Schüler im Gefängnis

Ein Knast-Gottesdienst bildet den Abschluss der alternativen Abi-Tour

Palmsonntag, 5.20 Uhr: Im Metzinger Haus senfkorn klingelt der Wecker. 26 Schülerarbeitler quälen sich aus den Betten und sitzen wenig später im Zug Richtung Rottenburg. Das genaue Ziel: die Justizvollzugsanstalt.

8 Uhr, in der erstaunlich schönen Kirche des Rottenburger Knasts: Die Tür geht auf und es strömen etwa 60 Männer jeden Alters in die Kirche. Neben uns setzt sich einer mit den Worten: „Koi Angschd, mir beißet net!". Manche der Männer kommen nur in den Gottesdienst, um den Himmel aus den einzigen unvergitterten Fenstern zu sehen. Andere sehnen sich nach einem Menschen, dem Gefängnispfarrer, der ihnen liebevolle Worte zuspricht. Andere sind einfach nur froh, sonntagmorgens ihre ca. 8m² große dunkle Zweierzelle mit absolut menschenunwürdiger sanitärer „Einrichtung" verlassen zu dürfen.

Der Gefängnisseelsorger hatte uns bei der Vorbereitung am Vorabend gewarnt: „Die werden einen Radiozugang zu eurer Musik haben. Die unterhalten sich, sobald ihr anfangt, Musik zu machen!". Wider alle Erwartungen versuchen die Männer aber bei den Liedern mitzubrummeln und applaudieren anschließend sogar. Beim vorbereiteten Anspiel geht ein breites Grinsen über die Gesichter und die ermutigenden Predigtgedanken nehmen die Knastis recht dankbar auf. Über unsere 120 selbstgebackenen Muffins wird regelrecht gejubelt.

Drei Häftlinge stellen sich für ein Gespräch mit uns zur Verfügung. Zum Teil sehen sie aus, als könnten sie keiner Fliege etwas zu Leide tun. Es ist erschreckend, wie oft sie zum Teil schon entlassen waren, wie wenig sie im Gefängnis aber über „richtiges" Leben in Freiheit lernen und wie oft sie wieder in den Knast zurückkommen. Ob sie sich denn hier zu Hause fühlen, wird gefragt. Ein deutliches „Nein" ist die Antwort. Hier habe man zwar Essen und ein schlechtes Bett, aber keine Freiheit und absoluten Liebesentzug. Zu Hause kann man sich da nicht fühlen! Es gäbe auch verschiedene Freizeitgruppen, die aber nur stattfinden, wenn auch Personal da ist, das diese betreut. Das ist jedoch selten der Fall. Die drei Knastis in unserer Runde spielen in der Knastband und sind dankbar, dass sich der Gefängnispfarrer ihrer annimmt. Und was macht man sonst so den ganzen Tag, wollen einige von uns wissen. Entweder man sitze 23 Stunden in seiner Zelle, oder man arbeite zu absolut unwürdigen Preisen von maximal 1,75 € pro Stunde. Seine Zelle sei immer offen, erzählt uns einer der Männer. „Jeder, wie er es verdient", sagt er und grinst seinen immer eingeschlossenen Mithäftling an. Erstaunt sind wir darüber, dass Sexualstraftäter zum Teil gleich wie Schwarzfahrer behandelt werden.

Was würden wir tun, wenn wir Justizminister wären? Es gäbe viel zu verbessern! So wird uns bei der Abschlussrunde in Metzingen deutlich, dass wir vor allem die Notwendigkeit sehen, mehr in Therapie und Sozialarbeit zu investieren, damit der Übergang in ein Leben ohne Straffälligkeit gelingen kann.

Beim Abschied erfahren wir von einem kleinen Problem der Gefangenen: Der Bassist der Band wurde entlassen. „Könntet ihr eure Bassistin nicht vielleicht da lassen?" Ihren Humor haben die Männer nicht verloren. Sie sind und bleiben Menschen. Menschen, die im Namen des Volkes verurteilt wurden. Aber Menschen, die von Gott geliebt sind. Wie du und ich.

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Thai An Vu

Informatikerin

"Zuerst habe ich gedacht, ich bin ja schon selber Migrantin und in Migrantengemeinden aktiv. Doch in Begegnungen mit Menschen aus anderen Kulturen und in anderen Ländern habe ich einen neuen Schatz entdeckt. Es macht Spaß Erfahrungen zu teilen."

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