30.09.2021 - Beate Breithaupt und Andrea Mohn

Musik als Gegenbewegung zwischen Trümmern des Lebens

Foto: Frank Lutz

Literarisch-musikalischer Abend mit Aeham Ahmad am 24. September auf dem Bernhäuser Forst

Im Namen der EJW-Stiftung Jugend. Bibel. Bildung. begrüßte Gerhard Wagner zum zweiten literarisch-musikalischen Stiftungsabend im Bernhäuser Forst. Zu Gast war der Pianist Aeham Ahmad, der mit Klavier und Gesang die rund 130 geladenen Gäste der EJW-Stiftung begeisterte, tief bewegte und für unvergessliche Eindrücke sorgte. Alma Grüßhaber, engagiert in der EJW-Stiftung und ehemalige Landesreferentin, schlug zwischen den Musikbeiträgen am Flügel einen Bogen mit literarischen Lesungen aus dem autobiografischen Buch von Ahmad „Und die Vögel werden singen“. Der Pianist spannte das Publikum auch zum gemeinsamen Singen ein. Alma Grüßhaber unterstrich danach, wie wichtig es ist, unser Gegenüber wahrzunehmen und zu verstehen - und wie Musik den Geist und die Seele bewegt, fordert und fördert.

Im Interview mit Beate Breithaupt erzählte Aeham Ahmad aus seiner Kindheit. Er wuchs als palästinensischer Flüchtling im syrischen Flüchtlingslager Yarmouk in Damaskus auf. Seit seinem fünften Lebensjahr lernte er Klavier spielen. Er übte viele Stunden täglich - und sehnte sich oft danach, stattdessen mit Freunden unbeschwert Fußball spielen zu können. Der Ball der Freunde flog zeitgleich immer wieder gegen die Hauswand und lenkte ihn ab. Der Trubel der Stadt Damaskus war so eine Art Grundmelodie. Dennoch fühlt sich Aeham Ahmad rückblickend reich beschenkt, denn das Engagement und Interesse seiner Eltern an der Musik trugen ihn durch die dunkelsten Stunden. „Die Musik strahlt immer heller als die Sorgen. Das Leid ist sehr tiefschürfend, aber die Musik ist eine Art Gegenbewegung“, entgegnete Ahmad auf die Frage, wo er rückblickend die Kraft hernahm den Bürgerkrieg, die Flucht aus seinem Viertel Yarmouk in Damaskus über die Balkanroute nach Deutschland zu riskieren und alle damit verbundenen Erfahrungen zu überstehen. Aeham Ahmad beschrieb eindrücklich: „Ich bin Pianist. Ich habe nie Fahnen geschwenkt. Meine Revolution ist die Musik. Und das Wunder geschah: Die Welt hörte uns.“

Ein wichtiger Grundpfeiler seines Lebens ist die gute Beziehung zwischen ihm und seinen Eltern. Das empfindet er als großes Geschenk - und es ist eine Kraft, die einem niemand nehmen kann: ein Band der Liebe. Die Verzweiflung und den Hunger während des Krieges in Syrien kann man nicht beschreiben. Dazu gehören auch die Momentaufnahmen von Menschen, die so gezeichnet waren vom Krieg, dass sie kaum mehr wieder zu erkennen waren. Deshalb war es ihm wichtig, mit dem Klavier zwischen und auf den Trümmern zu spielen: „Und es war so ein hoffnungsvoller Moment zu realisieren, da hinter der Kriegswand denken Leute an uns und möchten uns helfen.“ Videos von diesen Auftritten, häufig vor allem mit Kindern als Publikum, wurden in sozialen Netzwerken geteilt und seine Geschichte erfuhr internationale Medienaufmerksamkeit. Aeham Ahmad ergänzte, dass er als Palästinenser im Pass keine Identität vorweisen kann und seine Heimat sein Klavier und die Musik ist. Seit sechs Jahren lebt er nun, inzwischen mit Frau und Kindern und seinen Eltern, in Deutschland. Er ist ein gefragter „Mann am Klavier“ und musiziert mit den unterschiedlichsten Orchestern und vielen verschiedenen musikalischen Partnern.

Die Spenden des musikalisch-literarischen Abends gingen zur Hälfte an ein YMCA-Berufsschulprojekt in Jericho, das der EJW-Weltdienst im Rahmen seiner Partnerschaft mit dem YMCA East Jerusalem begleitet und unterstützt und zur anderen Hälfte an die EJW-Stiftung. Cornelius Kuttler, Pfarrer und Leiter des Evangelischen Jugendwerkes in Württemberg, schloss den Abend mit Gedanken zum Psalm 98 „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“. Er betonte, dass Musik eine Gabe Gottes ist und die Kraft hat die Herzen zu berühren, auch wenn wir nicht mehr weiter wissen, mitten in den Trümmern unseren Lebens. Das Leben und der Glaube gehören immer untrennbar zusammen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns einsetzen für Menschen, für die sonst niemand einsteht.

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Bürgermeister a. D. / Ministerialdirektor i. R.

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