15.05.2005 - rr

Pfingsten heute neu erleben

Die Gemeinde hat Geburtstag und alle sind eingeladen. Die Geschenke warten schon.

Seltsamerweise wird dieses weltbewegende Ereignis, das zur Entstehung der Kirche führte, heutzutage weitgehend ignoriert. Zwar schließen einige europäischer Länder zu Pfingsten noch Schulen und Geschäfte, doch die tiefere Bedeutung ist den meisten Menschen verloren gegangen, obwohl es im Zusammenhang mit Zungenreden manchen Leuten ein Begriff ist.


Und doch ist Pfingsten heute noch wichtig. Es war ein lebensnotwendiges Ereignis der Menschengeschichte, und es ist höchste Zeit, dass wir das neu entdecken. Unsere zerrüttete Welt braucht dringender als jemals zuvor die Feuer der Liebe und der Einheit, die in Jerusalem entzündet wurden. Um das aber erleben zu können, müssen wir zum Warten bereit sein.


Warten kommt vielen dumm vor, besonders wenn etwas dringend benötigt wird. Doch Blumhardt schrieb im 19. Jahrhundert, dass es so etwas wie "Aktives Warten" gibt. Das bedeutet, sich auf das zu konzentrieren und vorzubereiten, worauf man wartet.


Nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren war, trafen sich seine Nachfolger in Jerusalem, wo sie hinter verschlossenen Türen auf ein geheimnisvolles Geschenk warteten, das er ihnen versprochen hatte. Plötzlich stieg ein Wind auf, der den Raum erfüllte, in dem sie saßen. Sie sahen auf jedem Kopf etwas, was wie Zungenflammen aussah, und wurden vom Heiligen Geist erfüllt. Sie begannen, in verschiedenen Sprachen zu reden, verstanden sich dabei jedoch noch, und liefen bald durch die Straßen, um die Botschaft von Jesus zu verkündigen. Dann heißt es in der Apostelgeschichte:


"Als sie aber das hörten, ging's ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun? Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes. Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung, und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird. Auch mit vielen andern Worten bezeugte er das und ermahnte sie und sprach: Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht! Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen." (Apostelgeschichte 2, 37-41)


Wie können wir uns am besten auf das Pfingstgeschenk vorbereiten? Nachdem ich einige Tage darüber nachgedacht hatte, fing ich an, die Situation der ersten Gläubigen mit unserer heutigen Welt zu vergleichen. Mir wurde klar, dass zwischen diesen beiden kein allzu großer Unterschied besteht.


Wir leben in einer ungewissen und furchterregenden Zeit. Genauso ging es den Nachfolgern Jesu, als sie sich nach seinem Tod in Jerusalem versammelten. Ihr Lehrer und Führer war gerade getötet worden, und Verfolger waren ihnen auf den Fersen. Aber sie gerieten nicht in Panik und legten sich auch keine Fluchtpläne zurecht, wie wir in unserem Zeitalter oft versucht sind zu tun, da die Medien jede Woche neue Terror-Meldungen bringen. Stattdessen warteten diese einfachen Menschen still und voller Hoffnung auf das, was ihnen versprochen worden war: Einheit, Frieden, Freude, und das wichtigste von allem: brüderliche Liebe.


Als Seelsorger und Pastor höre ich jede Woche vielen Menschen zu. Dadurch ist mir klar, dass das Verlangen nach diesen Geschenken in jedem Menschenherzen verborgen ist. Diese Sehnsucht findet leider oftmals keine Erfüllung, weil vielen Leuten die Bereitschaft fehlt oder ihnen die ganze Sache sowieso nicht sehr dringend erscheint. Wir alle wollen Frieden haben, doch wieviele von uns sind bereit, dafür Opfer zu bringen? Wir wollen Versöhnung, doch hegen Groll gegen andere und halten daran fest. Uns verlangt nach Freiheit von Schuld, doch haben wir Angst vor Buße. Wir wollen Freude, stattdessen werden wir von Neid zerfressen. Wir suchen überall nach Liebe, doch schaffen wir es nicht, unsere Herzen dafür zu öffnen. Im Gegensatz zu den Nachfolgern Jesu auf der Straße nach Emmaus "brennen" unsere Herzen nicht "in uns". Wir "wollen" etwas Neues, aber sind nicht bereit, dafür zu sterben.


Und doch bin ich davon überzeugt, dass Pfingsten auch heute noch kommen kann, und zwar für jeden einzelnen von uns. Was könnte Lukas in der Apostelgeschichte anderes meinen, wenn er sagt, "Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung, und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird."?


Sobald ich anfange, die Hindernisse zwischen mir und den Menschen, denen ich jeden Tag begegne, aus dem Weg zu räumen - sobald ich beginne, jede Person, der ich begegne, als wichtiger anzusehen als mich selber und als der Liebe und des Respekts würdiger, wird eine Verwandlung mit mir geschehen. Das größte Pfingstgeschenk ist nicht die Zungenrede, sondern es ist der Geist, der die höchsten Hürden erklimmt und die ältesten Verbitterungen in nichts auflösen kann, der Geist, der den größten Stolz, die größte Begierde und die schlimmste Schuld überwinden kann.


Dieser Geist kennt keine Grenzen und ist ein Geschenk an jeden Menschen, ganz gleich mit welchem religiösen Hintergrund. Leider schrecken die meisten von uns davor zurück. Manche fühlen sich nicht würdig und andere gehen in den täglichen Sorgen unter.


Die allerwenigsten von uns folgen Tolstois Rat, der einmal schrieb, dass die allerwichtigste Zeit dieser Augenblick ist; dass die wichtigste Person in der Welt diejenige ist, die gerade bei uns ist; und dass es das Wichtigste ist, ihm Aufmerksamkeit und Liebe zu erweisen. Wenn auch nur eine Handvoll von uns so leben würde, wäre Gottes Reich schon unter uns angebrochen. Denn wie Jesus sagte: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Um mit Blumhardts Worten zu schließen:


"Wir sind ein ausgedörrtes Volk. Nichts wird unseren Durst löschen und die Trockenheit beenden - außer das nochmalige Ausgießen von Gottes Geist. Nur ein kleiner Teil der Verheißung wurde zur Zeit der Apostel erfüllt. Muss sie jetzt nicht in größerem Umfang erfüllt werden? Der Geist wird wieder fließen - lasst uns mit Zuversicht darauf warten. Der Durst bringt uns fast um, und Menschen verderben innerlich und äußerlich. Doch weil wir diesen Geist brauchen, glaube ich daran, dass Gott ihn wieder geben wird."


Autor: Johann Christoph Arnold


Quelle: www.derbruderhof.de


Interessante Infos rund um Pfingsten:

www.pfingsten-info.de



Bauernregeln: Wenn es zu Pfingsten regnet, regnet es sieben Sonntage hintereinander.

"Nasse Pfingsten, fette Weihnachten."



Ein aktuelles Interview zu Pfingsten und zur Bedeutung des Heiligen Geistes


www.heiligenlexikon.de (katholisch)


Pfingsten und die Deutschen (Artikel aus Welt)


Interessante Infos und weiterführende Links zu

Pfingsten (und zu vielen anderen Themen

sind auf der freien Enzyklopädie

www.wikipedia.org


Pfingstbotschaft von Bischof Dr. Wolfgang Huber

auf www.ekd.de


Gute Gedanken gibt es bei der Klosterkirche

Lippoldsberg (silberner Webfisch der EKD)

www.klosterkirche.de



 

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