07.07.2005

Missionarisches Bewusstsein nötig

Landesbischof Gerhard Maier hält seinen letzten Bischofsbericht vor der Synode

Stuttgart. Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Gerhard Maier, kritisierte in seinem Bischofsbericht die Hartz-IV-Reformen. Besonders die Menschen am Rand der Gesellschaft würden dadurch überfordert, sagte Maier am heutigen Donnerstag, 7. Juli, vor der württembergischen Landessynode. Kirche und Diakonie stünden zwar grundsätzlich hinter einer Reform des Sozialstaates, er habe aber "starke Zweifel", ob die angestrebten Ziele mit Hartz IV erreicht würden, sagte der Landesbischof. "Nachbesserungen sind meines Erachtens notwendig", so Maier weiter. Das Oberhaupt von 2,3 Millionen evangelischen Christen in Württemberg übte starke Kritik an Managergehältern, "die in keinem Verhältnis mehr stehen zum Leben der Bevölkerung". Diese "Selbstbedienungsmentalität" beschädige die Wertmaßstäbe der Gesellschaft. Angesichts sinkender Geburtenraten in Deutschland forderte Maier, die Kirche müsse sich für einen "Mentalitätswechsel" hin zu mehr Kinderfreundlichkeit und für "eine Familien fördernde Gesellschaftspolitik" einsetzen. Dabei schließe sich die Kirche keiner gesellschaftspolitischen Position an, sondern schöpfe aus einer eigenen, originären Quelle: "Weil Familie und Kinder die Zuwendung des göttlichen Segens erfahren, deshalb tritt sie für beide ein", sagte der Landesbischof. Maier appellierte an die Kirchengemeinden: "Halten Sie an den Kindergärten so lange wie möglich fest!".


In seinem Bericht mit der Überschrift "Unser Glaube an Gott, den heiligen Geist" wandte sich Maier gegen Lähmung und Schicksalsergebenheit innerhalb der Kirche. Stattdessen müsse sie eine "dynamische und alle Chancen wahrnehmende Kirche" sein, die auf außen stehende Menschen einladend zugehe. Eine Kirche, die nicht wachsen wolle, gebe sich selber auf. "Gefragt ist vor allem unser missionarisches Bewusstsein und unsere missionarische Liebe", forderte Maier. Im Blick auf die Ziele seiner Amtszeit, die er in seinem ersten Bischofsbericht 2002 benannt hatte, zog Maier eine überwiegend positive Bilanz. So habe die Suche nach einem theologischen Grundkonsens mit der Broschüre "Daran glauben wir" zu einem konkreten Ergebnis geführt. Die landeskirchlichen Projekte wie "Notwendiger Wandel", "Personalentwicklung und Chancengleichheit" und "Wirtschaftliches Handeln" seien zum größten Teil in die Praxis umgesetzt worden. Nicht erreicht hätte die Landeskirche jedoch das Ziel, Austritte zu verringern und Eintritte zu vermehren. Gerhard Maier, der am 23. Juli nach gut vier Jahren sein Amt an Frank Otfried July abgibt, sagte, er habe als Bischof stets "alles Jammern und alles in Skepsis Versinkende abgelehnt". Er wünsche sich, dass in der Landeskirche "auch in Zukunft eine frohe, nüchterne und biblische Zuversicht bestimmend bleibt".


Die drei synodalen Gesprächskreise nahmen den Bericht des Landesbischofs positiv auf. In seiner Stellungnahme zum Bischofsbericht sagte Emil Haag im Namen des Gesprächskreises "Lebendige Gemeinde", die Kirche hätte zu Ehe und Familie viel zu sagen, müsse dabei aber zuerst "vor ihrer eigenen Tür kehren". Kinder seien beispielsweise im Gottesdienst für viele eine Last, sagte Haag, "das darf nicht sein". Für die "Offene Kirche" wies die Synodale Susanne Richter darauf hin, dass die Anforderungen an Erzieherinnen in kirchlichen Kindergärten immer höher würden. Die Kirche müsse deshalb in diesem Bereich künftig in mehr Personal, höhere Qualität und den Ausbau der Betreuungsangebote investieren, forderte sie. Jörg Schumacher, der für den Gesprächskreis "Evangelium und Kirche" sprach, stellte die Ökumene in den Mittelpunkt seines Beitrags. Er regte an, die christlichen Kirchen sollten sich an der von der Konferenz Europäischer Kirchen erarbeiteten Charta Oecumenica orientieren, um eine gemeinsames christliches Profil zu zeigen.



Andreas Föhl



Weitere Informationen bei: www.elk-wue.de/cms/landeskirche/landessynode/sommertagung2005

<<050707SynodeBischofsbericht.doc>>




 

Ich bin dabei

Ich bin dabei

Adelheid Huonker-Wagner

Organisationsentwicklung, Coaching, Supervision

"Die evangelische Jugendarbeit ermöglicht die Entfaltung von Gaben, prägt Wertebewusstsein und Glauben, indem sie mit Angeboten, Initiativen, Projekten, Freizeiten, ... individuelle Erfahrungs-, Erlebnis- und Entfaltungsräume öffnet."

Jetzt unterstützen!
Spenden

Evangelisches Jugendwerk in Württemberg
Haeberlinstraße 1-3
70563 Stuttgart
Fon 07 11/97 81-0


Montag-Donnerstag:
9:00-12:30 Uhr / 13:15-16:00 Uhr
Freitag:
9:00-12:30 Uhr


Kontaktieren Sie uns gerne auch direkt:

Ansprechpartner

Arbeitsbereiche


Sie finden uns auch auf folgenden Plattformen

Wir unterstützen das EJW

Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) bietet als Landesstelle sinnstiftende Angebote, Veranstaltungen und Dienstleistungen für Jugendwerke in Orten und Bezirken, aber auch für Kinder, Jugendliche, Konfirmanden, junge Erwachsene, Erwachsene und Familien. Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) ist die Zentrale für die evangelische Jugendarbeit in Württemberg und arbeitet selbstständig im Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.


Das Evangelische Jugendwerk Württemberg (EJW) gehört zu: