendarbeit gehört zu den besten Schulen für Führungskräfte in Wirtschaft und Gesellschaft. Das durfte ich selbst erleben und unterstütze deshalb auch heute noch die Arbeit des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg."

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