18.10.2012

Ökumenische Initiative zur Kooperation mit Schulen

Praxishilfe "Lebens-Werte entdecken" wurde mit starker Beteiligung des ejw erarbeitet

Foto: Eberhard Fuhr (Copyright: Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

Kultusstaatssekretär Mentrup: „Die Kirchen helfen den Schulen tatkräftig dabei, Kindern und Jugendlichen Werte zu vermitteln.“

Stuttgart/Freiburg/Karlsruhe/Rottenburg. Angesichts der deutlichen Veränderungen in den Schulen haben die evangelische und katholische Kirche in Baden-Württemberg eine gemeinsame Initiative zur Kooperation mit Schulen vorgestellt. In Stuttgart präsentierten die kirchlichen Bildungsverantwortlichen am Donnerstag unter dem Motto „Lebens-Werte entdecken“ unter anderem eine Praxishilfe, die beispielhaft Kooperationsmöglichkei­ten von kirchlicher Jugendarbeit und Schule aufzeigt. Schülerinnen und Schüler stellten dabei ihre Schul-Pro­jekte vor.

Die Schulen seien - insbesondere im Bereich der Ganztagsschulen - auf die Kooperation mit Partnern aus der Gesellschaft angewiesen, so die katholischen und evangelischen Bildungsverantwortlichen in ihrem gemeinsa­men Vorwort zur Praxishilfe „Lebens-Werte entdecken“. Dabei dürften außerschulische Partner nicht als billige Betreuungslösung missverstanden werden, sondern als Teil eines umfassenden Bildungsverständnisses, wie es die Landesverfassung Baden-Württembergs in Artikel 12 beschreibt. Um dies umzusetzen, „benötigen wir zu­künftig neue Finanzierungsmodelle, die es außerschulischen Partnern (ob von Kirche, Sport oder anderen Ar­beitsfeldern) ermöglichen, sich in der Schule einzubringen, ohne ihre außerschulische Arbeit dafür aufzugeben.“

„Wir reden heute viel von der work-life-balance. Das gilt auch für die Schule: Die school-life-balance findet aber nicht nur zwischen schulischen und außerschulischen Zeiten statt, sondern durch die Ganztagsbetreuung auch in der Schule selbst zwischen unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Zeiten. Durch unser Kooperationsan­gebot leisten wir zu dieser Balance zwischen lern and life in der Schule einen wesentlichen Beitrag“, so Ordina­riatsrätin Ute Augustyniak-Dürr von der Diözese Rottenburg-Stuttgart beim Pressegespräch am Donnerstag in Stuttgart.

Oberkirchenrat Prof. Dr. Christoph Schneider-Harpprecht, in der evangelischen Landeskirche in Baden für Er­ziehung und Bildung zuständig, sieht die Kooperation als eine Win-Win-Situation: „Durch die Zusammenarbeit von Schule und Jugendarbeit gewinnen alle. Die Schule öffnet sich für ganzheitliche Bildung und vernetzt sich in der Region. Die Kirchen erreichen Kinder und Jugendliche mit ihrem Angebot. Kinder und Jugendliche erleben die Vielfalt kirchlicher Jugendarbeit und können Verantwortung übernehmen.“

„Der Dienst der Kirche in Erziehung und Bildung verschränkt sich mit der Schulentwicklung und trägt dazu bei, eine humane Schulkultur zu entwickeln und den Lebensraum Schule menschenfreundlich mitzugestalten“, ist Domkapitular Dr. Axel Mehlmann, der Leiter der Abteilung Schulen und Hochschulen und Direktor des Instituts

für Religionspädagogik der Erzdiözese Freiburg überzeugt. „In der Kooperation von Kirche und Schule geht es nicht um ‚Missionierung‘, sondern um die menschliche und religiöse Förderung aller am Schulleben Beteiligten.“

Der in der evangelischen Landeskirche in Württemberg für Kirche und Bildung verantwortliche Oberkirchenrat Werner Baur betont die konkreten Ansätze für eine Kooperation: „Die Praxishilfe ‚Lebens-Werte entdecken‘ will Verantwortliche in Schule und Kirche anregen, begeistern und in Kontakt bringen. Sie will Schule entlasten und Kirche für ihre möglichen Beiträge zur Erziehung und Bildung sensibilisieren. Die vermeintlich kleine Stell­schraube ‚den ganzen Tag Schule‘ dreht ein größeres Rad. Bei einem Wechsel von der Halbtags- zur Ganz­tagsschule geht es um mehr als um ein paar organisatorische Fragen: Es geht um die Frage vitaler Gemeinwe­senstrukturen. Diese wollen und müssen wir erhalten, ja stärken - für unsere Kinder und Jugendlichen.“

Wertebildung beruhe auf inneren Überzeugungen, also auf Weltanschauung oder Religion, so die vier Kirchen­vertreter. „Junge Menschen brauchen nicht nur ‚Know how’, sie brauchen auch ‚Know-why‘, also Antworten auf die Sinnfrage.“

Der Staatssekretär im baden-württembergischen Kultusministerium, Dr. Frank Mentrup, begrüßte die Initiative der Kirchen und forderte: „Teil jeder Ganztagskonzeption sollte es sein, dass insbesondere die Schulen ihre Türen den anderen Einrichtungen und Angeboten im Stadtteil oder in der Kommune öffnen und sich mit ihnen vernetzen. Indem Angebote von Vereinen, Elterninitiativen, Jugendhilfen und Kirchen in den Schulalltag integ­riert werden, haben Schülerinnen und Schüler früh die Möglichkeit, eigene Stärken und Interessen in den unter­schiedlichen Bereichen zu entdecken und sich dort auch über den schulischen Bereich hinaus zu engagieren.“ Weiter sagte Mentrup: „Die Kirchen helfen den Schulen tatkräftig dabei, Kindern und Jugendlichen Werte zu vermitteln. Dies fördern wir durch die Ausbildung von Schülermentorinnen und –mentoren für Kirchliche Ju­gendarbeit.“

Schülerinnen und Schüler zeigten einige der zahlreichen bereits bestehenden Projekte: Beispielsweise einen Raum der Stille, in den sie mit verschiedenen Angeboten zur Unterbrechung des Schulalltags einladen, ein Mittagessen-Projekt für Schüler und ein Schülercafé von Schülern, die sich nicht nur um das leibliche Wohl der Schüler sorgen, sowie ein Kletterhallenprojekt im Stuttgarter „cityrock“.

Quelle:
Pressemitteilung vom 18.10.2012
Erzdiözese Freiburg
Evangelische Landeskirche Baden
Diözese Rottenburg-Stuttgart
Evangelische Landeskirche in Württemberg

Download:
Pressefotos "Lebenswerte entdecken"
Praxishilfe "LebensWerte entdecken"

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